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Buchdruck mit nur einem Klick

Der Germanist Beat Mazenauer und der Programmierer Urs Hofer wollen mit einer Schreibsoftware die Produktion von Büchern revolutionieren. Ihr erstes Projekt, eine Essayreihe, soll nur der Anfang sein.
Julia Stephan

Man nehme den Fall des Filmproduzenten Harvey Weinstein. Wie die Enthüllung über seine sexuellen Übergriffe im Internet unter dem Hashtag #MeToo Wellen der Empörung über die Kontinente schwappen liess. Und man stelle sich vor, wie in den bereits geglätteten Wogen auf dem Buchmarkt dann irgendwann das erste Enthüllungsbuch erscheint, das vorgibt, auf alle offenen Fragen eine Antwort zu haben.

Schade nur, dass es zum Zeitpunkt seines Erscheinens schon kalter Kaffee ist. Das Internet ist schnell. Der Buchmarkt ist zäher. Bis ein Buch durch die Mühlen eines Verlags seine Leser findet, vergehen auch mal zwölf Monate.

Der in Luzern beheimatete Literaturkritiker, Autor und Herausgeber Beat Mazenauer hat mit dem Programmierer Urs Hofer nun auf Basis des an Universitäten und Verlagshäusern beliebten Textsatzsystems Latex eine Schreibsoftware entwickelt, die den Weg des Buches zum Leser radikal verkürzen soll. Autoren können ihre Texte per Knopfdruck in unterschiedlichen Formaten herausgeben. Gedruckt werden die Bücher auf Nachfrage der Kundschaft im Internet. Einzig das Schreiben selbst und das Lektorat sollen weiterhin von Menschen aus Fleisch und Blut betrieben werden. Der Kaufpreis pro Buch liegt zwischen neun und neunzehn Franken.

Druck auf Knopfdruck im Internet

Germanist Beat Mazenauer (Bild: Nadia Schärli © Neue Zürcher Zeitung AG)

Germanist Beat Mazenauer (Bild: Nadia Schärli © Neue Zürcher Zeitung AG)

Radikal neu ist die Idee, Bücher in verschiedenen Formaten anzubieten, zwar nicht. Das Revolutionäre in Mazenauers und Hofers Produktionsprozess besteht vor allem im letzten Schritt. «Wir arbeiten mit der Druckerei edubook in Merenschwand gerade daran, dass Kunden mit ihrem Kauf im Internet den Druck ihres Buches gleich selbst auslösen», sagt Mazenauer.

Zusammen mit Datenbanken könnten sich Gedichtliebhaber mit dieser Software künftig nach thematischen Vorlieben ihre Anthologien selbst zusammenstellen. Autoren könnten ihren unfertigen Roman als Work in progress ohne horrende ­Mehrkosten versuchsweise auf den Markt werfen. Und Leiter von Schreibwerkstätten ihren Teilnehmern in wenigen Tagen eine sauber gedruckte Textsammlung überreichen. «Wir möchten dem Buch eine neue Beweglichkeit verleihen», so Mazenauer.

Literarische Experimente dank Software

Der schon lange an den literarischen Möglichkeiten im digitalen Feld tüftelnde Germanist ist mit Autoren im Gespräch. Man wolle gemeinsam herausfinden, welche literarischen Experimente mit einer solchen Software möglich seien. Auch kollektive Schreibexperimente seien denkbar.

Mit dem Verlag «Der gesunde Menschenversand» gibt es bereits eine Kooperation. Die Reihe ­essais agités versucht, auf Zeitfragen möglichst schnell gedruckte Antworten vorzulegen. Die Textart des Essays und seine offene Denkform steht dabei metaphorisch für das Bestreben, den Buchmarkt neu zu denken.

Band 1 der Reihe essais agités: Catherine Lovey/Annette Hug/Martin R. Dean/Michel Mettler: «Das bessere Leben». Der Gesunde Menschenversand. 120 Seiten, Fr. 19.50. www.essaisagites.ch

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