Ehrerbietung für eine Kultfigur

Mit Mark Kozelek kommt einer der verehrtesten Songwriter der US-Musik ins Palace. Sein Konzert im Palace löst eine Pilgerreise nach St. Gallen aus.

David Gadze
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Mark Kozelek – einer der grossen US-Songwriter seiner Zeit. (Bild: pd)

Mark Kozelek – einer der grossen US-Songwriter seiner Zeit. (Bild: pd)

Wenn das Palace um Ehrfurcht bittet und ankündigt, sich in einen «Palast der Kontemplation» zu verwandeln, steht gewöhnlich ein besonderes Konzert an. So auch morgen bei Mark Kozelek, einer Schlüsselfigur der US-Musik der letzten zwanzig Jahre.

Songs in Zeitlupe

Kozelek gehört zu den Singer/Songwritern, die ihre Musik ausgiebig in der Traurigkeit baden, sie dank der warmen und gefühlvollen Stimme sowie durch gekonnte Selektion und Dosierung des Erträglichen aber nie unterkühlen lassen. Die spärlich instrumentierten Kompositionen des 44-Jährigen sind meist fragil, die Texte oft autobiographisch und berührend, ohne in Melodramatik zu versinken. Kozeleks Songs atmen Sehnsucht und verströmen innere Ruhe, sie ziehen scheinbar in Zeitlupe an einem vorbei und hinterlassen ein Gefühl von wohliger Wehmut. Sein sanfter und doch durchdringender, leicht gequälter Gesang und die teils schwebenden, teils geerdeten Gitarren sorgen für den unverkennbaren Anstrich, der sich wie ein roter Faden durch die Stücke zieht.

Kultfigur

Mit seiner Musik hat Kozelek längst Kultstatus erreicht und gehört zu den verehrtesten Figuren seines Genres. 1989 gründete er die Red House Painters, die zu den Vorreitern des Sadcore wurden und bis heute in der Musik von Künstlern wie Cat Power, Rivulets oder den Early Day Miners nachhallen. Nach sechs ergreifenden Studioplatten verkündete die Gruppe 2001 ihr Ende, der innere Zerfall hatte jedoch schon zuvor eingesetzt. Nach ersten Soloalben hob Kozelek im Jahr 2002 Sun Kil Moon aus der Taufe, wo er von Anthony Koustos, seinem ehemaligen Kollegen bei den Red House Painters, Tim Mooney (ehemals American Music Club) und Geoff Stanfield begleitet wird, zugleich aber deren einziges festes Mitglied ist. Das im Sommer 2010 veröffentlichte Album «Admiral Fell Promises» ist denn auch eigentlich eine Soloplatte Kozeleks.

Neuerschaffung als Leitfaden

Legendär sind seine Coverversionen. AC/DC («What's Next To The Moon») und Modest Mouse («Tiny Cities») bearbeitete er gleich auf Albumlänge. Kozelek baut die Songs bis zum letzten Teil auseinander, setzt sie neu zusammen, hüllt sie in ein neues Klanggewand und injiziert ihnen sein eigenes Gen, so dass die Originale kaum wiederzuerkennen sind. Ingeniöse Neuerschaffung statt epigonaler Süffisanz – ein Leitfaden in Kozeleks Schaffen, unabhängig davon, ob es sich um eigene oder fremde Kompositionen handelt.

Pilgerreise nach St. Gallen

Sein Auftritt morgen abend im Palace ist der einzige im deutschsprachigen Raum. Laut den Veranstaltern hätten Liebhaber angekündigt, aus mehr als 500 Kilometern Entfernung nach St. Gallen zu pilgern. Zur Ehrerbietung gehört vor allem aber eins: Stille, die Kozeleks Musik braucht, um ihre Wirkung entfalten zu können.

Morgen Dienstag, Palace, 21.30 Uhr

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