Ein Jubiläum ohne Feierlichkeiten

Das Kulturmagazin «Saiten» feiert seine 200. Ausgabe bescheiden mit einem «Best of» aus «Tischgeschichten» im Themenschwerpunkt. Das April-Heft selbst liefert zudem gute Gründe, wieso das Magazin längst unverzichtbar ist.

Andreas Stock
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Die Vergangenheit stets präsent: «Saiten»-Redaktoren Andrea Kessler und Johannes Stieger im Büro vor dem Archivgestell. (Bild: Urs Bucher)

Die Vergangenheit stets präsent: «Saiten»-Redaktoren Andrea Kessler und Johannes Stieger im Büro vor dem Archivgestell. (Bild: Urs Bucher)

Sich selber zu zelebrieren, das pflegte das Kulturmagazin in seiner 17jährigen Geschichte noch nie. Im Mai 2002 feierte die Redaktion die 99. Ausgabe mit Gastautoren und einem Fest auf dem Gallusplatz. Die 150. Ausgabe beschränkte sich auf ein Heft mit 150 Wünschen, der 15. Geburtstag im November 2009 auf ein Fest in der Grabenhalle. Und nun bescheidet sich die Nummer 200 vom April mit einem Schwerpunktthema.

Leichtgemacht, sagt Johannes Stieger, hätten sie sich den Rückblick auf 199 Hefte nicht; ein «Best of» erwies sich als aufwendig und gar tückisch. Beim Durchblättern habe sich gezeigt, dass «Tische» als Thema oft wiederkehrten. So haben sie für das neue Heft verschiedenste «Tischgeschichten» aus früheren Ausgaben ausgewählt.

«Idealismus und Gratisarbeit»

Für Redaktorin Andrea Kessler haben sich beim Durchblättern der alten Jahrgänge manche Kreise geschlossen, beispielsweise die ganze «Frohegg»-Geschichte als Vorläufer zum Palace. Nostalgiegefühle sind bei Johannes Stieger nicht aufgekommen: «Unser Archiv, das Gestell mit den Schachteln der früheren Ausgaben, hat im Büro stets einen zentralen Platz eingenommen.» Diese Nähe zur Geschichte und den Geschichten von «Saiten», sie ist wohl mit ein Grund für einen beinahe nüchternen Blick auf die eigene Erfolgsgeschichte.

«Seien wir ehrlich: Gezittert wird zu Recht um jede Ausgabe, denn eine Zeitung, die nur aufgrund von so viel Idealismus und Gratisarbeit bestehen kann, hat keinen leichten Stand.» Das Zitat von Roman Riklin ist dem Editorial zur 6. «Saiten»-Ausgabe entnommen, das damals unter dem Titel «Jubiläum ohne Feierlichkeiten» erschien und jetzt erneut abgedruckt wurde. Jeder Leser soll die Antwort selber geben, ob sich die Hoffnung des damaligen Redaktors erfüllt hat, dass das Magazin «eines Tages zu einem wichtigen kulturellen Sprachrohr der Ostschweiz werden könnte».

Eine aktive Stimme

Bei allen Veränderungen, die es im Verlauf von 200 Heften gab, «Saiten» pflegt weiter einen eigenständigen Blick auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Ostschweiz. Auch im April-Heft finden sich dazu schöne, lesenswerte Beispiele. Sei es der bewusst polemische «Calatrava»-Text von Benedikt Loderer, seien es die immer wieder gern gelesenen «Rundflüge». «Saiten» scheut sich auch weiter nicht, eine aktive Stimme bei kulturpolitischen Prozessen zu sein. Aktuell gerade bei der Idee einer kantonalen Volksinitiative für die Bibliothek.

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