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Ein Hoch auf 10 Jahre Kunsthoch

Der Aktionstag Kunsthoch ermöglicht am Samstag zum zehnten Mal in Folge einen Tag lang kostenlosen und vielfältigen Kunstgenuss. Mittlerweile sind 25 Institutionen aus Luzern und Umgebung an der grossen Schau beteiligt.
Julia Stephan, Susanne Holz und Nadine Meier
So multiperspektivisch wie Jan Hostettlers im Luzerner Kunstraum Sic! präsentierte Rückspiegel-Sammlung ist auch der Blick, den die Kunsthoch jedes Jahr auf das hiesige Kunstschaffen ermöglicht. (Bild: Andri Stadler/PD)

So multiperspektivisch wie Jan Hostettlers im Luzerner Kunstraum Sic! präsentierte Rückspiegel-Sammlung ist auch der Blick, den die Kunsthoch jedes Jahr auf das hiesige Kunstschaffen ermöglicht. (Bild: Andri Stadler/PD)

Am Anfang waren es drei. Als sich 2008 die Luzerner Kunstinstitutionen o.T. Raum für aktuelle Kunst, die Alpineum Produzentengalerie und der Kunstraum sic! in Luzern zu einem Aktionstag zusammenschlossen, war die Kunsthoch noch ein Geheimtipp unter Kennern. 10 Jahre später hat sich die Zahl der am Aktionstag beteiligten Institutionen potenziert. Die Kunsthoch hat ihre Mission erfüllt: 25 Kunsträume, Kunsthäuser und Galerien in und um Luzern beteiligen sich heute an der Kunsthoch, die sich diesen Samstag zum zehnten Mal jährt. Das Konzept ist bestechend einfach: Besucher haben beim Vorweisen des Flyers über den ganzen Tag vom Kunstmuseum Luzern bis zum Offspace freien Eintritt. Die meisten Institutionen bieten durch den Tag einen Mehrwert über Lesungen, Konzerte und Kunstaktionen.

Laut Laura Breitschmid vom sic!, die auch im Kunsthoch-Vorstand einsitzt, wurde die Kunsthoch aus dem Wunsch heraus geboren, Luzern der Öffentlichkeit als Kunststandort bewusster zu machen. «Viele Menschen aus Basel und Zürich staunen darüber, wenn sie sehen, wieviel zeitgenössische Kunsträume Luzern vorzuweisen hat», sagt sie. Die Kunsthoch versuche, auch «in anderen Städten präsenter zu werden», um Menschen aus Zürich, Bern oder Basel an den Aktionstag zu locken.

In diesem Jahr sind zwei neue Räume dabei, die im aufstrebenden Gebiet um den Kunsthochschulstandort auf dem Viscosi-Areal in Emmenbrücke situiert sind: Der Kunstraum Ort an der Gerliswilstrasse 23 in Emmenbrücke setzt vor allem auf Performances und zeigt am Samstag experimentelle Filme. Der vom Filmproduzenten Andreas Stäuble kuratierte «Raum» an der Gerliswilstrasse 21 ist eigentlich ein Schaufenster, das Kunstgenuss für Passanten ermöglicht.

Wer von der Menge des Angebots erschlagen wird, kann an einer der drei geführten zweistündigen Rundgänge teilnehmen.

Unterwegs mit Velo oder Kleinbus

Um 14 Uhr ist Besammlung an der Velostation am Eingang des Kunstmuseums Luzern. Zu Fuss kann man mit dem Künstler Silas Kreienbühl, der in Berlin Menschen auf geführten Spaziergängen für die Ästhetik des Alltags sensibilisiert, Luzern entdecken. Die Programatorin des Pink Panorama, Kathy Bajaria, unternimmt mit den Besuchern eine Velotour. Und Karl Bühlmann, Geschäftsführer der Stiftung Akku Emmen, entführt mit dem Kleinbus an die entlegeneren Standorte in Emmenbrücke und Kriens.

