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Edle St. Galler Stoffe

Vier St. Galler Komponisten, drei Uraufführungen: Das Contrapunkt-Konzert letzten Freitag in der Tonhalle bewies: In St. Gallen werden nach wie vor phantasievolle, beeindruckende musikalische Werke geschaffen.
Martin Preisser
Alfons K. Zwicker (Archivbild: Michel Canonica)

Alfons K. Zwicker (Archivbild: Michel Canonica)

Man darf die Wichtigkeit von Reihen wie Contrapunkt/New Art Music nicht vergessen: Sie gewähren Konzerte, in denen zeitgenössisches Tonschaffen ungestört, im besten Sinne zumutend lang, sich einen prallvollen Abend ausleben darf. «St. Galler Stoffe» hiess das Freitagskonzert, das von der bewundernswerten Einfühlungskraft der Interpreten in faszinierende, komplexe Tongewebe lebte.

Engagierte Interpreten

Mit grosser Souveränität, überlegener Natürlichkeit, reichster Klangpalette und ansteckender Neugier widmeten sich Elena Zhunke (Violine) und Illya Buyalskyy (Klavier) vier zum Teil extrem anspruchsvollen St. Galler Kompositionen für diese musikgeschichtlich wichtigste Duo-Gattung. Vielleicht das Erstaunlichste: Mindestens drei der vier Tonsetzer wagten an diesem Abend den grossen, expressiven Geigenton und hatten trotz moderner Konzepte keinerlei Berührungsängste mit intensiver Gesanglichkeit. «St. Galler Stoffe» waren auch sinnlich!

Die junge Alice Baumgartner gibt der Geige in ihrer «Fantasie» grossen emotionalen Gestus; das Klavier, oft auch im Innern gespielt, liefert auch kräftige expressive Klangflächen. Zeitgenössische Gewebe, bisweilen leicht untermalt mit popballadenartigen Elementen, aber auch mit impressionistischen Rückgriffen: Baumgartners Beitrag kam als eine wie schwebend wirkende Abfolge sich ablösender Klangmodule daher, wobei ein gewisser klagender Grundzug überraschte. Charles Uzor wartete mit der Uraufführung von «Sweet Amygdala» auf. Reminiszierend startet die Geige solo, um sich dann gegen eine speziell und verfremdend wirkende Interaktion von Licht- und Klangwellen ab Tonband (Mitarbeit: Andy Guhl) quasi «aufzulehnen». Musik wird damit wie ins Archaische polarisiert, wandelt sich in Zeitloses.

Man muss den komplexen neurologischen Hintergrund des Werks nicht kennen, um starke Emotionen von Erinnerung, Angst, Befremdung, aber auch Sehnsucht nach Zartheit und Wiegendem zu spüren, wie sie der ins Meditative greifende Mittelteil dann evoziert. Und die irisierenden Klavier-Cluster am Ende tönten, also wolle Uzor erproben, wie seine Musik selbst auf den Mandelkern im Gehirn wirke.

Zum Gegenpol zur Opulenz der drei anderen Partituren geriet Bruno Karrers «Panta rhei». Aphoristische Dialoge, hauchzarte Klangsprengsel, Mikroemotionen gehen in Stille und Reduktion, ins Kürzest-Aufatmen und Verstummen. Tonlängen und Motivdichtegrade geben hier überraschend die Form. Dialog-Prinzipien werden feinsinnig neu definiert.

Musizierstil ironisiert

Alfons K. Zwicker, der als einziger mit fünf «Postludien» keine Uraufführung beisteuerte, überraschte durch geistvollen Witz und klares Votum zu Virtuosität und Klangwucht. Er persifliert sozusagen geschickt den klassisch-romantischen Musizierstil, zitiert und ironisiert musikalische Gestik. Anhand des Bildes von fünf Emotionszuständen des Violinschlüssels geht er aber nicht bloss scheinbar bekannten Zugängen zu Musik auf den Grund, sondern schafft bei allem Humor selbst wieder prächtige, farbige und in sich stimmige Klanggewebe.

Charles Uzor (Archivbild: Urs Jaudas)

Charles Uzor (Archivbild: Urs Jaudas)

Bruno Karrer (Archivbild: Hannes Thalmann)

Bruno Karrer (Archivbild: Hannes Thalmann)

Alice Baumgartner (Bild: Martin Preisser)

Alice Baumgartner (Bild: Martin Preisser)

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