Isabel Allendes neuer Roman handelt von einem dunklen Geheimnis

Der neue Roman von Isabel Allende erzählt die Geschichte von drei Personen, die eine tiefgefrorene Leiche im Kofferraum eines Autos zufälligerweise zusammenbringt.

Frauke Kaberka, dpa
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Starke Frauen im Zentrum: Isabel Allende. Bild: Arne Dedert/DPA

Starke Frauen im Zentrum: Isabel Allende. Bild: Arne Dedert/DPA

Lucía, Richard und Evelyn – diese drei Figuren bilden für kurze Zeit ein Trio, verbunden durch ein dunkles Geheimnis. Dass sich aus dieser Konstellation viel Gutes entwickeln kann, erzählt Isabel Allende im neuen Roman «Ein unvergänglicher Sommer».

Er beginnt aber im Winter und lässt einen frösteln: Nicht nur wegen der Schneemassen im New Yorker Stadtteil Brooklyn, einer eisigen Souterrainwohnung der Protagonistin Lucía und der unterkühlten Beziehung zu ihrem Vermieter und Arbeitskollegen Richard, mit dem sie doch so gern eine heisse Affäre hätte. Es ist vor allem die Entdeckung einer tiefgefrorenen Leiche im Kofferraum einer Luxuslimousine. Bei Eisglätte schlittert Richard in das Auto. Sowohl er und Lucía als auch Evelyn, die am Steuer der Limousine sitzt, sind vorübergehend schockgefroren.

Von mehreren Generationen und über Grenzen hinweg

Die Autorin erzählt eine Geschichte, die – typisch für sie –mehrere Generationen einbezieht und Ländergrenzen sprengt. Typisch auch, dass sie die politische Lage in den jeweiligen Ländern und Zeiten kritisch besichtigt. Die Handlung ihres neuen Romans setzt im New York unserer Tage ein und führt drei Menschen zusammen, die einige Schicksalsschläge erlitten haben. Lucía und Richard fällt die Rolle von Beschützern der jungen Guatemaltekin Evelyn zu, die eines Abends kopflos in Richards Haus landet. Sie arbeitet als Kindermädchen bei einer reichen Familie, deren Oberhaupt Frank Leroy laut Evelyn tyrannisch ist, seine Frau schlägt und den schwerbehinderten Sohn hasst. Ihm gehört auch das Auto mit der Leiche.

Evelyn sucht bei Richard Hilfe, der aber heillos überfordert ist und die Unterstützung von Lucía sucht. Die beiden lebenserfahrenen Akademiker müssen sich fragen: Was tun, wohin mit der Toten? Evelyn hat in der Leiche die Therapeutin des behinderten Knaben erkannt und glaubt, den Mörder zu kennen. Allende schildert nicht nur, wie die drei das Problem angehen, sondern blendet auch zurück in das Leben ihrer Protagonisten.

Isabel Allende: Ein unvergänglicher Sommer, Suhrkamp Verlag, 350 S.,  Fr. 37. -

Isabel Allende: Ein unvergänglicher Sommer, Suhrkamp Verlag, 350 S.,
Fr. 37. -

Mehrere Perspektiven auf Lateinamerika

Daraus ergeben sich auch unterschiedliche Blickwinkel auf Vergangenheit und Gegenwart Mittel- und Südamerikas. Die in den USA lebende Autorin, gebürtige Chilenin, lässt dabei eigenes Erleben einfliessen, wobei sich ihre Sozialkritik besonders den Frauen zuwendet, die allzu oft Opfer eines nur schwer zu brechenden Machismo in Lateinamerika sind. Die 76-jährige Allende ist nach dem Militärputsch in Chile 1973 mit ihrer Familie geflüchtet und erhebt seither ihre Stimme als Frauenrechtlerin. Sie stellt starke Frauen in den Mittelpunkt ihrer Werke.

Die Protagonistin Lucía ist im neuen Roman denn auch die am eindringlichsten porträtierte Figur – wohl mit Zügen der Autorin selbst. Die Zeichnung des Kindermädchens Evelyn dagegen, aber auch jene ihrer Arbeitgeber oder der Schlepper ist klischeehaft; die scharfen Schwarz-Weiss-Konturen lassen differenzierende Schattierungen vermissen. Dennoch lebt der Roman von der Hoffnung, dass eine frostig beginnende Geschichte in einen unvergänglichen Sommer mündet.