Kunsthoch. Sa, 1.9., 12 bis 19 Uhr. Bitte beachten sie die Öffnungszeiten der Galerien und Kunsträume. www.kunsthoch-luzern.ch

Wenn einen der Blick des Baumes verfolgt. Arbeit von Georges Yammine in der Galerie Bernheimer in Luzern. (Bild: Georges Yammine)
Tuschezeichnungen von Claudia Kübler in der Kunsthalle Luzern. (Bild: Kilian Bannwart/PD)
Grafisch exakt, farblich frei. Unregelmässigkeiten sind gewollt. Arbeit von Davix in der Galerie Vitrine in Luzern. (Bild: Davix)
Nina Stähli mit dem «Tearhead», dem Tränenkopf. Die Künstlerin hat eine Publikation herausgegeben. (Bild: Walter Willimann)
Videostill aus Andreas Brunners Installation «Allow to leak», zu sehen im Kunstraum Benzeholz in Meggen. (Bild: PD)
Der schwarz bemalte Seat Arosa im Kunstraum sic! in Luzern. (Bild: Andri Stadler/PD)
6 Bilder

Ein Hoch auf 10 Jahre Kunsthoch

Eisenbahnminiaturwelt

Ursprünglich hatte die Luzerner Künstlerin Ursula Stalder ihre «Dingsbums»-Ausstellung fürs Dada-Jahr konzipiert. Doch Dinge wie Stalders Müllkompositionen geschehen aus der Notwendigkeit des Augenblicks heraus, nicht auf Termin. Im scheidenden Ausstellungsraum K25, der ab September neu als B74 an der Baselstrasse 74 seine Dependance hat, hat Stalder den perfekten Ort gefunden, um mit einem Bruchteil ihrer riesigen Objektsammlung aus schwarzem Strandgut, das sie in Südengland sammelt, eine Eisenbahnminiaturwelt aufzubauen. Drei Lego-Loks fahren auf geschwungenen Schienen durch den Raum. Mit Karton hat die Künstlerin Eisenbahnbrücken gebaut. Die um die Bahngleise aufgestellten Objekte wirken wie Architekturelemente und haben zugleich etwas witzig Figürliches. Die auf den Zugwaggons montierten Haarbürsten und andere durch die Witterung abstrakt und mehrdeutig gewordenen Objekte öffnen einen Reflexionsraum zum Thema Konsum und Ressourcen. (jst)

Galerie K25, Kellerstrasse 25, Luzern. Am Samstag zeigt die Künstlerin um 13, 15 und 17 Uhr einen Film, der sie in ihrem Atelier bei der Arbeit zeigt. Bis 1.9. www.k25.ch

"Ich trage mein Zuhause in mir"

Der Blick dieses Baumes brennt sich ein. In welche Richtung man auch geht, diese Augen schauen streng und wachsam hinterher. Entdeckt und fotografiert hat sie der Violinist und Fotokünstler Georges Yammine. Der 39-jährige Libanese hat keineswegs nachgeholfen bei diesem Sujet und in der Rinde geritzt. Nein, er ist einfach offenen Auges durch die Welt gegangen. Galeristin Blanca Bernheimer zitiert das Multitalent mit den Worten: «Die Violine hat mich gelehrt zu sehen, die Kamera hat mich gelehrt zu hören. Beides hat mich gelehrt zu lieben.» Faszinierende Einsichten eines Musikers, der erst gerade beim Lucerne Festival mit dem West-Eastern Divan Orchestra aufgetreten ist. Einige seiner Musikerkollegen sind nun in raffinierten Schwarz-Weiss-Aufnahmen bei Bernheimer Fine Art zu sehen. Genauso wie Dirigent Daniel Barenboim oder Pianistin Martha Argerich. Georges Yammine arbeitet mit Schatten, Spiegelungen, Mehrfachbelichtungen. Abseits des Themas Musik beschäftigt ihn der Begriff der Heimat. «Ich trage mein Zuhause in mir», sagt der Kosmopolit. (sh)

Bernheimer Fine Art, Haldenstrasse 11, Luzern. Bis 28. September 2018. www.bernheimer.ch

Der Klang der Kohle

Kohle bringt Wärme, Wohlstand und, naja, riechen tut sie auch. Manche verwenden das Wort, um über Geld zu reden. Das uralte Material Kohle ist aber auch ein Konservator vergangener Zeitalter und reizt schon allein dadurch zu hochkomplexen philosophischen Fragestellungen. Die interdisziplinäre Installation des Kollektivs müllermüllerhauser, bestehend aus Robert Müller, dem Regisseur des Dokumentarfilms «Köhlernächte», dem Komponisten und Schlagzeuger Fritz Hauser, der Müllers Film musikalisch begleitet hat und der Künstlerin Livia Müller, deren Klangobjekte im Film ebenfalls zum Tragen kamen, hat ihre Auseinandersetzung mit «schwarzen Gold» noch nicht beendet. Im Garten des o. T. rauchen drei Kohlemeiler. Die mit Maschendraht überzogenen Holzgestelle haben die Künstler authentisch mit Löschi, der feinsten Form der Kohle, überzogen. Die Kohle ist bei ihnen Skulptur und Klangkörper zugleich. In einem der Räume liegt wohlkomponiert ein ganzes Feld voller Kohlestücke. Auf einem Klangsitz kommt der Besucher in den Genuss von Fritz Hausers Kompositionen, die in alle Raumrichtungen schallen. (jst)

