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Zum Tod von Bruno Ganz – einer der ganz Grossen mit schweizerischer Bescheidenheit

Er konnte schlicht jede Rolle spielen, und in die Geschichtsbücher wird er eingehen als bedeutendster Schweizer, der je vor der Filmkamera und auf der Theaterbühne stand. Dabei ist Bruno Ganz immer sich selber geblieben und war frei von Stargehabe.
Geri Krebs
Ein Star, der menschlich und bescheiden war. Bewegter Bruno Ganz bei der Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille in Mainz. (Bild: Fredrik von Erichsen/Keystone (18. Januar 2015))
Werner Herzogs «Nosferatu – Phantom der Nacht» (1979) war eines der früheren Karrierehighlights von Bruno Ganz.
Beklemmend realistisch als zunehmend resignierter und dennoch monströser Hitler in «Der Untergang» (2004).
Immer wieder war Bruno Ganz auch in Schweizer Filmen zu sehen, wie hier als Alpöhi in «Heidi» (2015). (Bild: Bilder: PD)
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Ein Grosser, schweizerisch bescheiden

Am 16. Februar ist Bruno Ganz in seinem Haus in Zürich gestorben. Dass der 1942 in Zürich-Seebach geborene Schauspieler, der in seiner langen Karriere mit Grössen wie Ridley Scott, Francis Ford Coppola, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Lars von Trier oder Teo Angelopoulos gearbeitet hatte, Schweizer war, ging bisweilen fast vergessen. Dabei hatte Ganz in seinen Anfängen mit dem alten Schweizer Film begonnen. In Nebenrollen war er 1960 in Karl Suters ­Komödie «Der Herr mit der schwarzen Melone» und 1962 in Kurt Frühs «Es Dach überem Chopf» zu sehen.

Doch dann übersiedelte Ganz in die Bundesrepublik Deutschland, wo er bis weit in die 1970er-Jahre im Theater grosse Erfolge feierte. So stiess er Anfang jenes Jahrzehnts zum Ensemble der Berliner Schaubühne, wo er mit Regisseuren wie Peter Zadek, Peter Stein, Claus Peyman und Luc Bondy arbeitete.

Wie sehr Ganz dem Theater verbunden war, zeigte sich auch noch viel später, 1996, als er den Iffland-Ring, die höchste Auszeichnung in der deutschsprachigen Theaterwelt, erhielt.

Dennoch wird Bruno Ganz aber in erster Linie als einer der international Grössten der Filmwelt in Erinnerung bleiben; nicht weniger als 122 Titel nennt die Branchenbibel «International Movie Data Base». Einem grösseren internationalen Kinopublikum wurde Bruno Ganz erstmals 1977 bekannt, als er an der Seite von Dennis Hopper in Wim Wenders’ Patricia-Highsmith-Verfilmung «Der amerikanische Freund» die Hauptrolle spielte.

Zehn Jahre danach arbeitete er erneut mit Wenders zusammen. Er spielte in dessen in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnetem Kinomärchen «Der Himmel über Berlin» einen Engel und begründete damit seinen Ruf als einer, der – wie kaum ein anderer Schauspieler – vergeistigte, stets kluge Worte von sich gebende, introvertierte Männerrollen verkörpern konnte.

Herzerwärmend in Soldinis «Pane e tulipani»

Noch einmal zehn Jahre später im Juli 1998 machte sich ein sehr bekannter Schreiber in einem legendären Essay im «Magazin» mit dem Titel «Zum Genre des Scheissfilms» darüber lustig: «Ein Scheissfilm mit Groucho Marx in der Hauptrolle wäre undenkbar, einer mit Bruno Ganz dagegen ist die Regel.» Der Schreiber war Roger Köppel, damals noch nicht «Weltwoche»-Besitzer und SVP-Nationalrat, sondern Co-Chefredaktor des «Magazins»; er bezog sich in der – auch heute noch witzig zu lesenden – Tirade speziell auf «Die Ewigkeit und ein Tag» des griechischen Regisseurs Teo Angelopoulos mit Bruno Ganz in der Hauptrolle. Doch dass man mit einer derartigen Reduzierung von Bruno Ganz als einem Schauspieler von auf Innerlichkeit abonnierten Rollen in keiner Weise gerecht wurde, zeigte sich bereits in den nächsten zwei Filmen, beide im Jahr 2000 entstanden.

