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Ein Ehering für einen Zirkus

Die letzte Première im Theater-Zirkuszelt ist «Katharina Knie» von Carl Zuckmayer. Unter der Regie von Martina ­Eitner-Acheampong spielen sich die Ensemblemitglieder des Theaters Konstanz in einen Outdoor-Rausch.
Markus Wigert
Die Zirkuserbin steht vor einer schwierigen Entscheidung. (Bild: Ilja Mess)

Die Zirkuserbin steht vor einer schwierigen Entscheidung. (Bild: Ilja Mess)

Die Truppe steht am Abgrund des Konkurses. Die Kassen sind leer. Nur noch Schulden stehen in den Büchern. Zum zweiten Mal erscheint der Gerichtsvollstrecker in der Manege und fordert Geld. Unter Androhung von Gefängnisstrafen. Der Zirkus ist führungslos – Vater Knie ist kurz zuvor gestorben – und seine Tochter Katharina steht vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens: Zurück zu ihrem Ehemann, dem Bauern Martin Rothacker, für den sie ihr Lebenswerk kurzzeitig verlassen hat, oder den Zirkus übernehmen und in die Zukunft führen? Eisernes Schweigen und eine unerträgliche Spannung lasten über dem untergangsbedrohten Zirkuszelt.

An Katharinas hochkarätigem Ehering hängt jetzt das Schicksal des etablierten Familienbetriebs und der verschworenen Truppe, die vom Autor im Verlauf des Stücks durch die abgründigsten und hinterlistigsten Intrigen geschickt wird.

Wie Mücken im ­Scheinwerferkegel

Die attraktive Zirkuserbin zieht den schweren Goldring aus und wirft ihn mit einer Geste der Erlösung von der Entscheidungsqual dem Gerichtsvollstrecker zu. Er akzeptiert und die geschuldete Lustbarkeitssteuer ist beglichen. Was folgt, ist eine grossartige Choreographie der erleichterten Artisten. Wie die Mücken im Scheinwerferkegel der Beleuchtungsmasten schwirren sie atemlos durcheinander, in einer Mischung aus Erleichterung und grenzenloser Freude: Es geht weiter!

Obwohl Schriftsteller Carl Zuckmayer(1896-1977) in einem Begleittext die Fiktionalität der Familie Knie in seinem Stück betont, kam es nach der Berliner Uraufführung 1928 zum Streit um die Verwendung des Namens und gleichzeitig zum Beginn einer Freundschaft zur Zirkusfamilie Knie. Bis in die Fünfzigerjahre ist Carl Zuckmayer einer der meistgespielten Dramatiker auf deutschsprachigen Bühnen. Sein formaler Traditionalismus entspricht später nicht mehr dem Zeitgeschmack der Regisseure, worauf sein Stern langsam zu sinken beginnt. Wesentliche Bestandteile seiner Biographie sind zudem seine Flucht vor den Nationalsozialisten in die USA und sein Lebensabend im Wallis in Saas-Fee, wo er auch seine letzte Ruhestätte findet.

Abhängigkeiten und Verstrickungen

Unter dem Konstanzer Nachthimmel in der Nähe des Seeufers gelingt den Ensemblemitgliedern ein atmosphärisch dichter Theaterabend unter der Regie von Martina Eitner-Acheampong, einem breiteren Publikum auch als frühere Tatort-Schauspielerin bekannt. Zwischen den beiden Paraderollen von Katharina und Vater Knie als dramaturgische Schwergewichte entsteht ein faszinierendes Gewebe familienähnlicher Strukturen mit allen denkbaren Sensibilitäten, Abhängigkeiten und unsäglichen Verstrickungen. Was Antonia Jungwirth als quicklebendige Katharina und Odo Jergitsch als patriarchaler Vater und Zirkusdirektor, eigebettet in ein spielfreudiges Ensemble und begleitet von einer sensiblen Live-Band, am vergangenen Samstag geboten haben, ist schlicht hohe Schule der Schauspielkunst.

«Katharina Knie», Freilichtbühne Klein Venedig Konstanz, bis 24.7.

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