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Luzerner als frischgebackener Musikagent: «Eigentlich bin ich viel zu nett»

Vom 3-fach-Musikchef zum selbstständigen Agenten im Haifischbecken Musikindustrie: Der Luzerner Kilian Mutter wagt den Sprung. Und hat bereits ein paar grössere Fische mit im Gepäck.
Michael Graber
Kilian Mutter vertritt unter anderem die Bands Crimer und Pablo Nouvelle. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 14. Januar 2019)

Kilian Mutter vertritt unter anderem die Bands Crimer und Pablo Nouvelle. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 14. Januar 2019)

Am Anfang des Neuanfangs steht immer auch ein Ende. Bei Kilian Mutter ist es die Trennung von seinem letzten Arbeitgeber. Bei Just Because, einer grossen Schweizer Konzertagentur, kündigte der 29-Jährige seinen Job und nahm gleich sämtliche Schweizer Bands, die er da betreute, in seine neue Agentur mit.

Was nach einer Kampfscheidung mit viel bösem Blut klingt, sei aber viel einvernehmlicher abgelaufen, als es wirke, versichert Mutter. «Wir haben Lösungen ­gesucht, die für alle stimmen», sagt der Luzerner. So muss jetzt, wer den Ostschweizer Crimer oder die Luzerner Schnellertollermeier buchen will, nicht mehr bei der grossen Agentur anklopfen, sondern Kilian Mutter und seine Orange Peel Agency anrufen. Insgesamt 13 Bands hat er mittlerweile in seinem Roster. Darunter kleinere Indie-Perlen wie All XS, aber auch solche, die bereits im Ausland Erfolg haben, wie etwa Pablo Nouvelle.

Auch als DJ unterwegs

Mutter organisiert für die Bands Konzerte, unterstützt sie bei Albumproduktionen, knüpft Kontakte, hilft Kommunikationskonzepte aufzubauen. Er tut dies mit grosser Leidenschaft – und vor allem: vollamtlich. Ein bisschen im Musikgeschäft mitmischen wollen viele, ausschliesslich davon zu leben getrauen sich dann doch die meisten nicht. «Klar ist: In den ersten Jahren werde ich mir keinen grossen Lohn auszahlen können», sagt Mutter. Längerfristig sei es das Ziel, «organisch weiterzuwachsen» – Mike Walker unterstützt Mutter in organisatorischen Bereichen.

Mutters Büro ist derzeit seine Wohnung. Geld verdient Mutter in erster Linie, wenn seine Bands ein Konzert spielen. Für den Künstleragenten springen dabei etwas mehr als zehn Prozent der Gagensumme raus. «Das wird aber nicht dem Künstler abgezogen, sondern zur Gage draufgeschlagen. Das ist in der Schweiz so üblich», erklärt Mutter. Illu­sionen muss man sich keine ­machen: Eine durchschnittliche Gage für eine Schweizer Band ist vierstellig – im tiefen Bereich.

Sein Antrieb ist sowieso die Leidenschaft für Musik. In Luzern kennt man ihn als DJ und auch als ehemaliger Musikchef von Radio 3fach. Daneben kuratiert er seit Jahren gemeinsam mit anderen Leuten den Blog Orange Peel, eine der ersten Instanzen für interessante Musik in der Schweiz. Da und dort veranstaltet er auch Konzerte und hat scheinbar immer auch noch Zeit, ständig neue Musik zu hören. «Manchmal muss ich mir bewusst vornehmen, keine Musik zu hören», sagt Mutter. Am liebsten hört er sie immer noch als ­Vinylalbum, die Streamingdienste findet er hauptsächlich wegen den zusammengestellten Play­listen interessant, die einem das Perlentauchen deutlich verein­fachen.

Zusammenarbeit im Ausland

Die meisten Musiker, die bei ihm unter Vertrag stehen, kennt Mutter schon seit Jahren. Crimer betreut er schon seit Zeiten, in denen er sich noch Batman nannte und von ausverkauften Shows und Swiss Music Awards noch nicht mal geträumt wurde. Für den Ostschweizer steht jetzt der nächste Schritt an: das Ausland. Eigentlich eine reizvolle Aufgabe für einen Musikagenten. Aber Mutter ist bodenständig: «Mein Netzwerk bei ausländischen Clubs ist noch nicht sonderlich gut – da ist es wohl sinnvoller, mit Partneragenturen im Ausland ­zusammenzuarbeiten.»

Mutter ist ein angenehmer Gesprächspartner, erklärt, ohne zu belehren, führt aus, ohne zu langweilen. «Das Musikgeschäft ist eigentlich ein Arschloch-Business. Wahrscheinlich bin ich viel zu nett dafür», sagt er lachend.

Grabenkämpfe gäbe es allerdings nur, wenn sich mehrere Agenturen um den selben Künstler bemühen wollen, so Mutter. Er selber verlässt sich auf das berühmte «Bauchgefühl». «Wenn ich das Gefühl habe, dass da etwas entstehen kann, dann versuche ich den Künstler in die Agentur zu holen.» Wichtig ist Mutter dabei zwar auch sein eigener Geschmack, aber auch, ob er in der Band Potenzial sieht. «Ich kann hinter einer Band stehen, auch wenn ich sie nicht jeden Sonntag daheim höre.»

Er verkauft nach Konzerten auch noch die Bandprodukte

Er will selber auch dabei sein, will an Konzerte gehen, da der Band helfen. Er ist sich auch nicht zu schade, nachher noch Merchandise der Band zu verkaufen. «Ich kann ohne Probleme zehn ähnliche Agenturen wie meine aufzählen», sagt er, «da ist es wichtig, dass man sich mit Herzblut hinter die Bands stellt.» Bei seiner ­Arbeit für die grosse Konzertagentur hatte er manchmal Mühe, hinter den grossen internationalen Bands zu stehen, die zwar Hallen füllen, aber menschlich für andere Werte stehen, als es Kilian Mutter tut.

Herzblut, Leidenschaft, Engagement sind Dinge, die Mutter im Gespräch oft sagt. Es ist ihm wichtig, dass er «mehr» ist als «nur» eine Konzertagentur. Neuanfänge gelingen sowieso meistens nur, wenn man ganz fest ­daran glaubt.

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