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Eheknatsch mit Publikum

Muss der Paartherapeut schreien, ist in der Ehe seiner Klienten gehörig etwas schief gelaufen. Daniel Glattauers Komödie «Die Wunderübung» feierte im Theater Winterthur Premiere. Ein Kampf in zwei Akten.
Mirjam Bächtold
Ehe-Rettungsübung: Valentin (Daniel Koller) soll Joanas (Rita Bänziger) zornige Faust öffnen. (Bild: Vanessa Püntener/Theater Winterthur)

Ehe-Rettungsübung: Valentin (Daniel Koller) soll Joanas (Rita Bänziger) zornige Faust öffnen. (Bild: Vanessa Püntener/Theater Winterthur)

Im Theater Winterthur wird die ärztliche Schweigepflicht aufgehoben. Hier tritt der Zuschauer ein ins Therapiezimmer – mit Buddha und süsslichem Räucherstäbchenduft esoterisch angehaucht – und ist die nächsten eineinhalb Stunden Zeuge der Therapiestunde von Valentin und Joana Dorek, die versuchen, ihre Ehe zu retten – oder was davon noch übrig ist. Doreks können nicht miteinander reden, ohne zu streiten. Sie beleidigen sich, kaum machen sie den Mund auf. Der Therapeut (Matthias Fankhauser), klassisch in Wollsocken und Ledersandalen, findet das alles höchst spannend. Sein Gesicht ist wie ein offenes Buch, eine Maske aus nach oben gezogenen Augenbrauen, grossen Augen und dem ewig präsenten Lächeln. Er lächelt und nickt, lächelt und nickt und findet alles «sehr schön!». Er sieht selbst in den Streitereien noch etwas Positives.

Ostschweizer Besetzung in Winterthur

Joana Dorek setzt alle Hoffnung auf den Therapeuten, lächelt ihn erwartungsvoll an, während sie abschätzige Bemerkungen über ihren Mann in seine Richtung schleudert. Dieser ist bemüht beherrscht, doch diese Fassade bröckelt immer mehr, bis auch er ausrastet. Die beiden Ostschweizer Schauspieler Daniel Koller (aus Unterwasser) und Rita Bänziger (aus Steinebrunn) kennen sich aus der Ausbildung und treten gemeinsam in der A-cappella-Gruppe Urstimmen auf. Auch in «Die Wunderübung» lockern sie die Streitereien immer wieder mit Songeinlagen auf. Regie führt der gebürtige Urnäscher Thomas Guglielmetti. Der Programmleiter am Theater Winterthur holt mit «Die Wunderübung» bereits das dritte Stück des Erfolgsautors Daniel Glattauer ans Theater Winterthur.

Die Komödie lebt von den rasanten Dialogen und messerscharfen Wortgefechten. Joana und Valentin antworten immer für den anderen, haben aber Mühe, wenn sie der Therapeut direkt dazu auffordert. Komplimente zu machen fällt ihnen schwer, auch auf Vorschläge des Beraters: «Ist Ihre Frau vielleicht gefühlvoll?» Darauf antwortet Valentin: «Ich würde sagen, sie ist sehr… temperamentvoll. Hitzig, könnte man auch sagen. Sie ist sehr schnell auf hundertachtzig, wenn Sie verstehen, was ich meine.»

Nebst dieser Dialoge geschieht viel zwischen den Zeilen, beim Atemholen zwischen den Streitereien, beim Warten auf den Therapeuten. Mit hervorragender Mimik präsentieren die Schauspieler Szenen ohne Worte, die doch sehr viel aussagen.

Rollentausch und positive Gedanken

Der Therapeut will diese «Kampfbeziehung», wie er sie nennt, mit Übungen wieder in eine Liebesbeziehung verwandeln. Er versucht es mit positiven Vorstellungen, mit Erinnerungen an früher, mit einer Übung, bei der Valentin Joanas Faust öffnen soll, die ihr vor Wut und Trauer verschlossenes Herz symbolisiert. Ein Rollentausch soll helfen, sich in den Partner hineinzuversetzen. Eine Übung, die der Beziehung nichts bringt, fürs Publikum aber umso lustiger ist, wenn Daniel Koller mit Frauenstimme und Rita Bänziger als Valentin weiterstreiten, was ihnen auf Kommando schwer fällt. Die Übungen scheitern, das Geschrei wird immer lauter, der Therapeut muss selbst schreien, um sich Gehör zu verschaffen.

Erst als er von seiner eigenen Frau Annika erzählt, die ihn soeben per E-Mail verlassen hat, erhält er die volle Aufmerksamkeit seiner keifenden Klienten. Plötzlich tun sie sich zusammen, um ihm zu helfen. Ob diese Wunderübung genug ist, die Ehe der Doreks zu retten?

Weitere Vorstellungen: 2.10.: 17 Uhr, 4. 10.: 19.30 Uhr sowie im Januar 2017

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