Ein bühnentauglicher Alltag

Mit ihrem zwölften Programm «Quitt – aber hallo» gastiert das Pfannestil Chammer Sexdeet in der Kellerbühne. Einmal mehr fasst das Trio von Res Wepfer die Unzulänglichkeiten und Absurditäten des Alltags in amüsante Mundartlieder.

Andreas Stock
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Musikalisch überzeugend: Res Wepfer, Reto Baumgartner und Lisa Gretler, das neu besetzte Pfannestil Chammer Sexdeet. (Bild: Urs Bucher)

Musikalisch überzeugend: Res Wepfer, Reto Baumgartner und Lisa Gretler, das neu besetzte Pfannestil Chammer Sexdeet. (Bild: Urs Bucher)

Vormachen muss man Res Wepfer nichts. Seit über zwanzig Jahren zelebriert er die feine Kunst des kabarettistischen Mundart-Chansons, und neben zahlreichen weiteren Projekten bringt er mit seinem wohl liebsten Kind, dem Pfannestil Chammer Sexdeet, immer wieder neue, abendfüllende Programme auf die Kleinkunstbühnen. Mit dem neusten, «Quitt– aber hallo», mit dem das wieder neuzusammengesetzte Trio in St. Gallen gastiert, ist das Dutzend jetzt voll.

Der Tag der Bundesratswahlen in Bern, er war Wepfer am Mittwochabend in der gut besetzten Kellerbühne zwei knappe Bemerkungen wert. Das Politkabarett war noch nie und ist auch an diesem Abend nicht das Geschäft des Pfannestil Chammer Sexdeet. Ihr Chanson-Universum kreist um allgemeinere, alltäglichere, oft kleinbürgerliche Themen. Beispielsweise die stilsichere Zubereitung eines Bio-Bratens, die wortlose Liebe zu einem Hund oder den schmalen Grat zwischen Alltagsweisheiten oder eben -banalitäten.

Hundekot und Krisen

Der oft typisch schweizerische Alltag mit mancher Routine wie dem Entsorgungsablauf von Papier, Karton oder Müll, mit seinen witzigen, traurigen und absurden Momenten, er hat es dem Chammer Sexdeet weiterhin angetan. «Alles hat ein Datum, nur eine Garantie gibt es keine», singt das Trio in Züridütsch, und denkt die lebensmitteltechnische Datierungsmanie auf allerlei Verfallsdaten des Daseins weiter.

Bitter die Bilanz eines Mannes in der Krise, der sich nur noch darüber wundern kann, wie bodenlos tief der Fall sich fortzusetzen scheint, obwohl er sich bereits ganz unten wähnte. Nicht mehr so originell, dafür in einer Version zum Mitsingen, der Robidog-Song «Kotaufnahmepflicht».

Es gibt mehrere Nummern in «Quitt», worin sich Wepfers Kunst der assoziativen, hübschen Wortspielereien schillernd entfaltet.

Der Bühnenroutinier weiss selber wohl aber ebenso genau, welche Texte nicht für sich bestehen und inszenatorische Unterstützung benötigen: immer dann aber neigt das Trio zum Kasperletheater.

Beim albernen Song über einen Chauffeur, der ständig Haustiere überfährt, feuert Wepfer den bemitleidenswerten Solisten Reto Baumgartner lautstark an, bis der den «Scheiss-Song» wütend abbricht und reklamiert, er wolle mal eine schöne Ballade singen.

Und beim «Löli/Tubel»-Song unterbietet Wepfer mit seiner Zappel-Choreographie die inhaltliche Blödelei, während die Kalauer seines Troubadours («Ich bin en Polyglott und hocke dehei») von Kollegin Lisa Gretler mit Gähnen quittiert werden. Ob das Publikum solche Selbstironie gegenüber biederen Nummern gnädiger stimmt?

Souverän und durchgängig überzeugend ist die musikalische Klasse von Lisa Gretler (Percussion, Posaune und Piano), dem neuen Mitglied Reto Baumgartner (Kontrabass) sowie von Res Wepfer (Gitarre, Ukulele).

Der Dreier wechselt dabei mühelos von Tango, Bossa-Nova, Reggae oder einem Jodel zu rockigen oder jazzigen Songs und collagiert die Stile gelegentlich im selben Stück nahtlos ineinander.

«Best of» als Zugabe

Mit kräftigem Applaus verdient sich das Kellerbühne-Publikum einen Zugabenblock, der sich als eine Art «Best of»-Chammer Sexdeet entpuppt. Dabei darf natürlich der berühmte und immer wieder köstliche «Partygrill» nicht fehlen.

Mit dem immer verzweifelter formulierten Mantra der ach so schönen Ferienerinnerungen und dem hinreissenden Wetterbericht, der in schönen Worten keinerlei Aussichten auf schönes Wetter verheisst, entlässt einen das Trio in die laue Herbstnacht und in einen Alltag, der soeben während zwei Stunden seine Bühnentauglichkeit bewiesen hatte.

Heute Fr und morgen Sa, Kellerbühne St. Gallen, 20 Uhr