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In Triesen steht ein Friedhof für die Lebenden und die Toten

Wie sieht ein zeitgemässer Friedhof aus? Die Rorschacher Architektin Jacqueline Kissling hat darauf im liechtensteinischen Triesen eine überzeugende Antwort gefunden. Eine wichtige Rolle spielt die Bepflanzung.
Christina Genova
Der neu gestaltete Triesener Friedhof mit Kolumbarien und Gemeinschaftgrab. (Bild: Tushar Desai)

Der neu gestaltete Triesener Friedhof mit Kolumbarien und Gemeinschaftgrab. (Bild: Tushar Desai)

Die Vorstellung davon, wie wir bestattet werden wollen, ist im Wandel. Heute entscheiden sich Menschen immer seltener für eine traditionelle Erdbestattung, sondern lassen sich kremieren. So auch im liechtensteinischen Triesen. Das stellte die Rorschacher Architektin Jacqueline Kissling fest, als sie 2015 von der Gemeinde den Auftrag erhielt, die Nutzung des dortigen Friedhofs zu optimieren und eine Bedarfsplanung für die nächsten 30 Jahre zu erstellen. Eingebunden in die Planung war auch Kisslings Ehemann, der Londoner Architekt Tushar Desai. Um der Veränderung der Bestattungsarten gerecht zu werden, entwarf Jacqueline Kissling in einem ersten Schritt drei neue Kolumbarien. Sie wurden in die bestehende Terrassierung des Geländes eingefügt.

Ein Sitzplatz zwischen den Toten

Die Lichtkörper zwischen den Nischen sind unregelmässig angeordnet. Ein Hinweis auf höhere Gesetzmässigkeiten, die uns verborgen bleiben. (Bild: Tushar Desai)

Die Lichtkörper zwischen den Nischen sind unregelmässig angeordnet. Ein Hinweis auf höhere Gesetzmässigkeiten, die uns verborgen bleiben. (Bild: Tushar Desai)

Kolumbarien sind oberirdische Bauten, die der Aufbewahrung von Urnen dienen und die man schon zu Zeiten der Römer erstellt hatte. Jacqueline Kissling gestaltete Module aus rötlich ­eingefärbtem Beton. Farbgebung und Oberflächenstruktur lehnen sich an das örtliche Schiefervorkommen an. Lichtkörper sind wie zufällig in das Nischenraster eingefügt; die Abdeckung besteht aus handgefertigten Glasplatten – eines von vielen sorgfältig ­gestalteten Details. Die unregelmässige Setzung ist ein bewusster Entscheid: «Wir wissen weder wann noch wie wir gehen müssen», sagt die Architektin.

Eine rosenumrankte Bank lädt ein, sich zwischen die Toten zu setzen. (Bild: Tushar Desai)

Eine rosenumrankte Bank lädt ein, sich zwischen die Toten zu setzen. (Bild: Tushar Desai)

Der Friedhof als letzte Ruhestätte wandelt sich. Er wird zunehmend nicht nur als Bestattungsort, sondern auch als öffentlicher Raum wahrgenommen, wo man sich aufhalten kann und sich wohl fühlt. Das hat Jacqueline Kissling bei der Gestaltung berücksichtigt. So gibt es auf dem Friedhof mehrere Sitzgelegenheiten. Man kann sich sogar zwischen die Toten setzen: Ins Kolumbarium ist eine hölzerne, von Kletterrosen umrahmte Bank ­integriert. Von dort aus schweift der Blick in die wunderbare Weite des Rheintals. Das habe etwas Tröstliches, findet Jacqueline Kissling, die noch nie einen Friedhof gestaltet hat. Einen solchen baue man vor allem für die Hinterbliebenen: «Menschen brauchen Orte, um sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.»

Unten am Kolumbarium befindet sich ein Gabentisch. Darin eingelassen sind Vertiefungen für Kerzen und Blumenvasen bestimmt. (Bild: Tushar Desai)

Unten am Kolumbarium befindet sich ein Gabentisch. Darin eingelassen sind Vertiefungen für Kerzen und Blumenvasen bestimmt. (Bild: Tushar Desai)

Unten am Kolumbarium gibt es einen Gabentisch. Darin eingelassen sind Vertiefungen für Kerzen und Vasen. Er ist für alle Verstorbenen gedacht, auch für jene, die nie Besuch erhalten. Dass der Gabentisch mit allerhand Engelchen bestückt und ­damit das strenge Gestaltungskonzept durchbrochen wird, sieht Jacqueline Kissling gelassen: «Das ist schon gut. Das ist das ­Leben.»´

In den Messingrahmen, der das Gemeinschaftsgrab umschliesst, können die Namen der Verstorbenen eingefräst werden. (Bild: Tushar Desai)

In den Messingrahmen, der das Gemeinschaftsgrab umschliesst, können die Namen der Verstorbenen eingefräst werden. (Bild: Tushar Desai)

Auch beim neuen Gemeinschaftsgrab zeigt sich in der scheinbar zufälligen Anordnung der über 260 farblich abgestimmten robusten Polyantha-Rosenstöcke die Unregelmässigkeit als Gestaltungsprinzip. Die Rosen, Symbol der ewigen Liebe, bilden einen Kontrapunkt zur monolytischen Skulptur des Kolumbariums. Der Rosengarten wird ­eingefasst von einem brünierten Messingrahmen. Darin eingefräst wird, falls erwünscht, der Name des Verstorbenen. Innerhalb der Umrahmung wird die Asche beigesetzt.

Statt Rollrasen eine Blumenwiese

13 Mittelmeerzypressen wurden gepflanzt. Sie stehen für die zwölf Apostel und Maria Magdalena. (Bild: Tushar Desai)

13 Mittelmeerzypressen wurden gepflanzt. Sie stehen für die zwölf Apostel und Maria Magdalena. (Bild: Tushar Desai)

Jacqueline Kissling wusste nicht, ob das vor einem Jahr eingeweihte Gemeinschaftsgrab, von manchen skeptisch als «Massengrab» bezeichnet, von der Bevölkerung angenommen wird. Doch seither sind dort schon sechs Verstor­bene bestattet worden. Zur Umgestaltung des Friedhofs gehört auch ein übergeordnetes Pflanzkonzept, das noch nicht fertig umgesetzt ist. 13 Mittelmeerzypressen sind bereits gepflanzt, zwölf für die Apostel und eine für Maria Magdalena.

Die Friedhofskatze begrüsst jeden Besucher. (Bild: Tushar Desai)

Die Friedhofskatze begrüsst jeden Besucher. (Bild: Tushar Desai)

Die leergeräumten Grabfelder werden nun nicht mehr mit Rollrasen bedeckt; ab nächstem Jahr soll dort eine Blumenwiese wachsen. Ausserdem werden die Rabatten und die vom Friedhofsgärtner gepflegten Gräber neu anstatt mit Stiefmütterchen oder Begonien mit mehrjährigen Gewächsen wie Lavendel, Rosmarin oder Efeu bepflanzt. Mitte September wurde der neu gestaltete Friedhof eingesegnet. Das schönste Kompliment kam dabei vom Triesener ­Bauverwalter Paul Eberle: «Der Friedhof sieht aus, als sei er schon immer so gewesen.»

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