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Lucerne Festival: Düstere Kunst am Vorabend des Zweiten Weltkriegs

Das Mahler Chamber Orchestra und Sol Gabetta beschäftigen sich mit der Zeit vor dem Weltkrieg. Die Solistin und das Ensemble überzeugen dabei mit grossartigen Interpretationen.
Roman Kühne:
Cellistin Sol Gabetta, begleitet vom Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Francois Xaver Roth. Bild (Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL, 28. August 2018)

Cellistin Sol Gabetta, begleitet vom Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Francois Xaver Roth. Bild (Peter Fischli/LUCERNE FESTIVAL, 28. August 2018)

Wie schreibt man, wenn das Grauen droht? Welche Töne findet ein Komponist, wenn die eigene Existenz auf dem Spiele steht. Eine mögliche Antwort darauf ist das unheilvolle «Divertimento für Streichorchester» von Béla Bartók. Er schrieb im aufziehenden Schatten des Nationalsozialismus 1939 in einem Berner Chalet ein Werk für den Schweizer Mäzen Paul Sacher. Kurz darauf wich er den drohenden Wolken und emigrierte in die USA.

Es wurde sein wohl politischstes Stück Musik. «Nie schrieb er so allgemein verständlich, nie wusste er die Ergebnisse seines ganzen Lebens so zusammenzufassen, wie damals», brachte es der Musikwissenschaftler Bence Szabolcsi auf den Punkt. Die schmerzliche Lesart durch das Mahler Chamber Orchestra unter François-Xavier Roth am Dienstagabend im KKL widerspiegelt diese ganze Zerrissenheit. Auf der einen Seite ist es ein Streichquartett – das Divertimento ist als Concerto grosso angelegt – welches nicht loslassen will, sich noch an eine heile, vergangene Welt klammert. Auf der anderen Seite lässt François-Xavier Roth schon im ersten Satz die Tutti-Streicher hart und schneidend in diese Idylle brechen, zerstäubt den teils tänzerischen Charakter mit drohenden Hammerschlägen. Die dunklen Klangblöcke des zweiten Satzes zeichnet das Orchester hingegen sensibel, ja zärtlich gar. Eine innere Unbestimmtheit, eine Anspannung, die erst am Schluss zum Sturme führt.

Herausragende Sol Gabetta

Zwar kommt das erste Cellokonzert von Bohuslav Martinů, ebenfalls aus den 30er Jahren, aus einer ganz anderen Stilecke. Aber so wie es an diesem Abend interpretiert wird, fügt es sich nahtlos dem Eröffnungswerk an. Die Solistin Sol Gabetta gibt dem neoklassizistischen Spiel eine ausdrucksstarke Zerrissenheit. Bilderreich und expressiv, klagend und voll durchdringt sie die singenden Passagen, zelebriert angriffig und virtuos die vielen Akkordgriffe. Sie gibt dem erstmals am Festival gespielten Stück eine intensive, romantische Note.

Grossartig sind die Kadenzen: die lebendige Emotionalität im zweiten Satz und das sehnsüchtige Schweifen im dritten. Ein begeisternder Auftritt des diesjährigen «Artistes étoiles» des Festivals, ein Solokonzert aus einem interpretatorischen Guss.

Als Zugabe spielt sie die «Arie des Lenski» aus der Oper «Eugen Onegin» von Tschaikowsky. Das Mahler Chamber Orchestra ist hier über weite Strecken etwas unpräzise. Ganz anders spielt es im zweiten Teil auf. Nach dem Feuer vor der Pause ist es fast eine Erleichterung den leichten Klängen der «Jeux d’enfants» von Bizet zu lauschen, auch dies eine Premiere am Festival. François-Xavier Roth und das Mahler Chamber Orchestra geben dem fröhlichen Kinderreigen ein transparentes Gewand, spielen nuanciert und farbig. Der sich drehende Kreisel im «La Toupie» springt wild durch die exzellenten Bratschen und Violoncelli. Nicht recht passen mag die zum Schluss gespielte 83. Sinfonie von Haydn (La Poule), sie wirkt dem bisherigen Programm etwas aufgepfropft.

Doch Haydn ist eine Spezialität des Dirigenten. Er gründete etwa das Ensemble Les Siècles, ein Orchester, das vorwiegend auf historischen Instrumenten musiziert. Und schon im letzten Jahr trat er am Lucerne Festival mit Haydn auf. Auch hier ist es wieder eine spannende Interpretation. Lebendig, teils fast opernhaft dramatisch steuern die Musiker das exzellente Finale an.

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