Ein Festivalsommer, der alle glücklich macht

Die Sommermonate 2015 werden nicht nur den Betreibern von Freibädern, sondern auch den Open-Air-Veranstaltern in guter Erinnerung bleiben. Gerade Open-Air-Kinos hatten nach eher dürftigen Jahren wieder volle Zuschauertribünen. Ein kleines Festival am Bodensee verdoppelte die Zuschauerzahl sogar.

Chris Gilb
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Blauer Himmel statt Dauerregen am diesjährigen OpenAir St. Gallen. (Bild: Peer Füglistaller)

Blauer Himmel statt Dauerregen am diesjährigen OpenAir St. Gallen. (Bild: Peer Füglistaller)

Die Abende werden kürzer und vor allem kühler, und selbst wenn über den Tag noch das eine oder andere Mal die Sonne rauskommt, ist die Zeit der Rekordhitze fürs Jahr 2015 wohl vorbei. Nach mehreren Sommern, die als unbefriedigend eingestuft wurden, hat die Schweiz dieses Jahr einen Sommer mit Rekordtemperaturen erlebt wie zuletzt in den Jahren 2006 und 2003.

Besonders glücklich darüber waren die Open-Air-Kinos, denn während an mehrtägigen Open-Air-Festivals das Ende eines Regenschauers unter einem Zeltdach abgewartet werden kann, sind die Besucher auf den Kino-Tribünen der Witterung ungeschützt ausgesetzt. «Das Wetter ist unser natürlicher Freund oder Feind», sagt Fabienne Wolfschläger von der Cinair AG, die die vier grössten Open-Air-Kinos in der Region betreibt. 36 000 Filmfans besuchten die verschiedenen Filmvorführungen an den Standorten Arbon, St. Gallen, Kreuzlingen und Weinfelden diesen Sommer. Allein beim grössten der Kinos in Arbon waren es mit 16 000 Zuschauern 4000 Besucher mehr als im Vorjahr. «Wäre dieser Sommer auch wieder verregnet worden, hätten wir angefangen, uns Gedanken über Gegenmassnahmen etwa in Form von Überdachungen zu machen», sagt Wolfschläger.

Besucherzahl verdoppelt

Das «Krach am Bach»-Open-Air beim Seebad in Tägerwilen konnte seine Besucherzahl im Vergleich zum verregneten Vorjahr sogar verdoppeln. «Wir sind eine eintägige Veranstaltung, da hat das Wetter immensen Einfluss auf die Besucherzahlen», sagt Adrian Schmalz vom OK. 650 Musikbegeisterte haben das Festival dieses Jahr besucht. Zu heiss werden konnte es den Zuschauern bei «Krach am Bach» nicht: «Zur Abkühlung liegt nur wenige Meter entfernt der Bodensee», sagt Schmalz.

Die erfolgreichste Ausgabe des Open-Airs sei aber 2006 gewesen, dies hänge weniger mit dem damaligen Rekordsommer denn damit zusammen, dass es zwischenzeitlich ein grösseres Angebot an kleineren Open Airs in der Region gäbe, die sich die Besucher untereinander aufteilen müssten.

Zum ersten Mal in seiner zwölfjährigen Geschichte war am vergangenen Wochenende das Clanx Festival in Appenzell bereits im Vorfeld restlos ausverkauft. Als sich ein sonniges Wochenende angekündigt hatte, zog der Vorverkauf nochmals stark an. Profitiert vom Prachtsommer hat auch das Open Air Lumnezia in Graubünden, das zum ersten Mal in seiner 30jährigen Geschichte mit 18 000 Tickets ausverkauft war. «In den Vorjahren hatten wir jeweils maximal 13 000 Besucher, sagt Catia Tschuor vom OK.

Über Nacht nach Hause

Beim grössten Open Air in der Region, dem St. Galler Open Air, bei dem der Regen und die anschliessenden Schlammschlachten legendär sind, regnete es dieses Jahr lediglich am Samstag eine Stunde lang. «Dieses Jahr war das Wetter ideal. Es war nicht zu heiss, da die grosse Hitzewelle erst nach dem OpenAir gestartet hat und es hat auch nur einmal kurz geregnet», sagt die Mediensprecherin Sabine Bianchi. Das Open Air St. Gallen sei ausverkauft gewesen. Der Unterschied zwischen einem regnerischen und sonnigen Open-Air-Wochenende sei zudem, dass bei Regen die Besucher über Nacht eher das Gelände verlassen würden, um zu Hause zu nächtigen.

Am Open Air Bütschwil sei die grosse Hitze eher während der Aufbauwoche, als am Open Air selbst ein Thema gewesen. «Wir haben für die Helfer Glace gekauft und ein Bädli zur Verfügung gestellt», sagt Olivia Hug vom OK. Mit 1400 Besuchern an beiden Abenden seien 400 Musikbegeisterte mehr als im Vorjahr gekommen. Dies führen die Veranstalter aber vor allem auf das Line-up zurück.