Ein Birnbaum für den Sieger

An den diesjährigen Poetry-Slam-Schweizer-Meisterschaften standen über 40 Dichter auf der Bühne des Zürcher Schiffbaus. Darunter auch einige Ostschweizer. Gewonnen hat aber ein Berner.

Lorena Funk
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Legende (Bild: ky/Alessandro della Valle)

Legende (Bild: ky/Alessandro della Valle)

«Wer war noch nie an einem Poetry Slam?», fragt Etrit Hasler das zahlreich erschienene Publikum in der Halle des Schiffbaus am Freitagabend. Einige Hände werden scheu in die Höhe gestreckt. «Auf die dürfen jetzt alle anderen zeigen und laut <Haha!> rufen», sagt der Slam-Pionier aus St. Gallen, der zusammen mit Patrick Armbruster das Teamfinale der nationalen Poetry-Slam-Meisterschaft moderiert und zeigt so gleich zu Beginn, wie der Hase läuft. Ernst genommen werden sollte bei einem Slam nicht zu viel, dafür darf umso mehr gelacht, gute Performances bejubelt und schlechte Noten ausgebuht werden.

Erfolgreiche Ostschweizer

Das Team E Chli Gross ist vor dem Auftritt nur «e chli» aufgeregt. Das St. Galler Duo, bestehend aus Nicole Knöpfli und Stefan Weisskopf, existiert schon seit der Meisterschaft 2012 und feiert am diesjährigen Teamwettbewerb seine Reaktivierung. «Eigentlich haben wir unser Duo nur aus Trotz gegründet - weil unsere beiden Mitbewohner ein Team ohne uns ins Leben gerufen haben», sagt Knöpfli.

Mit diesen beiden Mitbewohnern sind Pierre Lippuner und Fabian Engeler gemeint, die sich Pink im Park nennen. «Wir sind erstaunt über den grossen Publikumsandrang», sagt Pierre Lippuner.

Vorausscheidung für Augsburg

Die Schweizer Meisterschaft wird jedes Jahr in einer anderen Schweizer Stadt durchgeführt, doch in Zürich findet der Spoken Word Wettbewerb am meisten Anklang, weil der Schiffsbau um einiges mehr Zuschauer fassen kann als die Locations in Basel oder Bern. Am dreitägigen Schweizer Wettbewerb wird in den drei Kategorien Einzel, U20 und Team vorentschieden, wer im Herbst nach Augsburg zur grossen Poetry-Slam-Meisterschaft, dem absoluten Highlight für jeden Slam-Dichter, fahren darf.

Pink im Park landen schliesslich mit ihrem Text übers Neinsagen auf dem vierten Platz. Auch E Chli Gross, die es nicht ganz so weit geschafft haben, sind zufrieden mit ihrem Ergebnis. «Die Publikumsreaktion hat gestimmt», meint Stefan Weisskopf zufrieden. Mehr als nur zufrieden nach drei Stunden pulsierendem Texterwettbewerb mit immer ausgelassener werdendem Publikum ist der Thurgauer Poet Sven Hirsbrunner. Zusammen mit Dichterfreund Dominik Muhheim aus Basel hat er als Das helvetische Dreieck die Teammeisterschaft gewonnen. Er darf neben dem klassischen Whiskey einen kleinen Birnbaum als Siegesprämie nach Hause in die Ostschweiz nehmen.

Auch beim U20-Wettbewerb am Donnerstagabend konnte sich eine Thurgauerin – die in Zürich lebt – gegen alle anderen durchsetzen. Die 18jährige Olga Schmitz, alias Olga Lakritz, nahm den Pokal in Empfang.

Ein alter Hase

Bei den «Alten» gewann tatsächlich ein schon etwas älterer Herr. Der 42jährige Schriftsteller Christoph Simon überzeugte das Publikum mit seinen leisen und genauen Dichtungen und sicherte sich nach 2014 den zweiten Schweizermeistertitel. Der Berner punktete durch seine Ernsthaftigkeit und seinen sorgfältigen Umgang mit dem Klang und dem Rhythmus der Sprache.

Christoph Simon ist neuer und alter Poetry-Slam-Schweizer-Meister. (Bild: pd)

Christoph Simon ist neuer und alter Poetry-Slam-Schweizer-Meister. (Bild: pd)