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Die Nesslauerin Livia Rita kommt für ein vierdimensionales Konzert nach St.Gallen

Ihr Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz und fantasievollen, selbstentworfenen Kostümen zeigt die 27-Jährige in der Grabenhalle.
Christina Genova
Livia Rita ist Künstlerin, Designerin, Tänzerin und Komponistin. (Bilder: Lisa Jenny)

Livia Rita ist Künstlerin, Designerin, Tänzerin und Komponistin. (Bilder: Lisa Jenny)

Vor anderthalb Jahren beschloss Livia Rita, alles auf die Karte Kunst zu setzen: Sie gab ihre Wohnung im teuren London und die Brotjobs im Service auf und liess sich in Nesslau nieder, wo sie aufgewachsen ist: «Ich ging dorthin, wo ich fast gratis leben und möglichst viel arbeiten kann», sagt die 27-Jährige, die mit bürgerlichem Namen Livia Heim heisst. Sie empfängt die Schreibende in ihrem Atelier, dass sich seit wenigen Tagen nicht mehr im Haus ihrer Eltern, sondern im ehemaligen Gebäude der Textilfirma Meyer-Mayor befindet.

Die letzten Monate hat Livia Rita dafür genutzt, zwischen Nesslau, Zürich und London, wo sie studiert und ein Netzwerk von kreativen Gleichgesinnten aufgebaut hat, ihr erstes Album «Fuga Futura» voranzutreiben. Dessen Veröffentlichung steht kurz bevor. An zwei Konzerten, heute in der Grabenhalle St.Gallen und am Freitag im Rathaus für Kultur in Lichtensteig, erhält man schon vorab einen Eindruck von Livia Ritas Gesamtkunstwerk.

Konzert ist denn auch das falsche Wort für die 50-minütige Performance, welche die Künstlerin als vierdimensionale Musikerfahrung bezeichnet. Die vierte Dimension sind die Gefühle, welche Livia Rita ansprechen will. Sie singt ihre selbstkomponierten Songs und hat drei Tänzerinnen an ihrer Seite. Alle tragen ihre von ihr eigens dafür entworfenen Kostüme. Für jeden Song gibt es eine eigene Kollektion und ein hoch professionelles Video, jedes eine Welt für sich – skurril, märchenhaft und verspielt.

Ein Kostüm aus Naturlatex als zweite Haut.

Ein Kostüm aus Naturlatex als zweite Haut.

Alltagstaugliche Mode Made in Toggenburg

In Livia Ritas Atelier hängen einige der extravaganten Kostüme und der dazu passende Kopfschmuck. Ein Kleid aus Naturlatex ist darunter, das etwas streng riecht und wie eine zweite Haut übergestreift werden kann. Oder ein «Hut» aus Köpfen von Schaufensterpuppen. Plexiglas, Federn oder Kunsthaar – alles kommt zum Einsatz, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine alltagstaugliche Kollektion aus marmoriertem Stoff hat das Multitalent ebenfalls entworfen. Die «Magic fish collection», die sie beim «Nähstall» in Alt St.Johann produzieren lässt, wird am Konzert in Lichtensteig lanciert.

Livia Ritas übersprudelnde Fantasie zeigt sich in ihren märchenhaft-verspielten Kostümen.

Livia Ritas übersprudelnde Fantasie zeigt sich in ihren märchenhaft-verspielten Kostümen.

26 Tänzerinnen, 80 Kostüme

Auffällig an der zurückhaltend gekleideten Livia Rita selbst ist nur ihre Frisur: Den Perlen- und Strassschmuck hat sie sich selbst ins Haar geflochten – Ausdruck für ihr Flair für Kitsch und die Lust, mit Identitäten zu spielen. Doch so bescheiden und zurückhaltend die Künstlerin wirkt, so gross sind ihre Visionen: Sie ist gerade erst aus London zurückgekehrt und erzählt strahlend von einer Performance, die sie dort mit 26 Tänzerinnen und 80 Kostümen organisiert hat: «Extrem ambitiös, das gefällt mir.» Als Kostümshow will Livia Rita es aber auf keinen Fall verstanden wissen, sondern als «Celebration of Diversity» – als Feier der Vielfalt und des Zusammenseins. Es ist ihre Art, etwas gegen den Brexit und den Graben, den er durch die Gesellschaft gezogen hat, zu unternehmen: «Man hasst sich so fest, dass man nicht mehr zusammenkommt.»

80 Kostüme hat Livia Rita für eine Performance in London entworfen. Einen Teil davon hat sie in ihr neues Atelier in Nesslau gebracht.

80 Kostüme hat Livia Rita für eine Performance in London entworfen. Einen Teil davon hat sie in ihr neues Atelier in Nesslau gebracht.

Ein weitere Grund zur Freude ist, dass Livia Rita gerade erfahren hat, dass Sadler’s Wells, Londons wichtigste Tanzinstitution, sie während der nächsten anderthalb Jahre mit ihrem Netzwerk und Know-how unterstützen wird – drei Jahre hat die Künstlerin darauf hingearbeitet. Im Toggenburg fühlt sich die Künstlerin zwar manchmal wie ein «Exotenvogel», andererseits schätzt sie die Ruhe, die Natur und die Menschlichkeit: «Man hilft einander.» In London sei man zwar am Puls der Zeit, aber die Stadt sei auch «tough und rough»: «Man muss immer aufpassen.»

Heute, 20.30 Uhr, Grabenhalle St.Gallen und Fr, 18.10., 21 Uhr, Rathaus für Kultur Lichtensteig.

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