Ein hohes Mass an Slow-Swing-Eleganz

Brad Mehldau Trio: «Blues and Ballads», Nonesuch

Tom Gsteiger
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Bild: Tom Gsteiger

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Brad Mehldau Trio:

«Blues and Ballads», Nonesuch

Dass er zu den magistralen Balladeninterpreten des Jazz gehört, hat Pianist Brad Mehldau bereits zur Genüge bewiesen. Nun legt er ein sublimes Trio-Album vor, das zur Hauptsache aus Balladen besteht. Dazu kommen zwei Blues-Nummern (eine davon ist Charlie Parkers «Cheryl»), bei denen ebenfalls ohne jegliche Hetzerei musiziert wird. Eröffnet wird das Album durch den langsamen Blues «Since I Fell For You», der 1945 von Buddy Johnson komponiert wurde und seither viele Male gecovert wurde. Die Version von Mehldau dauert beinahe elf Minuten und zeichnet sich durch konzentrierte Gelassenheit und ein hohes Mass an Slow-Swing-Eleganz aus: Der Pianist und seine langjährigen Weggefährten Larry Grenadier (Bass) und Jeff Ballard (Schlagzeug) lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und schöpfen ein Höchstmass an Souplesse. Typisch Mehldau: Drei Nummern stammen aus dem Pop-Repertoire: «And I Love Her» von den Beatles, «My Valentine» von Paul McCartney sowie «Little Person» von Jon Brion. Mehldaus bisher langsamstes Album ist auch eines seiner besten.

J

Jakob Bro:

«Streams», ECM

Atmosphärische Stücke, schlafwandlerisch

Die Musik des dänischen Stromgitarristen Jakob Bro ist nicht bloss langsam: Manchmal scheint sie richtiggehend stillzustehen und hüllt die Zuhörer in eine Klangwolke ein (wer ohne Swing nicht leben kann, wird sich langweilen). Die atmosphärischen Stücke bestehen aus minimalistischen Melodien und mysteriösen Stimmungen, die von den Musikern in beinahe schlafwandlerischer Manier umspielt und eingekreist werden – mit herkömmlicher Jazzlogik kommt man da nicht weiter. Mit dem aufstrebenden Bassisten Thomas Morgan und dem legendären Schlagzeuger Joey Baron hat sich Bro zwei hellhörige Kollegen aus Übersee geholt, die bereit sind, sich von der Musik dorthin treiben zu lassen, wo diese hin will.

Bild: Tom Gsteiger

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