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Ein Interview, das nicht stattfand

Eine Woche lang versuchten wir mit Yoani Sánchez zu telefonieren, ohne Erfolg. Die Unmöglichkeit einer Kontaktnahme mit Kubas bekanntester Bloggerin zeigt jene Realität, die im Film «Forbidden Voices» eindringlich beschrieben wird.
Geri Krebs
Staatsfeindin in Kuba: Bloggerin Yoani Sánchez. (Bild: ky)

Staatsfeindin in Kuba: Bloggerin Yoani Sánchez. (Bild: ky)

Schaut man sich die internationalen Tarife einer der Schweizer Telefongesellschaften an oder vergleicht man die Minutentarife jener zahlreichen Anbieter, die mittels Prepaid-Karten vergünstigte Telefongespräche in aller Herren Länder anbieten, kann man nur staunen: Kuba hat die weltweit teuersten Telefontarife. Ein Anruf ins Reich der Gebrüder Castro kostet von der Schweiz aus pro Minute zwischen 1.10 und 1.50 Franken, je nach Anbieter, und auch von anderen europäischen Ländern aus bewegen sich die Preise in diesem Rahmen. Das ist aber noch günstig, wenn man vergleicht, was ein Telefongespräch von Kuba aus nach Europa kostet: 4 Dollar die Minute – nach Lateinamerika oder in die USA sind es 2.50.

Internet nur für Beamte

Die naheliegende Frage, warum man angesichts solcher Hürden für ein Telefoninterview mit einer Interviewpartnerin in Kuba nicht auf Skype ausweicht, kann indes leicht beantwortet werden: Weil in Kuba niemand zu Hause über einen privaten Internetanschluss verfügt, ist auch diese Möglichkeit verbaut. Kuba hat auf der Welt einen der tiefsten Prozentanteile von Menschen mit Internetzugang, selbst im bettelarmen Nachbarstaat Haiti ist der Anteil der Bevölkerung, der sich regelmässig im World Wide Web bewegt, um einiges höher als in Kuba, wo es Internetanschlüsse nur für Regierungsbeamte, linientreue Forscher und Intellektuelle gibt und wo sich die einzigen öffentlichen Netzzugänge in den Touristenhotels und in einigen wenigen Internetcafés in den grossen Städten befinden, Kostenpunkt zwischen 8 und 14 Dollar die Stunde.

Rund um die Uhr überwacht

Vor diesem Hintergrund ist das Verdienst von Bloggern und Blogerinnen, die, wie Yoani Sánchez, regelmässig über die Realität aus Kuba berichten, gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es braucht ungeheure Energie und Geduld, wenn man, wie Yoani Sánchez, regelmässig Texte, Fotos und kurze Filmaufnahmen ins Netz stellen will. Ausser den hohen Kosten sind die Verbindungen äusserst langsam und fragil, und man muss oft Glück haben, wenn überhaupt eine Verbindung zustande kommt. Im Falle des angestrebten Telefoninterviews mit Yoani Sánchez kommt noch erschwerend hinzu, dass ihr Telefon nicht nur rund um die Uhr von der Staatssicherheit abgehört und ganz nach Belieben auch unterbrochen oder lahmgelegt wird.

Ausreise abgelehnt

Einmal kam der Anruf kurz zustande und auf die Frage, woran sie gerade arbeite, konnte Sánchez gerade noch antworten: «Ich habe vor zwei Tagen mit Hilfe eines Anwalts eine Klage beim obersten Gericht Kubas eingereicht, weil meine vor 18 Monaten präsentierte formelle Bitte um Erklärung meiner wiederholten Ausreiseverweigerungen nie beantwortet wurde.»

Nach dieser sehr juristischen Einleitung brach die Telefonverbindung bereits wieder ab – und die bisweilen kafkaesk anmutende Bürokratie Kubas wird sich wohl auch im vorliegenden Fall weiterhin in Schweigen hüllen; sie wird Sánchez keine Begründung dafür abgeben, warum sie ihr trotz mittlerweile 20 verschiedener Einladungen an internationale Events wie Konferenzen, Symposien, Preisverleihungen oder Filmpremieren keine Ausreisegenehmigung erteilt.

Filmpremiere in Abwesenheit

Bezüglich Filmpremieren war Ausreiseverweigerung Nummer 20 übrigens mit «Forbidden Voices» verbunden: Die Weltpremiere des Films (siehe Kasten) fand im April am Festival «Visions du réel» in Nyon statt, und Yoani Sánchez war zusammen mit den beiden andern Protagonistinnen Farnaz Seifi und Zeng Jinyang eingeladen. Allerdings konnte nur die im deutschen Exil lebende Seifi anwesend sein. Regime wie jene von Kuba oder von China lassen ihre Staatsfeindinnen nicht einfach so ausreisen.

Premiere heute Di, 20 Uhr (mit Regisseurin Barbara Miller), Kinok. Weitere Spieldaten: 15.6. (17.15 Uhr), 17.6. (18 Uhr), 18.6. (18.15 Uhr), 21.6. (20.30 Uhr), 28.6. (18.15 Uhr)

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