Ein Jedermann an den Ufern des Po

In Boscaccio stehen Wahlen an, und Pfarrer Don Camillo hat gerade in der Kirche gegen die Linken gehetzt, da bekommt er des Nachts auf dem Heimweg einen Schlag mit einer Stange. Er stürzt, sieht aber den Angreifer nicht.

Rolf App
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In Boscaccio stehen Wahlen an, und Pfarrer Don Camillo hat gerade in der Kirche gegen die Linken gehetzt, da bekommt er des Nachts auf dem Heimweg einen Schlag mit einer Stange. Er stürzt, sieht aber den Angreifer nicht. Er eilt in die Kirche, zu Jesus, der ihm rät: «Schmiere dir deinen Rücken mit ein wenig Öl ein und sei still. Man muss vergeben, wenn man uns beleidigt.»

Don Camillo will das nicht, er träumt von Rache. Aber Gott bleibt unnachgiebig. «Mit dir kann man nicht reden, du hast immer recht», findet Don Camillo. Aber er ahnt, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Monate später kommt der kommunistische Bürgermeister Peppone überraschend in den Beichtstuhl und gesteht die Tat. Zur Strafe muss er beten, aber am liebsten würde Don Camillo ihm eine Ohrfeige geben. Das weiss Jesus zu verhindern. «Deine Hände sind zum Segnen, nicht zum Schlagen da.»

Immerhin lässt es der Allmächtige zu, dass Don Camillo dem Betenden noch einen Fusstritt gibt. Worauf Peppone sagt: «Zehn Minuten warte ich schon. Jetzt fühle ich mich besser.»

Von dieser Art sind die Geschichten, die Giovannino Guareschi in «Don Camillo und Peppone» erzählt. Sie haben mit ihrem Witz nicht nur den Film animiert, sondern werden heute in einer Woche auch als Musical die Bühne des Theaters St. Gallen erobern. Wie das wird, das können wir selbstverständlich noch nicht sagen. Aber eine Darstellerin haben wir schon kennengelernt. Wir haben das Bühnenbild besichtigt und an einem Workshop teilgenommen. Wir beschreiben, was sich gerade in Brescello tut – jenem Dorf, in dem die Filme gedreht worden sind. Und zum Start reden wir mit einem heutigen Pfarrer über Don Camillo.

Dessen Geschichten bleiben zeitlos aktuell. Denn sie erzählen von den Menschen, wie sie halt sind. Am kommenden Mittwoch greift auch die Sendung «Kulturplatz» auf SRF 1 das Thema auf.

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