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Oper auf dem Klosterplatz:
Ein Held voller Glaubenszweifel, ein Regisseur voller Ideen

Der deutsche Regisseur Tobias Kratzer inszeniert auf dem Klosterplatz Giacomo Puccinis frühe Oper «Edgar» erstmals in der Schweiz. Das sehr persönlich gehaltene Musiktheater Puccinis erinnert an dessen eigene Liebesgeschichte.
Martin Preisser
Tobias Kratzer ist einer der gefragtesten jüngeren deutschen Opernregisseure. In St. Gallen realisiert er seinen ersten Puccini. (Bild: Benjamin Manser)

Tobias Kratzer ist einer der gefragtesten jüngeren deutschen Opernregisseure. In St. Gallen realisiert er seinen ersten Puccini. (Bild: Benjamin Manser)

Wenn Tobias Kratzer über das Inszenieren von Opern spricht, gibt es kein Halten mehr. Der Mann scheint so viele Ideen und Bilder zu haben, dass das alles fast gar nicht sprachlich unterzubringen ist. Und man versteht, was Regieführen für ihn heisst: sich schlicht von diesen Ideen mitreissen lassen und ausprobieren, wie diese real umzusetzen wären.

Der Karrierestart des 1980 geborenen Tobias Kratzer begann spannend. Beim internationalen Regiewettbewerb Ring Award in Graz trat er 2008 quasi gegen sich selbst an, verkleidet in Kunstfiguren, einmal als Amerikanerin Ginger Holiday und dann als Bulgare Nedko Morakov. Die Jury merkte lange nichts. Das Team von Kratzer gewann für seine Regieideen zu Verdis «Rigoletto» alle zu vergebenden Preise.

Auch bei Operndirektor Peter Heilker studiert

Das war ein Gag, aber auch viel mehr als ein Gag. Und der Start für viele Engagements an deutschen Opernhäusern. Für Tobias Kratzer sind für eine Inszenierung jeweils viele Möglichkeiten offen. Er spricht von einer «Unausdeutbarkeit» und erzählt, dass bei ihm oft verschiedene Regiekonzepte parallel existierten und er viele gute Ideen dann schweren Herzens opfern müsse, in der Hoffnung auf eine weitere Inszenierung des Stoffes.

«Ich bin eher der Regisseur, der erst einmal überambitioniert und mit der Gefahr, eher alles zu überladen, an die Sachen herangeht», sagt Kratzer. Studiert hat er an der August-Everding-Akademie in München. Der heutige St. Galler Opernchef Peter Heilker war damals sein Dozent in Dramaturgie.

Die St. Galler Inszenierung von «Edgar» ist Kratzers erster Puccini. Das Stück hat ihn sofort gereizt. «Ich habe gespürt, dass es auf dem Klosterplatz perfekt funktionieren könnte. Diese Kulisse gibt eine klare Deutungsebene vor. Sie animiert zu einer religiösen Lesart der Oper, in der man auch Fragen nach Kraft oder Verfall der Moral stellen kann.»

In Puccinis zweiter Oper, dem ersten Meisterwerk des Komponisten aus Lucca, steht der Held zwischen zwei Frauen, aber auch zwischen zwei Lebensentwürfen. «Edgar ist ein entscheidungsarmer Mann, der von immensen Glaubenszweifeln geplagt ist, der nicht weiss, ob alles Schicksal bloss blinder Zufall oder eine gerechte, göttliche Ordnung ist», sagt Tobias Kratzer, der das Stück als mittelalterliches Mysterienspiel beginnen lässt.

Ein sehr persönliches Frühwerk Puccinis

Ein Stück weit spiegelt die Handlung, die an den Konflikt der Bizet-Oper «Carmen» erinnert, auch Giacomo Puccinis eigene biografische Situation. Der hatte damals ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau. Ebenso wie sein Bruder, der bei einem Duell beinahe ums Leben gekommen wäre und bald darauf in Südamerika starb. «Puccini probiert sich in diesem Stück aus, noch ist die feine psychologische Charakterzeichnung, welche die späteren Opern auszeichnet, nicht so präzise», sagt Tobias Kratzer. «Puccini präsentiert ‹Edgar› quasi als urwuchtige Holzschnittpassion. Dafür ist es persönlicher als die späteren Stücke und musikalisch sehr emotional. Die Oper steht mit einem Bein noch ganz in der Tradition der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts.»

Als Regisseur sei es für ihn auch eine andere Ausgangslage, eine Oper zu inszenieren, die neu zu entdecken und nicht mit einer langen Rezeptionsgeschichte befrachtet ist. «Hier geht es auch erst einmal darum, das Stück zum Laufen zu bringen.»

Wagner im Umfeld des Terrorismus

Puccinis «Edgar» war ursprünglich vieraktig geplant. Der Komponist hat da noch die Rückkehr zur treuen Frau beschworen, ein wiedergewonnenes Idyll anzustreben versucht. «In der jetzigen dreiaktigen Fassung spitzt Puccini die Handlung zu, wagt ein offeneres, schrofferes Ende», sagt Tobias Kratzer, der 2019 in Bayreuth Wagners «Tannhäuser» inszenieren wird. In einer Bremer Inszenierung hatte er den Tannhäuser-Stoff in das Umfeld des deutschen RAF-Terrors gestellt.

Hinweis

Premiere: Fr., 29.6., 21 Uhr, Klosterplatz, St. Gallen; bei schlechtem Wetter: Theater St. Gallen (Wettertelefon: 071 242 06 05);
stgaller-festspiele.ch

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