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«Ein Abenteuer für alle Beteiligten»

Die Persönlichkeit stärken durch gemeinsam entwickelte Theaterprojekte: Mit diesem Ziel sind die «Kulturkosmonauten» von Pamela Dürr in der Ostschweiz in die Pilotphase gegangen.
Bettina Kugler
Ich, ein anderer: Jugendliche des Integrationskurses am Rand der Probe zu ihrem Projekt «Die vergessenen Inseln» (Bild: . Bild: Urs Bucher)

Ich, ein anderer: Jugendliche des Integrationskurses am Rand der Probe zu ihrem Projekt «Die vergessenen Inseln» (Bild: . Bild: Urs Bucher)

Es dauert eine Weile, bis die Probe im St. Galler Talhof an diesem Vormittag richtig beginnen kann. Bis alle ihre Kostüme und Requisiten in den Kisten neben der Bühne gefunden haben. Bis sie konzentriert genug sind, um sich die Szene in Erinnerung zu rufen, die gleich gespielt werden soll. Sie haben sie selbst entwickelt, gemeinsam mit der Schauspielerin und Theaterpädagogin Franziska Braegger und mit Len Shirts, der Masken baut und Regie führt.

«Die vergessenen Inseln», so nennen sie ihre Entdeckungsreise auf der Bühne, die auch eine Reise zu sich selbst sein wird. Heute präsentieren sie das Ergebnis im «flon». Nicht um ein perfektes Produkt geht es, sondern um die stärkende Erfahrung, in eine Rolle zu schlüpfen. Etwas von sich zeigen zu können; wichtiger Teil eines Ganzen zu sein.

18 Jugendliche aus zehn Ländern, zwischen 16 und 21 Jahren, Teilnehmer des Integrationskurses der Gewerblichen Berufsschule St. Gallen: Zehn Tage lang sind sie «Kulturkosmonauten». Das mobile Workshop-Format, entwickelt und organisiert von der in St. Gallen lebenden Autorin und Theaterpraktikerin Pamela Dürr, durchläuft derzeit in der Ostschweiz die Pilotphase. Unterstützt wird das Projekt durch die Drosos-Stiftung; Partnerinstitutionen sind bislang neben der GBS St. Gallen die Jugendstätte Bellevue in Altstätten, die Durchgangsstation Winterthur und das Schulinternat Aathal.

Gerne hätte Pamela Dürr auch regionale Unternehmen dafür gewonnen – denn sie hat in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit Workshops für Lehrlinge der Drogeriemarktkette dm gesammelt, deutschlandweit. «Die Idee des Unternehmers war ursprünglich, etwas gegen den Sprachverfall zu tun», sagt sie. Dass Theaterspielen dabei hilft, neue Ausdrucksformen zu finden, das Mitdenken anzustossen und sich gestaltend einzubringen, ist nicht neu. «Das Tolle an diesem Format ist, dass es das Gegenteil vom Prinzip Castingshow ist. Nicht der Einzelkämpfer gewinnt, sondern alle müssen an einem Strang ziehen.» Noch zögern die Ausbildungsbetriebe hierzulande; zehn Tage sind ihnen zu viel.

«Das Gegenteil des Prinzips Castingshow»

Doch so viel Zeit brauche es, um mehr als ein «Wörkshöpli» zu sein, wie Pamela Dürr sagt. «Und es bringt etwas, ist identitätsstiftend für ein Unternehmen.» dm jedenfalls zählt zu den erfolgreichsten in Deutschland.

Je zwei Künstler aus verschiedenen Sparten und Theaterformen arbeiten bei den «Kulturkosmonauten» mit einer Gruppe von maximal 24 Jugendlichen. Sie suchen gemeinsam mit ihnen nach einem Thema, das sie bewegt, nach künstlerischen Zugängen. Franziska Braegger und Len Shirts etwa beziehen gern Masken ein ins Spiel. Als gemeinsamer Nenner kristallisierte sich für die Jugendlichen die «Reise» heraus – manche von ihnen sind erst seit wenigen Monaten in der Schweiz. Als «Kulturkosmonauten» explorieren sie nebenbei das Universum einer neuen Sprache.

Ausser Kopien mit dem Text der Szenen liegen am Bühnenrand im Talhof auch Blätter mit gesammelten Zitaten. Mit Schüttelsätzen, die sie in die richtige Reihenfolge gebracht haben. Mit Haikus, die einer von ihnen während der Proben schreibt.

Die Kollegen haben derweil ihre Kostüme angezogen, sind jetzt Schiffskoch, Arzt oder Offizier. Plötzlich zeigen sie, wie viel Energie in ihnen steckt, wie viel Spontaneität.

Spielend über die Welt nachdenken

«Bei den deutschen Drogistinnen geht es viel mehr darum, erst einmal die grosse Zurückhaltung zu überwinden», sagt Pamela Dürr. 15 Workshops sieht sie als externe Beraterin und Workshop-Begleitung jährlich, mit wechselnden Künstlern, je anderer Gruppendynamik. «Das ist eine gute Lehrzeit», sagt sie. Für sie, die selbst Theatertexte und Hörspiele schreibt, ist partizipatives Theater, gemeinsam entwickelt, «eine der schönsten Arten, über die Welt nachzudenken». Und, wie im laufenden Workshop, festzustellen, wie wenig man immer noch weiss über sie.

Heute 19 Uhr, Jugendkulturraum flon St. Gallen

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