o. T. Raum für aktuelle Kunst mit & PTTH://, Sälistrasse 24, Luzern. Um 16 Uhr gibt es bei guter Witterung eine Feuerwerksaktion mit müllermüllerhauser. www.ot-raumfueraktuellekunst.ch

Landzungen und Eisschollen

Löcher und Zeitphänomene: Das sind die zwei Untersuchungsfelder der Künstlerin Claudia Kübler. Ihre soeben als Band 14 im Rahmen der Publikationsreihe «Junge Kunst Stadt Luzern» erschienene Monografie «Im Loch ist es dunkel» gab Anlass für die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle. Auf zwei Etagen zeigt Claudia Kübler Installatives und Objekthaftes aus Neon, Gips und Karton. Da hängen zwei grossformatige Tuschezeichnungen von der Decke (siehe Bild) bis in den Raum hinein und erinnern entfernt an Landzungen. Die akkurat darauf handgemalten Schleifen lassen die eigene Kindheit wieder aufleben. Sie erinnern entfernt an Carrera-Autorennbahnen. In der Mitte bleibt ein Fleck – oder ein Loch? – in weisser Farbe: Steht er für Raum für Zeit oder doch für einen Leerraum, der gefüllt werden will?
Im kleinen Ausstellungsraum im Untergeschoss der Kunsthalle, dem Kabinett, trifft man auf die begehbare Installation «Regolith». Die 76 selbst gegossenen dünnen Gipslatten lehren uns eine praktische Lektion in Sachen Vergänglichkeit. Das evoziert Eisschollen-Feeling pur! (nm)

Kunsthalle Luzern, Löwenplatz 11, Luzern. Bis 23.9. Am Samstag, 13.30 Uhr, 14.30 Uhr sowie 18 Uhr liest die Künstlerin aus ihrer Publikation «Im Loch ist es dunkel». www.kunsthalle-luzern.ch

"Einfach nur schauen"

55 gleichformatige Bilder zieren die Wand links des Eingangs in der Galerie Vitrine, die so selbst zum Kunstwerk zu werden scheint. Jedes Acrylbild ist 50 Zentimeter hoch und 40 Zentimeter breit. Vermeintlich exakte Grafik wechselt sich mit wilder Expressivität ab. Dazwischen leuchtet auch mal monochrom ein Rechteck voll Hellbau. «Das Ungegenständliche ist mein Ding», sagt Stefan Davi alias Davix. Der 52-jährige bildende Künstler, der auch Schlagzeug spielt und abstrakte Malerei bereits mit Fotografie, Video und Sound verknüpft hat, baut in seine grafisch exakten Arbeiten gerne kleine Unregelmässigkeiten ein. Die wild expressiven Werke wiederum scheinen pure Emotion zu sein – Unregelmässigkeit ist hier Programm. Zwischen mittel- und grossformatigen Werken ist die Wand aus 55 Bildern sicher das Magnet fürs Auge der aktuellen Ausstellung. Die Werke datieren zurück bis 2003. Die Beschäftigung mit Kunst werde von Jahr zu Jahr spannender, findet Davix. «So wie man gewisse Bücher zwei-, dreimal liest, und jedes Mal anders.» Beim Malen, Spachteln, Sprayen schaue er zwischendurch auch nur. «Bilder ankucken ist wie Denken – einfach auf einer anderen Ebene.» (sh)

Galerie Vitrine, Stiftstrasse 4, Luzern. Bis 13. Oktober 2018. Vernissage heute, 19 Uhr. Performance von Claudia Bucher, Samstag, 15 Uhr. www.galerie-vitrine.ch

"Hochglanz passt hier nicht"

