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Ed Sheeran – Ein Superstar-Lausbub und seine Gitarre verzücken Zürich

Der britische Singer-Songwriter Ed Sheeran spielte am Freitagabend im ausverkauften Zürcher Letzistadion vor 48‘000 Fans. Tatsächlich stand der Sänger mutterseelenallein auf der Bühne. Doch seine Aura und seine Stimme drangen bis zum hintersten Platz vor.
Andreas Bättig
(Bild: Keystone)
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Ed Sheeran im Letzigrund

Wenn Konzerte von Singer-Songwritern beschrieben werden, dann heisst es oft, sie seien «intim» oder «magisch in kleinem Rahmen» gewesen. Einer spielt mit einer Gitarre in einer kleinen Bar oder einem kleinen Club, es herrscht Lagerfeuerromantik, der Abstand zwischen Publikum und Sänger ist klein. Weiter weg von dieser Klischee-Vorstellung hätte das Ed Sheeran-Konzert im Zürcher Letzistadion nicht sein können. Das muss man sich schon mal vorstellen: Ein Singer-Songwriter füllt ein Stadion mit 48‘000 Zuschauern - und das gleich zwei Mal hintereinander. Aber kann so ein Konzert auch in dieser Grösse funktionieren? Oh ja, es kann.

Bevor das Konzert starten konnte, mussten sich die Besucher etwas gedulden. Es wurde das erste mal komplett auf ein personalisiertes Ticketsystem gesetzt. Das heisst, nur mit der passenden Identitätskarte zum Ticket konnte man ins Stadion. Befürchtet wurden lange Wartezeiten, doch das neue System klappte mehrheitlich gut.

Wie bei einem Boxkampf auf die Bühne

Gegen 20.40 Uhr sind so ziemlich alle 48‘000 Zuschauer auf ihren Plätzen, als auf den beiden grossen Leinwänden neben der Bühne plötzlich Ed Sheeran erscheint. Noch bevor er die Bühne betritt, lässt sich Sheeran vom Weg aus dem Backstage wie bei einem Boxkampf von einer Kamera begleiten. Schon jetzt gibt es beim Publikum kein Halten mehr. Gänsehaut.

Damit Sheeran in diesem riesigen Setting nicht vereinsamt, hat er auf die grosse Bühne noch eine viel kleinere aufgebaut. Eine, die tatsächlich in einem kleinen Pub stehen könnte. Schnell wird klar: Ed Sheeran spielt tatsächlich ganz alleine. Keine Band, nichts. «Alles was ihr heute Abend hören werdet, kommt von dieser Gitarre und diesem Mikrofon», kommentiert der Singer-Songwriter seine One-Man-Show.

Von der ersten Sekunde an füllt Sheeran das Stadion mit seiner Aura. Dieser Bub von nebenan, in seinem roten Shirt, den blauen Shorts, den Nikes, den verstrubbelten Haaren. Er ist und bleibt nahbar und das macht ihn wahrscheinlich so beliebt. «Wisst ihr, heute Abend geht es nicht um mich, es geht um uns», bringt Sheeran seine Konzertphilosophie auf den Punkt. Und deshalb möchte er, dass alle sowohl mitsingen als auch mittanzen. «Wenn ich selber an Konzerten im Publikum stehe, schaue ich auch nur starr nach vorne und getraue mich nicht zu tanzen. Aber bitte, tut mir den gefallen und tanzt einfach.» Die Botschaft kommt beim doch meistens etwas verklemmten Schweizer Publikum an.

Von «Boyfriends» und «Superdads»

Bei «Don‘t» oder seinem Hit «Dive» tanzen die Fans ausgelassen mit, bevor der Popstar das Konzert für eine nächste Botschaft unterbricht. Es klappe fast zu hundert Prozent gut, aber es gäbe noch die paar fehlenden Prozent. Und die seien: Der Boyfriend, der eigentlich gar nicht am Konzert sein möchte und lieber «Game of Thrones» sehen würde. Und die Superdads, die wegen der Tochter hier sind und eigentlich das Bier viel zu teuer fänden. «Geniesst es trotzdem, ich hoffe, ich spiele nun einen Song, den ihr nicht hasst.» Ed Sheeran hat Humor.

Als wenig später beim Song «Happier» im ganzen Stadion tausende Handylichter aufleuchten, und Sheeran mit seiner glasklaren und eindringlichen Stimme die Textzeilen haucht, dürften wohl auch die «Boyfriends» und «Superdads» dem Phänomen Sheeran etwas näher gekommen sein.

Nicht nur schmusig

Dabei geht es bei ihm nicht nur schmusig zu. Und wenn, macht er gerade noch halt vor dem Kitsch. Sheeran klopft Beats auf den Kasten seiner akustischen Gitarre, spielt die Riffs eindringlich und rhythmisch, schwitzt mit dem Publikum bei den schwülen Temperaturen und hat sichtlich Spass. Hinter ihm funkelt auf einer grossen Leinwand eine manchmal psychedelisch bunte Multimedia-Show, auf den Leinwänden neben ihm wird er selbst vergrössert. Aus einem Ed Sheeran werden so immerhin drei.

Weil das Publikum, wie er findet, nicht nur gut Party machen kann, sondern auch genug höflich ist, bei den ruhigen Songs tatsächlich zuzuhören, belohnt es Sheeran unter anderem mit dem ruhigen Song «Perfect».

Zur Zugabe kommt Ed Sheeran in einem Trikot der Schweizer Nationalmannschaft auf die Bühne zurück, um wohl einen seiner grössten Hits zum Besten zu geben: «Shape of You». Nun gibt es auf den Rängen kein halten mehr und das Letzistadion macht der Tanzaufforderung alle Ehre. Bevor Sheeran von der Bühne tritt, lächelt er nach knapp zwei Stunden noch einmal spitzbübisch von der Leinwand. Man muss ihn einfach gern haben.

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