Unter der Regie von zwei Schweizer Cineasten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bewies er seine Vielfältigkeit: «WerAngstWolf» von Clemens Klopfenstein und «Pane e tulipani» von Silvio Soldini: Während er in Klopfen­steins anarchistischer Low-Budget-­Komödie Selbstironie bewies, als er von einem anderen Darsteller als «Bruno, die Gans» vorgestellt wurde, spielte er sich in Soldinis sanftem Selbstfindungsdrama als älterer Kellner in die Herzen von Millionen vorwiegend weiblicher Fans; der Film ist bis heute einer, der am meisten mit Ganz in Verbindung gebracht wird.

Den «Führer» wurde er kaum mehr los

Natürlich gab es vier Jahre nach diesem Grosserfolg einen weiteren Film, der alles Bisherige in den Schatten stellte und den bis heute jedes Kind kennt: «Der Untergang» von Oliver Hirschbiegel, basierend auf den Tagebüchern von Hitlers Sekretärin Traudl Junge. In fast dreistündiger Parforcetour verkörpert Ganz darin den seine letzten Tage im Bunker der Berliner Reichskanzelei herumtobenden «Führer» mit solch diabolischer Lust am Bösen, dass von den nicht gerade wenigen Hitler-Darstellern der Filmgeschichte seither meist nur noch Bruno Ganz genannt wird.

Der Film hatte weltweit einen derartigen Erfolg und es entstand auch ein solcher Hype um das kontroverse Werk, dass es auch Ganz über den Kopf zu wachsen drohte.

Das zeigte sich etwa darin, dass noch vier Jahre nach diesem Film, als der Schreibende – vergeblich – um ein Interview mit Ganz im Zusammenhang mit Uli Edels «Der Baader-Meinhof-Komplex» nachsuchte, es von Seiten seines Managements hiess, der Schauspieler werde aber keine Fragen zu seiner Rolle als Adolf Hitler beantworten.

Zwei Jahre darauf kam im Zusammenhang mit einem ganz anderen Film, Sophie Heldmanns «Satte Farben vor Schwarz», schliesslich doch ein Interview zustande. Im Erstling der jungen, aus Zug gebürtigen Regisseurin spielte Ganz an der Seite von Senta Berger den männlichen Part eines gutsituierten älteren Ehepaars, das angesichts einer tödlichen Krankheit eine radikale Entscheidung trifft. Ein entspannter, gutgelaunter Bruno Ganz streifte in jenem Gespräch von sich aus kurz seine Geschichte als «Führer». Er erzählte, dass er seinerzeit als Vorbereitung auf jene Rolle während einiger Wochen in einer Klinik, die auf die Behandlung von an Parkinson Erkrankten spezialisiert war, die Bewegungen dieser Patienten studiert habe.

«Er schaute nicht darauf, ob es Alfred Hitchcock oder der kleine Christian Labhart war»

Besonders in Erinnerung blieb von jenem Gespräch aber die Bemerkung, er achte bei Anfragen für Rollen nie auf den Bekanntheitsgrad der Anfragestellenden. In den vergangenen Jahren hat Bruno Ganz eindrücklich bewiesen, dass dies keineswegs nur schöne Worte waren. So hat er sowohl in Alan Gsponers «Heidi» den Alpöhi verkörpert, in Lars von Triers «The House that Jack Built» an der Seite von Matt Dillon einen Führer ins Totenreich gespielt, daneben aber auch im Flüchtlingsdrama «Fortuna» des noch wenig bekannten Germinal ­Roaux in der Rolle eines engagierten ­Paters beeindruckt.

Und in seiner ­ursprünglichen Herkunft vom Theater übernahm er in Filmen auch immer wieder reine Sprechrollen, so etwa 2014 in Christian Labharts «Giovanni Segantini», in welchem er im Off Texte von Segantini las. Labhart, der erst mit diesem Film einem wirklich grossen Publikum bekannt wurde, spricht denn auch mit grösster Hochachtung davon, wie er Bruno Ganz erlebt hatte: «Der schaute überhaupt nicht darauf, ob das jetzt Alfred Hitchcock war, der ihn anfragte, oder der kleine Christian Labhart. Er reagierte rasch, schrieb mir, Segantini als kompromissloser Künstler, der sein Ding durchzog, interessiere ihn, er fühle sich ihm nahe.» Bruno Ganz hatte Labhart denn auch im vergangenen Frühjahr schon für dessen neuen Film «Passion», der im April in den Kinos starten wird, seine Zusage für eine erneute Sprechrolle erteilt, musste ihm dann aber im Sommer aufgrund seiner Krankheit absagen. Nun ist ihr Bruno Ganz erlegen.

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