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Die Ehrlichkeit von Sängerin Sharon Kovacs tut weh

Sharon Kovacs ist mit ihrer kräftig-sinnlichen Soulstimme der neue Star des europäischen Pop. Auf ihrem zweiten Album «Cheap Smell» verarbeitet die 28-Jährige eine toxische Beziehung.
Steffen Rüth
Die schwermütige Soul-Pop-Lady Sharon Kovacs hat viel durchgemacht. (Bild: Alexandra Von Fürst)

Die schwermütige Soul-Pop-Lady Sharon Kovacs hat viel durchgemacht. (Bild: Alexandra Von Fürst)

Sie trägt das Haupthaar geschoren, dazu ein kurzes blaues Kleid, und in der Hand hält sie einen ­Becher mit Schokoladeneis, aus dem sie eifrig löffelt. Nicht viele weibliche Popstars würden sich so leger der Presse präsentieren. Sharon Kovacs schon. «Ich habe ziemlich ausgeprägte jungenhafte Züge», sagt die 28-Jährige aus dem holländischen Eindhoven. Fragt man Sharon nach den Künstlern, die sie prägten, dann fallen ihr zuerst David Bowie, Grace Jones und Benjamin Clementine an.

«Ich liebe alles, was irgendwie androgyn ist.»

Den Kopf rasiert Kovacs, seit sie 17 ist. Sie wisse gar nicht mehr, wie das ist mit Haaren. Dass sie ausserdem die Kunstfellmütze entsorgt hat, mit der sie früher immer herumlief, hat wiederum mit Kovacs verbessertem Selbstvertrauen zu tun. «Ich war sehr schüchtern. Jetzt aber brauche ich keine Mütze mehr, um mich darunter zu verstecken. Hat auch immer ein bisschen gejuckt.»

Irgendwo zwischen Amy Winehouse und Lana del Rey

Kovacs neue Offenheit zeigt sich nicht nur auf dem Schädel, sondern auch auf «Cheap Smell», ihrem zweiten Album. Das folgt drei Jahre nach dem Début, mit dem Kovacs in weiten Teilen Europas für Furore sorgte. Das Werk war voller dunkler, naja sehr dunkler Popsongs wie «My Love». Als schwermütige, herzzerrupfte Soul-Pop-Lady mit Rock- und Blues-Einflüssen fand Kovacs ein Plätzchen irgendwo zwischen Amy Winehouse, Lana del Rey und Billie Holiday. Aber ihr Produzent Holleman verliess sie und nahm die Band mit, was Sharon vorübergehend in tiefe Verzweiflung stürzte. Ausserdem lebt man in drei Jahren so einiges an Leben, erst recht, wenn man das Drama so ein bisschen aufsaugt wie Kovacs es tut.

«Ich habe als Mensch manches durchgemacht und mich verändert.»

Mit ihrem neuen Produzenten hat die stimmgewaltige Ex-Studentin des «Rock City Institute» in Eindhoven eine mitreissende Platte gemacht, die musikalisch vielschichtiger ist. «Freakshow» ist eine Art Flamenco-Ballade, «Adickted» (das schreibt sich wirklich so) erinnert an den trotzigen Trennungssoul von Mary J. Blige, das beschwingte Sexlied «Midnight Medicine» an Madonnas «La Isla Bonita». Und auch die Songinhalte sind jetzt nicht mehr ausschliesslich düsterer Natur. «It’s The Weekend» zum Beispiel ist sicher die leichtest-luftigste Nummer, die Kovacs je gesungen hat.

Eine toxische Beziehung und viele Therapiesitzungen

Oberflächlichkeit ist ansonsten nicht Sharons Ding. Ihre Lieder sind so ehrlich und persönlich, dass es schmerzt. Sie wuchs ohne Vater auf, wurde von der Mutter ins Kinderheim abgeschoben und drohte in der Jugend zu versumpfen. «Ich war teilweise sehr unglücklich und orientierungslos», sagt sie. Dass Kovacs zuletzt einige Jahre an ihrem Freund festhielt, der das Kokain mehr liebte als sie, war ebenfalls hart und ­demütigend. Gleich fünf Songs des neuen Albums arbeiten diese – im wahrsten Sinne des Wortes – toxische Beziehung auf.

«Ich bin in den vergangenen drei Jahren zu vielen Therapiesitzungen gegangen, das hat mir geholfen. Ich habe insgesamt weniger Ängste als früher und sehe die Zukunft optimistischer.»

Der Junkie-Ex-Freund habe jetzt eine neue Freundin und seinen Drogenkonsum im Griff. «Das freut mich zwar.» Andererseits fragt sie sich: «Warum ging das nicht mit mir? Ich wollte ihn nicht gehen lassen, mir fiel diese Trennung schrecklich schwer.» Einen neuen Partner gibt es nicht, und auch die ­Beziehung zu einem anderen Mann, der unversehens in ihr ­Leben drängte, währte nur kurz.

Der Vater wollte bei ihr den Teufel austreiben

Immerhin, zu der Mutter habe Sharon heute ein brauchbares Verhältnis («ist okay»), und auch den Vater hat sie vor einiger Zeit kennen gelernt. «Er meinte eines Tages und nach all den Jahren der vollständigen Ignoranz, mich über Facebook kontaktieren zu müssen. Na gut, ich habe mich mit ihm getroffen. War aber ­ätzend.» «Mama & Papa» ist der grossartige Gospel-Soul-Pop-Song, der nach dieser denkwürdigen Begegnung entstand. Vater Kovacs ist als radikaler Evangelist in Deutschland tätig und verhielt sich irritierend. «Er wollte mir als erstes den Teufel austreiben», sagt Sharon Kovacs. Sie stand auf und ging.

Das Album «Cheap Smell» ist ab 17. August erhältlich.

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