Ein Buch in Musik übersetzt

Jahrelang waren Sundiver von der Bildfläche verschwunden. Die St. Galler Band zog sich zurück, um an der Vertonung eines Romans zu arbeiten. Jetzt erscheint ihr zweites Album «Demwa», das morgen in der Grabenhalle getauft wird.

David Gadze
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Die Sonne geht wieder auf: Sundiver melden sich nach einer langen Pause mit neuer Musik zurück. Moricz und Barnabas Németh, Silvio Odoni und Remo Senn (von links) veröffentlichen heute «Demwa». (Bild: pd)

Die Sonne geht wieder auf: Sundiver melden sich nach einer langen Pause mit neuer Musik zurück. Moricz und Barnabas Németh, Silvio Odoni und Remo Senn (von links) veröffentlichen heute «Demwa». (Bild: pd)

Lange Zeit war die Sonne auf Tauchstation. Und kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Während Jahren war die St. Galler Rockband Sundiver von der Bildfläche verschwunden. Seit Anfang Jahr spielt sie wieder sporadisch auf den städtischen Bühnen. Und veröffentlicht jetzt, mehr als sieben Jahre nach ihrem Début «Hit Below The Belt», ein neues Album.

Vom Roman zur Musik

«Demwa» heisst das neue Werk. Es ist ein Konzeptalbum, quasi die musikalische Übersetzung des 1980 veröffentlichten Science-Fiction-Romans «Sundiver» des amerikanischen Schriftstellers und Wissenschafters David Brin und benannt nach der Hauptfigur, Jacob Demwa. Der Roman geht der Evolution des Menschen auf die Spur.

Beim Unterfangen drohte sich die vierköpfige Band anfangs zu verlaufen. «Wir haben versucht, aus jedem Kapitel einen Song zu machen, mussten jedoch feststellen, dass das nicht funktioniert. Schliesslich wurde uns klar, dass wir nur dann erfolgreich sein können, wenn wir die Emotionen und Stimmungen herausschälen und sie zu Musik verarbeiten», sagt Schlagzeuger Remo Senn. Und dann die Geschichte so herunterzubrechen, dass man sie mit persönlichen Inhalten ergänzen könne, ergänzt Sänger und Gitarrist Barnabas Németh.

Wie weiter?

Der Auslöser für die Romanvertonung war eine kurze Tour durch Deutschland und Österreich im Frühling 2006. Der Besitzer einer Münchner Bar, in der Sundiver an jenem Abend auftraten, schenkte ihnen ein instrumentales Konzeptalbum, die Vertonung einer Western-Geschichte. Dieses inspirierte Sundiver dazu, sich auch an so ein Projekt zu wagen. In Wien, der letzten Station der Konzertreise, sei ihnen «der letzte Funken Hoffnung ihres Traumes von der grossen, weiten Musikwelt» ausgetrieben worden, schrieben sie nach ihrer Rückkehr. «Wir stellten uns die Frage, wie es weitergehen soll. Wir wollten nicht mehr dauernd für das nächste Konzert leben und einfach eine weitere Platte aufnehmen, sondern waren auf der Suche nach etwas, bei dem wir uns ganz auf den Inhalt konzentrieren konnten», sagt Gitarrist Silvio Odoni. So entschied man sich, das Buch zu vertonen, das den gleichen Namen trägt wie die Band.

Zwischen Band und Familie

Durch den Umzug von Bassist Jan Buchholz nach Luzern verkomplizierten und verzögerten sich die Arbeiten. Zu viert konnten sie nur noch einmal in der Woche proben. Ausserdem gründeten einige Bandmitglieder Familien und bekamen Nachwuchs.

«Wir sagten uns, dass wir erst wieder spielen würden, wenn das Album fertig ist», erzählt Németh. Als es vor eineinhalb Jahren endlich so weit war, entschloss sich Buchholz, Sundiver zu verlassen. Für den Rest der Gruppe war klar, dass «Demwa» erst dann erscheinen soll, wenn die Band wieder als Einheit funktioniert. Mit Moricz Németh (Milk On My Rainbow Coloured Skin), Barnabas' jüngerem Bruder, fand man einen Ersatz. «Sundiver waren der Grund, warum ich überhaupt angefangen habe, Musik zu machen», sagt er. Eine Bassgitarre habe er nie zuvor gespielt.

Die Maschine läuft wieder

Es dauerte eine Zeit, bis die Zahnräder wieder ineinander griffen. «Wir mussten die Songs nochmals neu lernen», sagt Barnabas Németh. Die Maschine kam wieder ins Laufen. Doch es blieben Fragen: Können Sundiver das Band-Feeling der vergangenen Tage transportieren? Bringen sie wieder diese unwiderstehliche Energie hin? Ihre Konzerte beantworteten diese Fragen mit einem Ja. Das tut auch die Platte: «Demwa» lebt von Kontrasten, von sphärischen Instrumentalpassagen und erschütternden Ausbrüchen. Es ist ein Werk, das herausfordert und fasziniert. Es zieht einen in die Dunkelheit. Doch am Ende taucht die Sonne wieder auf.

Plattentaufe: Morgen Sa, Grabenhalle, 21.15 Uhr. Support: Zwei vom Stern & der Mann im Mond.