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DVD: Mit ethnografischem Herz

Eine schöne Box vereint die acht wichtigsten Filme des Schweizer Regisseurs Hans-Ulrich Schlumpf in restaurierter und digitalisierter Version. Eine lohnende Entdeckung.
Andreas Stock
Seine Filme seien «auf Messers Schneide zwischen Fiktion und Dokumentation», umschreibt Hans-Ulrich Schlumpf. (Bild: PD)

Seine Filme seien «auf Messers Schneide zwischen Fiktion und Dokumentation», umschreibt Hans-Ulrich Schlumpf. (Bild: PD)

Andreas Stock

Einer der bekanntesten Filme von Hans-Ulrich Schlumpf ist "Der Kongress der Pinguine" von 1993, der in einer restaurierten und digitalisierten Fassung am Filmfestival Locarno eine Wiederaufführung erlebte. Der beeindruckende Film ist selbstverständlich Teil der DVD-Collection zu Schlumpf, die soeben veröffentlicht wurde.

Die schön gestaltete Box mit acht seiner wichtigsten Filme aus mehr als 40 Jahren gibt einen repräsentativen Einblick auf Schaffen und Arbeitsweise. Denn zu allen Filmen gibt es Bonusmaterial, darunter teils ausführliche Interviews mit Schlumpf, worin er über die Entstehung der Filme spricht und sich an besondere Momente erinnert.

Zwischen Traum und Wirklichkeit

Die Interviews und Filme machen deutlich, was das filmische Schaffen von Hans-Ulrich Schlumpf prägt. So sind oft die Grenzen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, zwischen Traum, Utopie und Wirklichkeit, verwischt. Filme "auf Messers Schneide zwischen Fiktion und Dokumentation", umschreibt es Schlumpf. In "Der Kongress der Pinguine» finden sich zwar historische und neue Dokumentarbilder aus der Antarktis, aber auch die Figur eines Träumers, der mit den Pinguinen reden kann. Und in "Ultima Thule – eine Reise an den Rand der Welt" (2005) spielt Stefan Kurt einen erfolgreichen Geschäftsmann, der nach einem Autounfall im Koma liegt. Dessen Nahtoderfahrung ist zugleich ­Anlass für eine metaphorische Traumreise in die sehr reale Welt der Naturwissenschaften.

"Trans-Atlantique" (1983) war der erste Film, worin Schlumpf mit Schauspielern arbeitete. Und einerseits eine fiktive Liebesgeschichte zwischen einem Ethnologen und einer schönen Brasi­lianerin erzählte, gleichzeitig ist der Film ein Dokument über die letzten Ozean-Linienschiffe und die unterschiedlichen Menschen, die sich auf dem Schiff befinden.

"Ethnografie ist eine Möglichkeit, der Vergangenheit in der Gegenwart nachzugehen", sagt Schlumpf. Ethnografische Filme seien sehr oft Filme, die etwas zeigten, das nachher verschwunden sei.

Programmatisch gilt dies für zwei andere Werke der DVD-Edition: "Kleine Freiheit" (1978) schildert das Ende der Familiengärten in Zürich-Herdern; "Umbruch" (1987) dokumentiert die Umwälzung im Druckereigewerbe, als der Bleisatz durch den Fotosatz ersetzt wurde. Die Qualität beider Filme liegt nicht allein im Blick auf die Veränderung, sondern darin, was diese jeweils für die Menschen bedeutet.

In "Kleine Freiheit" wird ein Bogen geschlagen zu drei Por­träts von Leuten, die ihre Kreativität in Hobbys ausleben können; in "Umbruch" stehen Protagonisten aus Druckereien in Bassersdorf und Andelfingen im Zentrum. Das Herz für die Menschen ist darin ebenso spürbar wie in "Guber – Arbeit im Stein" (1979), worin Saisonniers aus Portugal in einem Steinbruch in Obwalden begleitet werden.

Poesie des Alltäglichen

Zur Handschrift von Hans-Ulrich Schlumpf gehört auch, dass er bei aller Nähe zu den Figuren ein Auge für die Poesie des Alltäglichen hat und immer wieder auch aus der Distanz auf das Geschehen blickt – oft aus der Vogelperspektive, wie in «Die Schwalben des Goldrauschs» (2000).

Wenig überraschend scheint da, dass der 78-jährige Schlumpf meist mit den gleichen Filmtechnikern zusammengearbeitet hatte: Pio Corradi an der Kamera, Dieter Meyer oder Hans Künzi beim Ton, Fee Liechti beim Schnitt oder Bruno Spoerri für die Filmmusik. Sie haben zweifellos dazu beigetragen, dass die unterschiedlichen Filme dieser DVD-Box dennoch einen so geschlossenen, stimmigen Eindruck hinterlassen.

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