Ein Hauch Hollywood im Thurgau

Am Donnerstag feierte das Musical «Heicho» der Oberthurgauer Festspiele Premiere im Pentorama in Amriswil. Es wird während der kommenden zwei Wochenenden an sechs weiteren Vorstellungen gezeigt.

Manuel Nagel
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Hansli (Heiner Gabele, rechts) mit Bruder Ruedi (Marco Rezzonico). (Bild: Manuel Nagel)

Hansli (Heiner Gabele, rechts) mit Bruder Ruedi (Marco Rezzonico). (Bild: Manuel Nagel)

AMRISWIL. Seit 14 Jahren bereits sind die Musicals der Oberthurgauer Festspiele ein Fixstern am Kulturhimmel Mostindiens. «Hair» bildete 2002 den Auftakt, Produktionen wie «Roxy», «4 Engel für Charly», «Little Shop of Horrors» und zweimal «Azzurro» folgten im Abstand von zwei bis drei Jahren.

Der neuste Wurf ist nun «Heicho» aus der Feder von Hauptdarsteller Heiner Gabele. Er verkörpert den Bauernsohn Hansli Keller, der davon träumt, Karriere in Hollywood zu machen. Zwölf Jahre nach seiner Flucht aus dem Provinzmief kehrt er als Superstar Johnny K. wieder in sein fiktives Heimatdorf Thurgiswil zurück, wo er seinerzeit seine Familie und seine Jugendliebe, das Klärli, sitzen liess.

Nur regionale Künstler

«Viele haben zwar eine Musical-Ausbildung, doch keiner der Darsteller bestreitet seinen Lebensunterhalt damit», erklärt Gabele, der in St. Gallen als Berufsschullehrer arbeitet und lebt. Der gebürtige Amriswiler, der schon bei «Azzurro» mit Regisseur Marcel Wattenhofer zusammengespannt hat, kehrt nun mit «Heicho» nach Amriswil zurück.

Conny Balzer Rüegg, Organisatorin der Oberthurgauer Festspiele, hebt dann auch den regionalen Charakter hervor. Die Darsteller singen und sprechen im Ostschweizer Dialekt, und das Musical beginnt auch gewollt etwas provinziell.

Starke Frauenstimmen

Doch schon nach wenigen Takten wird den 500 Zuschauern der Premiere im Amriswiler Pentorama klar, dass provinziell in keiner Weise mit fehlender Professionalität gleichzusetzen ist. «Heicho» überzeugt mit gut ausgebildeten Stimmen, wie derjenigen von Adriana De Toffol, welche das Klärli spielt und mit ihrem Solo nach der Rückkehr ihres Hans für den ersten Gänsehautmoment im Publikum sorgt.

Ein weiteres Highlight ist das Duett der beiden, die noch immer Gefühle füreinander hegen, obwohl Hansli – oder Johnny – inzwischen standesgemäss mit einer Hollywood-Diva liiert ist. De Toffol und Gabele singen zusammen «Still Got the Blues» von Gary Moore. Johnny konsequent englisch, Klärli in Mundart (von Gabele umgeschrieben), was ihre zwei verschiedenen Welten nicht besser illustrieren könnte.

Liveband als Gewinn

Was die 20 Künstler auf der Bühne während mehr als zwei Stunden bieten, braucht sich nicht hinter nationalen Musicalproduktionen zu verstecken. Im Gegenteil.

Musikalisch unterstützt werden sie von der Atlantis Big Band unter der Leitung von Gilbert Tinner. Dass die Stücke live und nicht nur ab Konserve gespielt werden, ist ein Gewinn und trägt zur speziellen Atmosphäre mit bei. Deshalb stört es auch nicht, wenn die Musiker phasenweise die Sängerinnen und Sänger leicht übertönen und sich in der Lautstärke wieder etwas zurücknehmen müssen.

Ein Lied jagt das nächste, und als Besucher wähnt man sich in einem Medley aus Hits der 70er-Jahre – in denen die Handlung rund um den Helden Johnny K. auch spielt – bis hin zu alten Mundartklassikern wie «Margritli» oder modernen Popsongs wie Rihannas «Umbrella».

www.otg-festspiele.ch