Ein Hut zu wenig, eine Schildkröte zu viel

Lesbar Bilderbücher

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Jon Klassen: Wir haben einen Hut. Ab 4, NordSüd 2017, Fr. 23.50

Mal ehrlich: Fast alle Sachen, die wir unbedingt haben wollen, müssen wir nicht unbedingt haben. Aber schön wär’s halt schon, sie zu besitzen. Schildkröten geht es in diesem Punkt nicht besser. Zumindest den beiden Exemplaren in Jon Klassens neuem Bilderbuch – dem dritten einer Trilogie rund um den Hut. Drei Teile hat auch die Geschichte selbst, als sei es ein Jahrzehnte umspannender Roman von Tolstoi. Dabei schafft es bereits ein Vorschulkind, die wenigen (schön gross gedruckten) Wörter zu zählen, die diese Geschichte braucht, um in Spannung zu versetzen, zu amüsieren und zu berühren. So reduziert wie der Text ist Klassens Bildsprache, die Farbpalette: Schwarzweissgrau mit einem Stich ins Braune. Ein Bilderbuch für Drei- bis Fünfjährige? Durchaus! Noch dazu eines, das auch Achtzigjährigen blitzgescheit vom Begehren und Verzichtenkönnen erzählt, vom Reichtum der Träume – und davon, wie Schildkröten ohne Streit Besitzansprüche klären.

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Rotraut Susanne Berner: Der

fliegende Hut. Ab 3, Aladin 2017, Fr. 18.90

Ein Glückshut passt auf viele Köpfe

Als hätte sie für einmal nah herangezoomt an alte Bekannte aus Wimmlingen, jenem Städtchen, das die vielfach preisgekrönte Bilderbuchkünstlerin Rotraut Susanne Berner für ihre Meisterwerke der Gattung Wimmelbuch erschaffen hat: So wirkt «Der fliegende Hut», ein Buch, das 2002 erstmals erschienen und nun neu aufgelegt worden ist. Es kommt, wie die grossformatigen Bestseller auf Hartkarton, ohne Worte aus; man darf es sich gegenseitig frei erzählen – und sich dabei umso mehr auf die vielen beiläufig eingestreuten Details konzentrieren, die eines von Berners Markenzeichen sind.

Bettina Kugler