Ein Abend in Häppchen

«Stille Kracht» wirft Kultur und Kulinarik in einen Topf. Die Veranstaltungsreihe im Casinotheater Winterthur verbindet ein Bühnenprogramm und ein Mehrgangmenu zu einem gutverdaulichen Abend.

Roger Berhalter
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Bild: Chavela Zink

Bild: Chavela Zink

Hazel Brugger bringt es an diesem Mittwochabend nur fast auf den Punkt: «<Stille Kracht>, das ist wie zusammen Znacht essen, ohne dass man miteinander reden muss», sagt die Slam-Poetin. Zum Reden bleibt allerdings genügend Zeit, trotz Viergangmenu und allerlei artistischer und kultureller Häppchen, die dem Publikum an den Tischen serviert werden.

Bestens inszeniert

Es ist also wieder «Stille Kracht»; die Reihe gehört im Casinotheater Winterthur seit dessen Eröffnung zur vorweihnachtlichen Tradition. Einen Monat lang werden im oberen Saal des Theaters jeweils vier Tage pro Woche Kultur und Kulinarik geboten, beides in gutverdaulichen Häppchen.

Der vierstündige Abend ist keine Minute langweilig und vom Empfang bis zum Finale bestens inszeniert. Da hat nicht einfach jemand ein buntes Bühnenprogramm zusammengestellt und ein Catering drangehängt, sondern vielmehr das Essen und die Kultur in einen Topf geworfen: Zum Auftakt servieren die auftretenden Künstlerinnen und Künstler die Kürbissuppe persönlich, und zum Schluss stehen die komplette Servicebrigade plus die Küchenmannschaft des Hauses auf der Bühne und singen mit.

Von Artistik bis Country

Auf der Bühne herrscht grosse Vielfalt. Das Duo E1nZ zeigt Flaschenjonglage und Artistik am vertikalen Seil, die zwei Whiskey Sisters singen Countrysongs mit Texas-Slang, das Trio Spicy Circus vollführt frivoles Trampolinspringen, und Anna Prinz malt vor aller Augen Sandbilder auf eine beleuchtete Glasplatte. Musikalisch führt die None Silent Crashing Band durch den Abend, und das moderierende Trio Bitterli, Sturzenegger und Madame Fafa sorgen immer wieder für Lacher.

Wer kratzige Satire sucht, ist hier fehl am Platz, «Stille Kracht» ist vielmehr geschliffene Unterhaltung auf hohem Niveau. Am verblüffendsten ist der Diabolo-Tanz von Jonas Slanzi, am komischsten ist Maxi Schafroth, der den Allgäuer Bauernalltag mit der Welt der Banker kollidieren lässt. Am selbstironischsten ist Kabarettist Patrick Frey: «Sex in meinem Alter ist wie Billardspielen mit einem Seil.»

Die vielen kurzen Darbietungen in schneller Folge führen aber auch zu einigen harten Übergängen. Etwa, wenn nach der poetischen, fast meditativen Sandmalerei von Anna Prinz die aufgedrehten Whiskey Sisters kreischen oder wenn nach einer fröhlich-karibischen Einlage der Hausband die Slammerin Hazel Brugger eine morbide Geschichte von einem toten Hasen erzählt.

Zugaben erwünscht

Insgesamt ist «Stille Kracht» wie ein reichhaltiges Buffet. Man kann in kurzer Zeit vieles probieren, hätte da und dort noch Lust auf mehr, ist dann allerdings schon satt. Aber – und das dürfte im Sinne des Casinotheaters sein: Man kann ja später gerne auf eine Zugabe wiederkommen, sei es kulinarischer oder kultureller Art.

Vorstellungen bis 20.12., jeweils Mi–Sa, 19 Uhr, Casinotheater Winterthur, Infos und Tickets unter 052 260 58 92. www.casinotheater.ch

Zwei Kostproben vom «Stille Kracht»-Buffet: Jonas Slanzi tanzt mit dem Diablo, und Kabarettist Maxi Schafroth serviert Kürbissuppe. (Bilder: pd)

Zwei Kostproben vom «Stille Kracht»-Buffet: Jonas Slanzi tanzt mit dem Diablo, und Kabarettist Maxi Schafroth serviert Kürbissuppe. (Bilder: pd)