Nina Staehli legt keinen Wert auf ihre biografischen Daten. Wichtiger ist ihr die Aussage ihres langjährigen Szenografen Daniel Hunziker im Interview in ihrem aktuellen Buch: «Nina Staehli findet ihre Inspiration im Umgang mit Menschen. Bei Randgruppen wie Transvestiten, gescheiterten Topbankern. Bei jenen, die nicht erfüllen, was wir als richtig oder normal definieren, hat die Glasur einen Riss. Darunter scheint durch, was wirklich ist. Für Nina der Moment der Wahrheit.» «Glory Land» ist das Buch betitelt, dessen Vernissage morgen im Rahmen der Kunsthoch stattfindet. Es ist kein Hochglanz-Werk, das würde nicht passen, so Staehli. Die in Luzern und Berlin arbeitende Künstlerin ist in den USA dem «Trail of Tears» (Pfad der Tränen) nachgegangen. Dieser Pfad erinnert an die Zwangsumsiedlung der amerikanischen Ureinwohner – vom Südosten der USA in das heutige Oklahoma. Staehlis Reise führte durch acht US-Bundesstaaten, arme Staaten wie Arkansas oder Kansas. Aus der Reise entstand nicht nur ein Buch, sondern es entstanden auch ein 14-minütiger Film und vier Interviews mit Ureinwohnern. Alles zusammen präsentiert Nina Staehli derzeit. Jedoch nicht plakativ, sondern gewollt widersprüchlich. (sh)

Schauraum Luzern, Gibraltarstrasse 9, Luzern. Bis 15. September. Buchvernissage, Samstag, 12 Uhr. www.schauraum-luzern.ch

Fremdkörper "Mensch"

Ein Bürostuhl dient als Sockel für säuregetränkte Styroporgebilde. Für andere Gefüge halten Spaghetti als Stützen her. Manches wird durch teergetränkte Inseln abgegrenzt, anderes nicht. Ein Knochen wird mehrmals vergeblich in einen Unterarm eingepasst. Die Installation «Allow to leak» von Andreas Brunner ist eine poetische und lässt den Betrachter mit Fragen nach dem Woher und Wohin zurück. Gleichzeitig konfrontieren die Gefüge uns leise aus der Stille heraus mit der eigenen Sinnhaftigkeit. Nur wer genau hinsieht, kann möglicherweise Antworten in umherstehenden Objekten finden. Sara Stäuble hingegen hinterlässt in ihrer Installation «aus dem Wasser an den Himmel» Fischschuppen und projiziert sie per Mikroskopansicht an die Wand. In ihrem Film «Nachtmeerfahrt» ist sie gleichzeitig Produzentin, Autorin und Schauspielerin, deckt sich mit Moos zu und ruht sich aus. Im Benzeholz begegnen sich zwei künstlerische Arbeiten, die sich über die Natur und den Menschen in ihr als Fremdkörper austauschen. (nm)

Benzeholz. Raum für zeitgenössische Kunst, Seestrasse, Meggen. Bis 23.9. Am Samstag findet um 12 Uhr eine Performance von Sara Stäuble statt. www.meggen.ch/de/benzeholz

Blinde Spiegel

Der Künstler Jan Hostettler hält der ehemaligen fensterlosen Garage an der Luzerner Neustadtstrasse, seit 2013 bekannt als Kunstraum sic!, den Spiegel vor. Hostettler hat im knapp 50 Quadratmeter grossen Raum einen Seat Arosa parkiert und mit matter schwarzer Farbe bemalt. Ohne Lack, ohne fröhliches Autorot, ohne transparente Mattscheibe und ohne die optische Anwesenheit von Vorder- und Rücklampen, die dem Auto eine menschliche Physiognomie geben, wird das Gefährt zu einem hermetischen Block, der an ein gruseliges Gangsterauto aus dem Action-Genre erinnert. Das Auto ist nicht mehr Gefährt, sondern nur noch Form. Um Aneignung von Form geht es Hostettler in der Ausstellung «Retro». Auf fünf Malereien wird die Formenvielfalt von Rückspiegeln mit schwarzer Farbe zitiert. An einer Wand hat er zertrümmerte Rückspiegel montiert, als wolle er sagen: Der Blick durch den Spiegel erhellt, aber er verdunkelt auch. Kein Wunder, werden in den USA Rückspiegel mit dem Warnhinweis «Objects in mirror are closer than they appear» versehen. (jst)

sic! Raum für Kunst, Neustadtstrasse, Luzern. Bis 22.9. Am Samstag, 18 Uhr, Künstleraktion. www.sic-raum.ch

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