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Egotrips mit fatalen Folgen

Die Kellerbühne zeigt in einer Eigenproduktion «Malaga» von Lukas Bärfuss. Drei Erwachsene verheddern sich in einer Achterbahn der Achtlosigkeiten und übernehmen nicht die nötige Verantwortung – zum Schaden eines Kindes.
Martin Preisser
Komplizierte Kommunikation: Hanna Scheuring als Vera und David Bühler als Babysitter Alex. (Bild: Urs Bucher)

Komplizierte Kommunikation: Hanna Scheuring als Vera und David Bühler als Babysitter Alex. (Bild: Urs Bucher)

Eigentlich ist jeder der drei Akteure in seiner Welt gefangen, die Zentrierung aufs eigene Ego macht jede Kommunikation zur heillosen Verknotung. Kurz und schnell gestaltet der Schweizer Autor Lukas Bärfuss in seinem Stück «Malaga» die Dialoge, die immer wieder rasch aufhören, Dialoge zu sein. Hier dringt einfach keiner zum anderen durch. Die kleinen, feinen Pointen sitzen wunderbar in diesem Theatertext, kleine Pfeile in der Auseinandersetzung zwischen dem Mann und der Frau als Gegnerin im Krieg fliegen hin und her. Bevor man über sie schmunzeln kann, tun sie meist schon weh.

Es geht in «Malaga», das vorgestern in der Kellerbühne Premiere hatte, aber nur vordergründig um Abrechnung in einer kaputten Ehe. Es geht vor allem darum, dass vor lauter Egotrips (sie will mit dem Lover nach Malaga, er zu einem Ohren-Kongress nach Innsbruck) die Sorge um das Kind nicht mehr ernst genommen wird. Warum übernimmt keiner mehr wirkliche Verantwortung im familiären Leben? Bärfuss gibt keine griffigen Antworten darauf, aber verstört durch die Art, wie er seine Figuren miteinander umgehen lässt.

Wortreich sprachlos

Die Inszenierung von Matthias Peter, Leiter der Kellerbühne, unterstreicht durch eine klare, unverschnörkelte Präsentation die Schwächen dieser Erwachsenen-Ichs. Vera und Michael sind überfordert, hilflos, und verlieren den Kontakt zu ganz normalen Verhaltensweisen. Alexandre Pelichet als Michael steht eigentlich nur auf der Bühne herum, ein überforderter Mann, der die meiste Zeit im Mantel herumläuft und sich in immer neue verbale Kriegsspielrunden mit der zukünftigen Ex-Frau hineinziehen lässt. So viel wie er redet, um seine Haut noch ein wenig zu retten, so sprachlos ist er doch letztlich. Diesen Widerspruch verkörpert Alexander Pelichet konsequent und konzentriert.

Hanna Scheuring als Vera ist auf ihre Art ebenso hilflos wie ihr zukünftiger Ex-Mann. Mit viel Präsenz verkörpert sie die Rolle der unsicheren Frau, die noch ein letztes Stück Normalität retten will. Überzeugend gelingt Scheuring am Schluss der Wandel zur gebrochenen Frau, die nur noch ihre Schlaftabletten sucht.

Junges Talent

Das Drama spielt sich in sechs Szenen von Mittwochnachmittag bis in die frühe Montagnacht ab. Und mit Babysitter Alex kommt eine neue Figur und eine neue Ebene ins Stück. Seine Träume, ein berühmter Filmemacher zu werden, symbolisieren die Ebene zwischen Wahrheit und Fiktion, zwischen dem, was ist, und dem, was nur zu sein scheint. Und mit dem jungen David Bühler steht da ein neues Talent auf der Bühne, ein kräftiger, spielfreudiger Schauspieler, der seine Rolle richtig auskostet und Vera und Michael an der Nase herumführen und manipulieren kann. In seiner Welt zwischen Sein und Schein ereignet sich die auf der Bühne nicht ausgespielte, aber beängstigend angedeutete Katastrophe um das Kind. Eine hier nicht verratene Übersteigerung des Pippi-Langstrumpf-Stoffes gibt dem Stück ein beklemmendes Ende.

Der Kellerbühnen-Eigenproduktion des Bärfuss-Stückes gelingt es, des Autors subtiles Abgleiten von Komödie zu Tragödie mit feinem, hintergründigem Fluss aufrechtzuerhalten. Eine intensive Inszenierung ohne Leerläufe, die das Scheitern von Erwachsenen, ihr Nichtwissen, wie Verantwortung geht, seziert.

Unterstützt wird der so spannende wie kurzweilige Abend mit drei engagierten Schauspielern durch Musik von Stefan Suntinger. Er steuert neben rockigen und amerikanischen Filmmusik-Einsprengseln jeweils kurze, aber eindringliche Sequenzen bei und hat – fast wie aus einer Mischung von Handy-Klingeltönen und Musik in Kinderspielsachen – eine unheimlich wirkende Tonkulisse kreiert.

Weitere Aufführungen: Heute Fr, morgen Sa, sowie 16.3., 19.3., 20.3., 21.3., 22.3. (werktags 20, sonntags 17 Uhr); Karten: 071 228 16 66 und www.kellerbuehne.ch

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