Ein Geschenk von Walter Andreas Müller

Da sind zwei, die warten. Sie haben keine Namen. Nur der dritte hat einen – der, auf den sie warten. «Warte uf Bodo» heisst Fritz Sauters Hörspiel denn auch, das Radio SRF 1 heute ein erstes Mal ausstrahlt.

Rolf App
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Bild: Rolf App

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Da sind zwei, die warten. Sie haben keine Namen. Nur der dritte hat einen – der, auf den sie warten. «Warte uf Bodo» heisst Fritz Sauters Hörspiel denn auch, das Radio SRF 1 heute ein erstes Mal ausstrahlt.

Der Traum vom Nussgipfel

Zu hören in allen Rollen: Walter Andreas Müller. Anlass des Ganzen: Müllers 70. Geburtstag am 3. September. Ein Geschenk also, das das Radio ihm macht – und zugleich eines, das er uns macht, seinen Zuhörern und Zuschauern seit Jahrzehnten.

Warten. Die zwei Stimmen in Fritz Sauters Stück machen genau das, was Wladimir und Estragon in Samuel Becketts «Warten auf Godot» tun. Sie sehen sich in die Langeweile geworfen, vertreiben sich die Zeit mit Geschichten. Manchmal geraten sie ins Phantastische. Der eine hat geträumt, er sei ein Nussgipfel und liege den ganzen Tag im Wirtshaus auf dem Tisch, gelähmt vor Angst vor dem Gegessenwerden. Am Abend wirft ihn die Serviertochter auf den Kompost, und eine eklige Schnecke kriecht heran.

«Weisses nöd»

Manchmal fragen sie einander aus. «Läbed dini Eltere no?», fragt der eine. «Weisses nöd», bescheidet ihn der andere. Erzählt dann vom Bruder, der in einem Unfall stirbt. Da habe er angefangen zu fressen. Sie rätseln, wohin sie kämen, wenn sie einfach der Nase nach liefen. Nach Finnland? Sie diskutieren über Bodo, von dem sie gehört haben, dass er kommen soll. Ob mit ihm zu spassen ist?

Als Bodo kommt

So geht es hin und her. Vom Spass zum Ernst. Bis Bodo wirklich da ist, «Grüess ech» sagt und eine grosse Show abzieht. Doch dann fängt die Katastrophe erst richtig an. Ja, die Langeweile. «Wir werden alle verrückt geboren», sagt Estragon bei Beckett. «Einige bleiben es . . .» «Wir warten», sagt Wladimir. «Wir langweilen uns zu Tode.» Die zwei im Hörspiel langweilen sich virtuos. Auch sprachlich. Mit grosser Lust zieht Walter Andreas Müller alle Register. Auch punkto Dialekt. Der eine, etwas forscher Veranlagte tönt wie weiland Bundesrat Kurt Furgler, er redet ein spitzes Sanktgallerdeutsch. Der andere, doch eher melancholische Partner erinnert in seinem Berndeutsch an Bundesrat Samuel Schmid. Dass einem gerade diese zwei in den Sinn kommen, das hat natürlich mit Walter Andreas Müller zu tun, der ein begnadeter Parodist ist – eines seiner vielen Talente.

Radio SRF 1 Warte uf Bodo Heute Montag 14 Uhr und Freitag 20 Uhr