Ein Filmkünstler, der das geschriebene Wort liebte

Andreas Stock
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Truffaut Berühmt ist er in erster Linie als einer der ganz grossen Filmemacher: François Truffaut, Regisseur der «Nouvelle vague» und von Meisterwerken wie «Les 400 coups», «Jules et Jim», «Fahrenheit 451», «Le dernier métro» oder «La nuit américaine».

Im Kino konnte ich Truffaut damals leider erst entdecken, als es schon beinahe zu spät war. Denn 1984 ist der französische Regisseur im Alter von 52 Jahren viel zu früh gestorben. Dass Truffaut als Filmkritiker begonnen hatte, bevor er Regisseur wurde, hat mich nachhaltig geprägt – und selbst zum Filmjournalismus geführt. So habe ich dann auch sein Buch verschlungen, das längst zu einem Klassiker und Meilenstein der Filmliteratur wurde. Für «Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?» hat der Hitchcock-Fan Truffaut den grossen Regiemeister während rund 50 Stunden interviewt. Das Buch ist eine Fundgrube über die Magie und die Kunst des Kinos und noch immer ein Standardwerk zum Kino von Alfred Hitchcock.

François Truffaut liebte das geschriebene Wort und die Bücher. Das sieht man in jedem seiner wunderbaren Filme: Stets finden sich darin Szenen von Menschen, die Bücher lesen oder aus Büchern zitieren. Truffaut war ein «homme de lettres», er hat sehr, sehr viele Briefe geschrieben. 500 davon, zwischen 1945 und 1984 verfasst, sind Deutsch übersetzt und in einem über 700-seitigen Buch im Verlag vgs Köln 1990 publiziert worden. Antiquarisch ist der Wälzer noch erhältlich. Er erlaubt einen tiefen, intimen Einblick in das Leben eines sensiblen, klugen Menschen und Filmemachers, der mit Haut und Haar fürs Kino und die Literatur gelebt hat. Seine Korrespondenz mit Hitchcock sowie vielen weiteren Regisseuren, Darstellerinnen und Freunden ergibt eine Art Autobiografie in Briefform.

Andreas Stock