Eh wurscht

LESBAR LÄNDER

Beda Hanimann
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Tekal_UnentschiedenOsterreich_TB-Klapp_P05_DEF.indd (Bild: Beda Hanimann)

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Das ist doch schon mal ein Anhaltspunkt. Mit seinen gut 80 000 Quadratkilometern, schreibt der in Wien lebende Arzt, Journalist und Kabarettist Ronny Tekal, sei Österreich ungefähr so gross wie das Ausmass der jährlichen Wüstenbildung. Auf dem Globus sei es nur mit der Lupe zu erkennen, und wegen Platzmangels stehe da zwischen Germany und Italy nur ein A. Dennoch handle es sich dabei um ein überaus heterogenes Gebiet. Diese Heterogenität beschreibt und analysiert Tekal in seinem Buch «Von innen sieht Österreich viel grösser aus». Das Land habe kein Imageproblem, stellt er bald fest: «Das Wenige, was man von Österreich in der Regel kennt, wird auch gerühmt. Egal ob Berge, Skilehrer oder Mozart.» Tekal schreibt über Lärmschutzwände, die Liebe zu Titeln, die Würstchenbude als kulinarische Hochburg und über Korruption – «das immaterielle Weltkulturerbe <Freunderl-Wirtschaft>». Sein Buch ist eine wunderbar witzige wie scharfsinnige Bestandesaufnahme, die in der vielsagenden Conclusio gipfelt: «Wie gross Österreich tatsächlich ist, ist eh wurscht.»

Ronny Tekal: Von innen sieht Österreich viel grösser aus. Orell Füssli 2016, 222 S., Fr. 19.90

Nicht nur schweigen

Am liebsten schweigen die Finnen. So sagt es das Klischee, und so schreibt es auch Tarja Prüss, die Radio- und Fernsehjournalistin mit finnischen Wurzeln, die ihr Herz an das Land im hohen Norden verloren hat. Von einem Finnen angeschwiegen zu werden, sei weder peinlich noch unhöflich, vielmehr sei Schweigen eine Form der Höflichkeit. Doch hinter dem Klischee macht die Finnlandkennerin noch eine andere Realität aus. «Das Schweigen bezieht sich nur auf einen Teil der Bevölkerung, vor allem den männlichen. Und da auch nur auf einen gewissen Typus. Und auf bestimmte Situationen. Alle andern sind normal sprachbegabt und nutzen ihre Talente auch entsprechend.» So durchleuchtet Tarja Prüss die Eigenheiten des Landes, ebenso humor- wie liebevoll. In ihren 111 «Weil…»-Kapiteln entsteht so unversehens ein schillerndes Länderporträt. Kein Reiseführer, wie die Autorin selbst sagt, sondern ein Reiseverführer.

Tarja Prüss: 111 Gründe, Finnland zu lieben. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2016, 320 S., Fr. 17.90

Bild: Beda Hanimann

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