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Lesetipps Biografie: Familiäre Beobachtungen und ein Leben in der DDR

Zwei Bücher widmen Lebensgeschichte eines Marxisten mit Bildungsfimmel und den Erinnerungen einer Journalistin mit persischen Eltern.
Hansruedi Kugler

Ein deutscher Antiheld macht DDR-Karriere

Ausser einem freundlich-lakonischen Ton und dem gelegentlich verwunderten Erzähler ist in dieser Lebensgeschichte alles genau und nüchtern erzählt. Sogar der Name des jungen Marxisten mit Bildungsfimmel stimmt: Hasso Grabner, 1911 geboren, war schon als Jugendlicher in der Weimarer Republik ein begabter kommunistischer Agitator, sass wegen Flugblättern vier Jahre im Gefängnis, war dann im KZ Buchenwald interniert, wurde in ein Strafbataillon eingezogen und wegen Unterstützung von Partisanen fast hingerichtet.

Nach dem Krieg steile Karriere in der DDR (Mitbegründer der FDJ, Rundfunkintendant und Direktor der staatseigenen Stahlwerke), bis ihn seine Lyrik zum Publikationsverbot und zum Schweigen verdammte. Ein wenig wie ein deutscher Schwejik? Jedenfalls einer, der sich über die Borniertheit der DDR-Bonzen masslos aufregte, weil die ihm an der Grenze Solschenizyns «Archipel Gulag» wegnahmen. Seit seinem Tod 1976 vergessen, kann man nun dieses wechselhafte, ungewöhnliche Leben nachlesen. In einer Erzählung, die das Nüchterne und das tapfere Schelmentum harmonisch zusammenbringt.

Francis Nenik: Reise durch ein tragikomisches Jahrhundert. Das irrwitzige Leben des Hasso Grabner. Volandt & Quist, 192 S., Fr. 27.–

Hellwach in familiärer Vergänglichkeit

Es ist ein verblüffend einfaches Buch, das die Journalistin Anouschka Roshani über ihre Eltern und über sich als liebende, zweifelnde, zornige Tochter geschrieben hat. Es ist nicht die grosse Familientragödie, die sie beschreibt. Aber mit ihren sehr schönen, sehr vitalen, eben nicht gemässigten Eltern, da treibt die Tochter von der ersten bis zur letzten Seite das Thema der Vergänglichkeit um. Wie sie den Vater erzählend umgarnt, der in jungen Jahren aus Persien nach Deutschland ging, um Arzt zu werden, das ist so innig wie trotzig und gerade deshalb lesenswert. Und weil der «Perser» ein Lebemann war, bekommt das Buch frivole Würze. In der Fülle der familiären Beobachtungen, den Sticheleien, Betrügereien, den Versöhnungen und der alles überschattenden Affäre des Vaters, aus dem dann aber nicht das Drama wird, lebt das Buch in einer schönen, hellwachen Unaufgeregtheit.

Anouschka Roshani: Komplizen. Erinnerungen an meine noch lebenden Eltern. Kein & Aber, 256 S., Fr. 30.–

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