Eigentümliche Welteroberer

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Robert Hofrichter Das geheimnisvolle Leben der Pilze, Gütersloher Verlagshaus 2017, 237 S., Fr. 29.80

Pilze: Da denkt man an die eigentümlichen Geschöpfe, die von Sammlern geradezu leidenschaftlich ins Körbchen gelegt werden. Doch Pilze überziehen den ganzen Planeten. Wälder, Wiesen, Parks und Gärten sind bevölkert von diesen geheimnisvollen Geschöpfen. Man findet Pilze auch in der Tiefe der Ozeane und in der Raumstation ISS. Mit dem Biologen Robert Hofrichter geht man mit seinem Buch durch das Pilz-Universum. Neben Tieren und Pflanzen sind Pilze die dritte grosse Form höheren Lebens. Oft allerdings nicht so auffällig wie ein Fliegenpilz, sondern in Form von Mikroorganismen. «Wussten Sie, dass sich in jedem Ihrer Atemzüge mindestens zehn Pilzsporen befinden», fragt Hofreiter seine Leser. Fast 90 Prozent aller Pflanzen leben in Symbiose mit Pilzen. Zum Teil in sehr enger, wenn die Fäden des Pilzes bis in die Zellen der Wurzelrinde des Pflanzenpartners vordringen. Pilze sind eine eigene Lebensform. Und: Alle Pilze sind giftig. Essbare ­Pilze sind einfach jene, die am wenigsten giftig sind und dank einer ausreichenden Garzeit ­keine Beschwerden oder Ver­giftungssymptome mehr hervorrufen. So rät Hofrichter, sich nicht aufs Internet zu verlassen, wenn es um die Bestimmung der Giftigkeit geht.

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Thierry J.-L. Courvoisier Keine Gesellschaft ohne Wissenschaft!, Springer 2017, 140 S., Fr. 15.90

Zivilisation dank der Astronomie

Thierry Courvoisier ist ein Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Der Genfer ­Astrophysiker zeigt am Beispiel der Astronomie, wie die moderne Zivilisation durch ihren intellektuellen Beitrag entscheidend mitgestaltet worden ist. Die Astronomie hat Menschen Instrumente in die Hand gegeben, mit denen sie auf der Erde Zeit und Raum messen können. Die astrono­mischen Entdeckungen in den 1960er-Jahren war der Technologie der Radioteleskope und den Raketen zu verdanken. Beide ­hatten ursprünglich militärischen Zwecken im Zweiten Weltkrieg gedient. Die Alliierten konnten dank Radioteleskopie Flugzeuge der Deutschen orten und Hitlers Ingenieure entwickelten mörderische V2-Raketen, mit denen sie britische Städte bombardierten. Wissenschaft kann Fluch und ­Segen sein.

Bruno Knellwolf