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Ethan Hawke erhält in Locarno einen Ehrenpreis

Ethan Hawke zeigt auf der Piazza Grande in Locarno seine neuste Regiearbeit. «Blaze» ist ein wunderschöner Film über die Musik und die Liebe, der auch viel mit dem Wesen des Regisseurs zu tun hat.
Regina Grüter, Locarno
Der amerikanische Schauspieler und Regisseur Ethan Hawke hat in Locarno auch einen Preis für sein künstlerisches Gesamtwerk erhalten. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Der amerikanische Schauspieler und Regisseur Ethan Hawke hat in Locarno auch einen Preis für sein künstlerisches Gesamtwerk erhalten. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Er nimmt dem Starrummel seinen oberflächlichen Glanz in der Sekunde, in der er auf die Bühne tritt, um seinen Film «Seymour: An Introduction» vorzustellen. Es ist der erste öffentliche Auftritt von Ethan Hawke am Locarno Festival. Natürlich, witzig und eloquent führt der Filmemacher in sein Porträt über den mittlerweile 91-jährigen Pianisten Seymour Bernstein ein, in dem es auch um die Frage geht, wo Kreativität herkommt und wie sie das Leben beeinflusst. Er ist ein glänzender Erzähler und versteht es, dem Publikum die Essenz des Films in wenigen Worten, angereichert mit Anekdoten über die Entstehung, zu vermitteln. Und er lässt diesen Seymour Bernstein strahlen.

Auf der Piazza Grande gestern Abend strahlte dann Blaze Foley, der texanische Singer-Songwriter (1949–1989). Hawkes vierte Regiearbeit «Blaze», die am 18. Oktober in die Schweizer Kinos kommt, ist ein Film voller Herz und Seele.

Für sein künst­lerisches Gesamtwerk ist der 47-jährige Schauspieler, Romanautor und Regisseur in Locarno mit dem Excellence Award ausgezeichnet worden.

Man kannte den Texaner bisher vor allem als Schauspieler. An die 30 Jahre macht er das nun, für mehrere Dutzend Filme stand er vor der Kamera: «Dead Poets Society», der seine internationale Karriere begründete; «Gattaca», wo er beim Dreh seine erste Frau Uma Thurman kennen lernte, mit der er zwei Kinder hat; die «Before»-Reihe seines Freundes Richard Linklater an der Seite von Julie Delpy («Before Sunrise», «Before Sunset», «Before Midnight»).

Das sagt Ethan Hawke zur Ehrung:

Zweimal für den Oscar nominiert

Spätestens da verliebten sich alle Frauen im selben Alter ein bisschen in Ethan Hawke. In «Training Day» spielte er neben Denzel Washington einen jungen, ambitionierten Cop, dessen Weltbild auf den Kopf gestellt wird – seine erste Oscar-Nomi­nation als Schauspieler. Für die Nebenrolle in «Boyhood» gab’s die zweite. Zweimal nominiert war er auch für seine Mitarbeit an den Drehbüchern von «Before Sunset» und «Before Midnight».

«Blaze» ist ein Film über den Underdog der Underdogs. Blaze Foley, herausragend gespielt von Ben Dickey, ein Musiker, den kaum jemand kennt. Das wird sich nun ändern. Foley hat wunderschöne Songs geschrieben, und über diese Songs entfaltet Hawke die Geschichte, die seine Liebe zu den Menschen genauso ausdrückt wie seine Liebe zur Musik. «Jeder verdient es, dass man seine Geschichte erzählt», sagt Hawke. Auch der Friedhofswärter oder die Barkeeperin, die die Kamera in «Blaze» noch weiterverfolgt, wenn ihr Auftritt in einem anderen Film längst zu Ende wäre.

Im persönlichen Gespräch begegnet einem Ethan Hawke mit aufrichtigem Interesse. «Ethan», stellt er sich vor und schüttelt einem die Hand. Er blickt einem in die Augen und beantwortet jede Frage direkt und ohne Umschweife – wenn er auch mal den Faden verliert. Er trägt ein gemustertes Kurzarmhemd, darunter lugt auf dem rechten Oberarm ein Schmetterlings­tattoo hervor. Auf die Frage nach den verschiedenen Formen seines künstlerischen Ausdrucks als Regisseur (Hawke spielt in ­«Blaze» nicht mit), Schauspieler und Autor zitiert er Dennis ­Hopper, der gesagt habe, er sehe Kunst als ein Haus – bildende Kunst, Fotografie, Tanz … Und da wolle er hinein. Ihm gehe es genauso, sagt Hawke, und ausserdem sei Film ein Medium, das das alles in sich vereine. Auch schätze er mehr und mehr die ­Zusammenarbeit mit anderen.

Und was Menschen über alle Grenzen miteinander verbindet, ist die Musik. Hawke sieht sie als universelle Sprache, und es ist ­offensichtlich, dass ihm Musik wahnsinnig wichtig ist. Ob er denn selber ein Instrument spiele? Er habe zur gleichen Zeit angefangen, Gitarre zu spielen wie zu schauspielern. Während der Drehpausen ein Buch zu lesen, habe ihn gedanklich zu sehr abgelenkt, meint er. «Die Gitarre kannst du einfach weglegen und wieder in deine Rolle schlüpfen.» Er mache das also schon lange, sei aber ein miserabler Gitarrist.

Er hatte seine Zweifel an der Schauspielerei

Wer seine Romane liest, weiss, Ethan Hawke ist ein absoluter Romantiker, und der schnelle Ruhm liess ihn der Schauspielerei misstrauen. Die (Selbst-)Zweifel sind mittlerweile überwunden, nicht aber die des Pastors in «First Reformed» von Paul Schrader. Die Rolle sei seine bisher grösste Herausforderung gewesen. Demnächst wird er für den japanischen Regisseur Hirokazu Kore-eda vor der Kamera stehen – zusammen mit Juliette Binoche und Catherine Deneuve. Bei der Arbeit an «Blaze» habe er versucht, Ben die Schauspielkunst zu lehren. Er ist der Partner der Jugendfreundin seiner zweiten Ehefrau Ryan Hawke, die ihm seit «Seymour» auch als Produzentin zur Seite steht. Sie haben zwei Mädchen zusammen.

Für Ethan Hawke läuft alles rund, und er scheint glücklich zu sein. Wie es sich anfühle, diesen Preis zu bekommen, fragte ein Journalist am Vortrag. «Komisch», sagt Ethan Hawke. «Ich tue einfach, was ich liebe. Es ist, als ob ich einen Preis für meine Nase bekommen würde.» «Eine gute Nase», wirft Festivalleiter Carlo Chatrian ein. Die habe er seinem Grossvater zu verdanken, meint Ethan Hawke.

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