«Ein extrem mächtiger Mann»

Ed Bonja war Elvis Presleys offizieller Fotograf und Tourmanager von September 1970 bis zum 1. Mai 1977. Seine Bilder findet man in fast allen Büchern über den King of Rock'n'Roll und auf zahlreichen Plattenhüllen.

Olaf Neumann
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Ed Bonja Tourmanager und Fotograf von Elvis Presley (Bild: ky)

Ed Bonja Tourmanager und Fotograf von Elvis Presley (Bild: ky)

Wie viele Konzerte von Elvis Presley haben Sie gesehen?

Ed Bonja: Über tausend. Auf fast allen machte ich Fotos. Das erste Mal live sah ich ihn 1957 im Pan-Pacific Auditorium in Los Angeles, wo Elvis zwei Tage hintereinander spielte. Die Freitagabend-Show war so laut, dass sich die Polizei bei ihm am nächsten Morgen beschwerte. Sie sagten, er solle seine wilde Bühnenshow lieber sein lassen, denn das Publikum gerate dabei ausser Kontrolle. Ich weiss noch, wie Elvis dann am Samstag die Bühne betrat und zuerst minutenlang still dastand. Plötzlich bewegte er seinen kleinen Finger und die Menge rastete komplett aus. Natürlich spielte er an dem Abend keine ruhige Show. Elvis war einzigartig.

Wie lernten Sie sich kennen?

Bonja: Alles fing damit an, dass meine Schwester Pat 1957 mit Elvis in Memphis zum Essen verabredet war. Ich selbst erlebte ihn das erste Mal persönlich im Jahr 1964 bei den Dreharbeiten zum Film «Girl Happy». Damals arbeitete ich als Sekretär für den Colonel.

Wer waren Elvis' Lehrmeister?

Bonja: Ich denke, vor allem die farbigen Sänger seiner Generation wie James Brown. Elvis liebte Gospel-Musik, Soul und Rhythm and Blues. Als er anfing, eigene Platten aufzunehmen, machte er sich diesen Sound zu Eigen und entwickelte sich zu einem einzigartigen Künstler.

Wie wurden Sie sein Leib- und Magenfotograf?

Bonja: Colonel Parker, der für mich wie ein Onkel war, war bei uns zu Hause oft zu Gast. Im Frühjahr 1970 bekam ich einen Anruf vom Colonel. Er sagte, Elvis werde wieder anfangen, regelmässig auf Tournée zu gehen und ob mein Bruder Ron und ich nicht Lust hätten, als Roadies für einen reibungslosen Ablauf der Shows zu sorgen. Und: «Deine Mutter hat mir erzählt, dass du fotografierst. Bring einfach deine Kamera mit und mach so viele Bilder wie du magst.»

Hatten Sie das Gefühl, dass Elvis mit Leuten wie Johnny Cash oder Jerry Lee Lewis konkurrierte?

Bonja: Nein. Ich glaube, er war sich seines Talentes ziemlich sicher. Mit Konkurrenten hatte er kein Problem.

Wie erinnern Sie seine Comeback-Tour?

Bonja: Elvis war eigentlich nie weg vom Fenster, deswegen war es für mich gar keine Comeback-Tournée. Die erste Tour, bei der ich dabei war, bestand lediglich aus sieben Konzerten. Es war ein Test, ob wir alles richtig machten. Danach wurde es immer grösser.

Angeblich war Elvis' Manager Colonel Parker ein sehr manipulativer Mensch mit einem starken Einfluss auf Elvis. Wie haben Sie das erlebt?

Bonja: Der Colonel hatte zwei Seiten, seine private war der Öffentlichkeit weniger bekannt. Einerseits musste er als Geschäftsmann schwere Entscheidungen treffen, andererseits erlebte ich ihn als lustigen Zeitgenossen, der Kinder liebte und sich wirklich rührend um die Elvis-Fans kümmerte.

Wie wichtig waren Colonel Parker die Bilder, die Sie von Elvis machten?

Bonja: Er wählte jedes einzelne Bild, das veröffentlicht werden sollte, persönlich aus. Das war mit Elvis so abgesprochen. Mein letztes Foto von Elvis schoss ich am 10. Juni 1975 in Memphis. Danach wurde er richtig dick. Ich blieb aber noch bis zum 8. April 1977 sein Tourmanager. Als ich kündigte, war ich ein Wrack, der permanente Stress des Tourens hatte mich fertiggemacht.

Sie haben sich gerettet. Warum konnte Elvis nicht gerettet werden?

Bonja: Elvis war ein extrem mächtiger Mann. Niemand durfte ihm sagen, was er zu tun hatte. Selbst auf den Colonel hörte er zuletzt nicht mehr. Manchmal stritten sie sich so sehr, dass sie anschliessend drei Wochen lang kein Wort mehr miteinander sprachen. Am Ende rief Elvis wieder an und beauftragte den Colonel damit, noch mehr Konzerte zu organisieren. Ich glaube, Elvis war trotz allem auch ein bisschen unsicher. Ich erinnere mich, wie ich mich darüber mal mit seinem guten Freund Sandy Miller unterhielt. Einmal sagte Elvis zu Sandy: «Glaubst du, dass sich noch jemand an mich erinnern wird, wenn ich einmal tot bin?» Daraus schliesse ich, dass er vielleicht gar nicht so selbstbewusst war, wie er auf andere immer wirkte.

Hätte sein tragisches Schicksal verhindert werden können?

Bonja: Ich weiss, dass Red West, Sonny West und Dave Hebler versucht haben, ihn von den Pillen wegzubringen. Was passierte? Elvis schmiss sie raus. Alle um ihn herum hatten Angst, dass ihnen dasselbe passieren würde. Man konnte Elvis nichts vorschreiben.