Ein Ausnahme-Cellist in St. Gallen: So frei und so von Herzen kommend

Der Cellist Kian Soltani präsentierte sich in der Tonhalle St.Gallen mit einem unvergesslichen Dvořák-Konzert.

Martin Preisser
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Musik voller Hingabe: Der Cellist Kian Soltani.

Musik voller Hingabe: Der Cellist Kian Soltani.

Bild: PD

Dieser Solist spielt sich wirklich in die Herzen seiner Zuhörer. Und er musiziert so, als gebe es nichts Natürlicheres und Selbstverständlicheres als, aus dem Herzen kommend, das sehr schwere Cellokonzert von Dvořák zu interpretieren. Der Vorarlberger Cellist Kian Soltani zeigt, dass das anspruchsvolle Spiel als Solist Freude und Hingabe bedeuten kann, mit einer Virtuosität, die so frei und nie angestrengt oder trainiert wirkt.

In der St.Galler Tonhalle begeistert ein Musiker, der es schafft, dass die Zeit stehen zu bleiben scheint, und der es schafft, dass stetig Wärme fliesst. Dass er da zartestes Belcanto auf dem Cello erreicht, aber auch eine unbändige Lust am Energiegeladenen, dass das unbekümmert Wirkende als Ergebnis und ganz grosser Ausdruck der wie schwerelosen Beherrschung des Instruments erscheint, war der ganz grosse Glücksmoment für das Publikum.

Kian Soltani denkt nicht nur solistisch, sondern tief musikalisch. Wie er den Konzertmeister des packend begleitenden und sich mitreissen lassenden Sinfonieorchesters St.Gallen im Finale zu einem ganz aus dem Moment heraus gedachten Dialog einlädt, gerät zu einem besonderen Augenblick. Aber auch, dass Kian Soltani mit seiner Zugabe einladend wirkt, indem er das Dvorak-Lied «Lasst mich allein» für sich und die Bassgruppe des Orchesters arrangierte. So als freue er sich auch über den wunderbaren Cello- und Kontrabassklang des Orchesters. Eine wirklich sympathische Geste!

Mozart voll Lebensfreude und Frische

Mit Clemens Schuldt stand ein Gastdirigent am Pult, der durch analytisch genaue und intensive Interpretationen punkten konnte. So setzte er bei Mozarts Sinfonie Nr. 34 in C-Dur auf festliche Frische, auf Lebensfreude und Energie. Diese Sicht geriet nicht als nur genau sein wollender Mozart, sondern als mitreissendes Stück voller Elan und Selbstbewusstsein des Komponisten.

Immer wieder so interessant wie auch ein Stück weit rätselhaft ist die Musik von Leos Janáček. Seine «Ballade von Blaník» hört man eher selten. Das Stück drückt auch feinsinniges tschechisches Nationalbewusstsein aus: Mit diesem typischen, immer auch am Duktus der tschechischen Sprache orientierten Fluss. Clemens Schuldt gelang hier eine klare, gut durchhörbare Interpretation, mit der dramatischen Eleganz von Janáčeks Tonsprache, aber auch mit dieser spannenden immer leicht rauen Patina seiner Klänge.