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Ein intimes Drama

Wie Vincent Boussard und Vincent Lemaire eine alte Geschichte modern erzählen.
Rolf App
Sieht Elsa träumen: Vincent Boussard. (Bild: Samuel Schalch)

Sieht Elsa träumen: Vincent Boussard. (Bild: Samuel Schalch)

Vorne am Bühnenrand hat Vincent Lemaire sein geradezu winziges Bühnenmodell zu Wagners «Lohengrin» hingestellt. Es ist der erste Entwurf, die Idee, die nun ins Grosse übersetzt wird von den Bühnenarbeitern, und die sich auch verändert hat nach den Gegebenheiten. «Ich arbeite gern in St. Gallen», sagt der gebürtige Belgier, der hier am Theater schon die «Salome» von Richard Strauss und «Die tote Stadt» von Erich Wolfgang Korngold mit nur scheinbar einfachen und ganz unterschiedlichen Bühnenbildern ausgestattet hat. «Die Werkstätten sind enorm leistungsfähig; man spürt, dass in diesem Haus alle sehr engagiert bei der Sache sind. In grossen Häusern kann man da anderes erleben.»

«Noch tausend Einzelheiten zu klären»

Wie kommt er zu seinen Ideen? «Indem ich das Libretto einer Oper studiere», sagt Vincent Lemaire. «Das machen Vincent Boussard, der Regisseur, und ich zusammen. Wir arbeiten oft zusammen, und so haben wir uns auch diesmal zusammengesetzt, haben den Text gelesen, die Musik gehört, und lange diskutiert. So haben wir einen Zugang gefunden für unsere Interpretation – und ich für das Bühnenbild. Jetzt sind noch tausend Einzelheiten zu klären bis zur Premiere.» Vincent Lemaires Bühne ist nach vorne geneigt und schafft so zwei Ebenen. Dass es unbequem ist, auf der stark abgeschrägten oberen Ebene zu stehen, gibt Vincent Lemaire sofort zu. «Die Sängerinnen und Sänger haben aber sehr grosszügig reagiert. Ich denke, es leuchtet ihnen ein, was Vincent Boussard und ich gemeinsam entwickelt haben.»

Eine Idee Wirklichkeit werden zu lassen in wochenlanger Probenarbeit, das ist eine anspruchsvolle, aber auch inspirierende Aufgabe für den Regisseur. So zumindest empfinden wir die erste Probe, in der wir Vincent Boussard zuschauen dürfen. Er hat seit seiner letzten Arbeit in St. Gallen (mit «Salome») Deutsch gelernt und beschäftigt sich weniger mit den Hauptdarstellern als mit dem Chor, der in dieser Oper eine wichtige Rolle spielt. Unablässig ist Boussard in Bewegung, erklärt, wie sich die Chormitglieder bewegen sollen, und so wird mit der Zeit eine fliessende, gut in den Szenenablauf eingepasste Bewegung sichtbar.

«Hier begegnen sich Märchen und Geschichte»

Fast eine Woche später treffen wir ihn zum Gespräch. Er sitzt gerade im Zuschauerraum, im tiefsten Dunkel: Mittlerweile ist mit Guido Levi auch der Lichtdesigner aus Rom eingetroffen und hat gewissermassen die Regie übernommen. Boussard selber ist noch nicht ganz, aber beinahe im Ziel, und hat ein wenig Zeit, seine Überlegungen zu dieser Oper zu erläutern, in der sich, wie er sagt, «ein Märchen und die deutsche Geschichte begegnen». Wobei er gleich hinzufügt, mit Märchen meine er nichts im Sinn der Disney-Filme. Sondern als eine Geschichte, die auch mit ihren rätselhaften Aspekten in seelische Tiefen leuchtet.

Vincent Boussard führt zum ersten Mal bei einer Wagner-Oper Regie. «Der St. Galler Opernchef Peter Heilker hat mir das vorgeschlagen, und ich bin sehr dankbar. Wagner spricht eine andere Sprache, als ich es gewohnt bin», sagt er. «Mich interessiert vor allem der intime Aspekt von <Lohengrin>, die Auseinandersetzung zwischen den Hauptpersonen Lohengrin, Elsa von Brabant, Friedrich von Telramund und Ortrud.»

Der Schlüssel, den er gefunden hat, das ist dieser Traum, den Elsa gleich zu Beginn erzählt. «Es ist ein kurzer, erotischer Traum einer jungen Frau, die gerade ein Trauma erlitten hat. Denn ihr Bruder ist verschwunden, sie wird für seinen Tod verantwortlich gemacht.»

«Darin verbirgt sich Wagner selbst»

Elsa ist deshalb für Boussard die zentrale Figur. Die andern Protagonisten folgen anderen Motiven. «Lohengrin träumt von dem, was er als <süsses Weib> besingt, und natürlich verbirgt sich in ihm Wagner selbst. Elsa und Friedrich von Telramund bilden die Pole, den hellen und den dunklen. Denn Friedrich von Telramund ist von Elsa verschmäht worden.» Und dann ist da noch der Schwan, das Wundertier, am Anfang und Ende auftauchend – und eine Erfindung Ortruds. All dies birgt Rätsel und wirkt anziehend. Wie Wagners Musik, «die oftmals ausdrückt, was nicht in Worte gefasst werden kann», sagt Vincent Boussard, und geht zurück ins Dunkel des Zuschauerraums.

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