EIGENPRODUKTION: Wie ein Stück aus dem Nichts entsteht

Es geht alle ab 13 Jahren an, das neue, selbst entwickelte Stück des Theaters Bilitz. Alex, 17, ist plötzlich verschwunden. Keiner weiss, warum: Vater, Schwester, Freundin. Was hat das Fass zum Überlaufen gebracht?

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Szene aus «Wo ist A?»: Alex’ Vater (Roland Lötscher), seine Freundin Pilar (Sonia Diaz) und seine Schwester (Christina Benz) fragen sich, warum Alex verschwunden ist. (Bild: Dieter Langhart)

Szene aus «Wo ist A?»: Alex’ Vater (Roland Lötscher), seine Freundin Pilar (Sonia Diaz) und seine Schwester (Christina Benz) fragen sich, warum Alex verschwunden ist. (Bild: Dieter Langhart)

Am Anfang der Proben ist noch kein Stück. Langsam entsteht eine Handlung, werden Charaktere geschaffen, aus ihnen Figuren. Geschichten und Entwicklungen bilden sich heraus. Und dann erst kommen die Dialoge. Sie werden beim improvisierenden Spiel bestätigt, geändert, verworfen. Von Probe zu Probe ändert sich das Skript – eine Herausforderung für die Schauspieler. «Eine packende, schöne Herausforderung», sagen sie auch noch drei Tage vor der Premiere. Ständig im Dialog sind Roland Lötscher (der Vater), Sonia Diaz (die Freundin), Christina Benz (die Schwester): miteinander und mit der Regisseurin Agnes Caduff.

In den ersten Wochen nach einem zweitätigen Brainstorming hat die Dramaturgin Sysy Vieli all die ausliegenden Fäden gebündelt, die Dialoge transkribiert – «Mosaiksteine» nennt sie Roland Lötscher. Er leitet das Theater Bilitz, das «Wo ist A?» für Jugendliche und Erwachsene entwickelt hat, da kein vorhandenes passte.

Jetzt schleifen die Spieler und die Regie an feinsten Details. Vor einer Woche sassen vier Schulklassen im Theater, sahen sich ein Try-out an, gaben wertvolle Rückmeldungen. Nur das letzte Drittel des Stücks haben sie noch nicht mitbekommen – das ist erst an der Premiere zu sehen.

Auflehnen? Ablehnen? Hinnehmen?

Nur – wo ist A? Alex steht nicht auf der Bühne im Theaterhaus Thurgau. Er ist nicht heimgekommen, nicht bei seiner Freundin. Er ist verschwunden. Keiner weiss, wohin und warum. «Der Zuschauer muss sich ein Bild von Alex aufbauen», sagt Agnes Caduff, «er wird nur indirekt fassbar, durch die Äusserungen der drei Spieler.» Christina Benz sagt: «Alex ist kein Held.» Sonia Diaz sagt: «Wir geben keine Auflösung wie in einem Krimi.»

Themen und mögliche Erklärungen nehmen langsam Kontur an. Alex ist von hier, seine Freundin Pilar nicht – das erinnert an das Motiv von Romeo und Julia. Warum aber lässt Alex seine Liebe zurück? Pilar: «Das kann er mir nicht antun!» Der Vater ist steif, unnachgiebig, hilflos und meint zur Polizei: «Selbstgefährdung? Blödsinn!» Die Schwester wirkt angepasst, traut Alex das Verschwinden gar nicht zu. Und über allem wummert und wispert Daniel R. Schneiders Musik.

Was als Baustelle begann, ist zu einem Stück geworden, das die Handschrift aller Beteiligten trägt und das allen Figuren eine Stimme gibt. Denn es geht um die Suche nach der eigenen Haltung.

Dieter Langhart

dieter.langhart

@tagblatt.ch

Fr/Sa/Mi, 10./11./15.3., 20.15 Uhr, Theaterhaus Thurgau, Weinfelden. theaterhausthurgau.ch