Die Vorkehrungen gegen das Virus erreichen das Luzerner KKL: Ein einziges Konzert in zehn Tagen

Die Absagen wegen des Corona-Virus im KKL bescheren den Veranstaltern Verluste. Unklar ist, wie diese verteilt werden.

Urs Mattenberger
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Im KKL-Konzertsaal gibt’s bis zum 15. März nur ein Konzert.

Im KKL-Konzertsaal gibt’s bis zum 15. März nur ein Konzert.

Bild: Dominik Wunderli (20. Februar 2019)

Als der Bundesrat Grossveranstaltungen mit mehr als 1 000 Besuchern verbot, war klar, dass Veranstalter im KKL zu den Hauptbetroffenen gehören. Denn dessen Konzertsaal liegt mit 1850 Plätzen weit über der kritischen Grösse. Als Erste reagiert hatten die Migros-Kulturprozent-Classics mit der Absage des Konzerts von Teodor Currentzis. Die Festival Strings verschoben ihr Konzert mit Midori am Sonntag auf einen späteren Zeitpunkt. Anfangs dieser Woche sagte das Luzerner Sinfonieorchester die beiden Abo-Konzerte vom 4. und 5. März ab.

Von den Konzerten bis zum 15. März wurden inzwischen die meisten verschoben: das Klavierrezital von Giovanni Allevi (neu: 15. November), Ronan Keating, «The Sound of Hans Zimmer & John Williams» (13. November) und «Die schönsten Opernchöre» (6. Juni).

Nur eine Veranstaltung trotzt der Epidemie

Jenes vom 12. März aber bewirbt die KKL-Website noch immer als einen der «Programm-Höhepunkte»: die Johannes-Passion mit der Accademia Barocca Lucernensis. Das Beispiel zeigt einen gewissen Handlungsspielraum. Ein Kriterium ist, dass die Zahl der Teilnehmer weniger als 1 000 Personen beträgt, was der Fall ist, wenn nur das Parkett und ein Teil des ersten Balkons geöffnet werden. Das zweite schliesst Gäste und Mitwirkende aus, die sich in den letzten 14 Tagen in Risikogebieten aufgehalten haben.

Die Accademia Barocca erfüllt das erste Kriterium und kann auch das zweite sicherstellen, weil alle Ticketkäufer mit einer Kontaktadresse erfasst sind. «Nach Absprache mit den kantonalen Behörden», sagt Veranstalter Martin Caduff, «müssen wir unsere Gäste informieren, dass Personen nicht zugelassen sind, die in den letzten 14 Tagen vor der Veranstaltung China inkl. Hongkong, Südkorea, Norditalien, Iran und Singapur besucht haben.» Diese Regelung wurde dem Konzert der Festivals Strings Lucerne zum Verhängnis. Diese hatten zwar die Besucherzahl auf weniger als 1 000 reduziert, aber Musiker des Orchesters wären auch aus Risikogebieten angereist.

«Ob eine Veranstaltung durchgeführt, verschoben oder abgesagt wird, entscheidet der Veranstalter», sagte KKL-Mediensprecherin Corinne Schneebeli gegenüber unserer Zeitung. Noch unklar ist aber, ob Veranstalter die volle Saalmiete bezahlen, wenn ihr Anlass gar nicht durchgeführt wird: «Das ist eine der Fragen, welche wir momentan mit der Versicherung und den Veranstaltern abklären», sagt Schneebeli: «Die Situation ist für alle neu, aus diesem Grund haben wir noch keine Antworten».

Veranstalter sind an einer Verschiebung interessiert, weil da gekaufte Tickets ihre Gültigkeit behalten. Bei abgesagten Konzerten stellt sich die Frage, ob die Tickets zurückerstattet werden. Das ist der Fall beim Currentzis-Konzert der Migros-Kulturprozent-Classics, die sich als privater Veranstalter aber nicht zu versicherungstechnischen Fragen äussern.

Viele Fragen rund um die Ticket-Rückerstattung

Zu den Fragen, die gegenwärtig an allen Fronten diskutiert werden, gehört die, ob Absagen aufgrund bundesrätlicher und kantonaler Richtlinien unter die Rubrik höhere Gewalt oder Epidemie fallen. Das hat auch einen Einfluss auf die Frage, ob Tickets zurückerstattet werden.

Das Luzerner Sinfonieorchester, das keine Versicherung für solche Fälle hat, diskutiert die Rückerstattung und prüft «verschiedene Optionen». Auch die wirtschaftlichen Verluste kann das Orchester aktuell nicht beziffern, weil zwar die variablen Kosten (etwa für Solisten), nicht aber die Fixkosten (wie die Löhne) wegfallen. Ob das Orchester längerfristig auch vor weniger als 1 000 Besuchern auftreten würde, will es aufgrund der weiteren Weisungen entscheiden.

Damit hinterlässt der Corona-Virus auch in diesem Bereich viele Ungewissheiten. Klar ist – nach aktuellem Stand –, dass das Luzerner Sinfonieorchester in der «Salome» vom kommenden Sonntag im Luzerner Theater spielt. Nach der Italientournee hatte keiner der Musiker nach Ablauf der 14-tägigen Beobachtungsfrist Symptome, wonach sich laut BAG ein Test erübrigt.