«Durch Slams wurde ich zur Rampensau»

Er ist Slam-Poet aus Leidenschaft. Was vor einigen Jahren mit seinem ersten U20-Slam begann, setzt sich mit einer Karriere als Slammer und Organisator von Jugend-Slams fort. Pierre Lippuner zeigt sein Talent bei den Poetry-Slam-Schweizer-Meisterschaften.

Jeannine Kempf
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Der begeisterte Slam-Poet Pierre Lippuner in Aktion. (Bild: Nina Timmermans)

Der begeisterte Slam-Poet Pierre Lippuner in Aktion. (Bild: Nina Timmermans)

ST. GALLEN. Pierre Lippuner hatte schon immer Freude am geschriebenen Wort. Das Slam-Fieber hat ihn erst gepackt, als in der Sekundarschule ein Poetry-Slam-Vortrag veranstaltet wurde. Die Dichterwettstreite waren ihm zwar schon länger bekannt, jedoch war dieses Schulprojekt das Sprungbrett auf die Slam-Bühnen. Nach dem Vortrag hatte er sich kurzfristig entschlossen, bei einem U20-Wettkampf in St. Gallen teilzunehmen. «Mein allererster Auftritt war wirklich schlecht und ich wurde Letzter.» Misslungene Auftritte gehören für Lippuner genauso dazu wie solche, die beim Publikum gut ankommen: «Gerade dies macht Poetry Slam so spannend. Es ist jedes Mal anders.»

Vom Bub zur Rampensau

Mittlerweile ist Pierre Lippuner seit neun Jahren aktiv in der Szene dabei. Er trat hauptsächlich in der Schweiz, aber auch schon an internationalen Meisterschaften auf. «Seit ich slamme, hat sich vieles in meinem Leben verändert.» Das eher ruhige Kind wurde immer mehr zur Rampensau. Es mache ihm Spass, immer wieder Neues auf der Bühne auszuprobieren, sei es eine spezielle Textform oder ein ungewöhnlicher Inhalt, sagt er. Entweder gefällt es dem Publikum oder eben nicht. Auch die Begrüssung, die in gewisser Weise zu seinem Markenzeichen geworden ist, zeugt von seinem frechen Charakter: «Namaste, Bitches». Er bricht damit das Eis und sorgt für einige Lacher im Publikum, denn keiner erwartet solche Worte – und schon gar nicht zu Beginn. Während und nach den Slams wird reichlich Freibier konsumiert und am Schluss wird der Sieger-Whiskey geteilt. «Im schlimmsten Fall bekommt der Gewinner nur den ersten Schluck und die leere Flasche.»

Kritische Ansichten

Die Inspiration für seine Texte nimmt Lippuner meist von einer Textstelle eines Buches, von anderen Slam-Texten oder von einer «dummen Idee», auf die er im Ausgang kam. Er bringt auch Geschichten aus seinem persönlichen Leben, die er ausschmückt, vor das Publikum. Er würde gerne wieder mehr kritische Texte auf die Bühne bringen. Diese sollen vor allem Themen wie Rassismus und Diskriminierung behandeln oder die heutige Konsumgesellschaft hinterfragen. «Sag also willkommen zu Onkel Rassismus. Sag Hallo da zur Angst. Sag Hallo, und wink mal schön, dieser verdammten Ignoranz!» Ob lustige Kurzgeschichten, lyrische Texte oder ein Bühnenkrimi – er hat schon alles ausprobiert.

Zukunft mit Poetry Slam

Wenn Pierre Lippuner auf seine bisherige Zeit als Slam-Poet zurückschaut, war sie von vielen Highlights geprägt: Er konnte andere Slammer kennenlernen, an unterschiedlichen Orten seine Texte präsentieren und das tun, was er liebt. Lippuner organisiert Nachwuchs-Slams in der Ostschweiz und möchte damit den Bestand der Slam-Szene sichern und Jungtalente fördern. An den Poetry-Slam-Schweizer-Meisterschaften, die heute starten, schlüpft er in die Rolle des Moderators des U20-Finals. Zusammen mit Fabian Engeler tritt er am Freitag als Slam-Duo Pink im Park zum Team-Finale an. Als Mitorganisator dieses Events steht Lippuner eher im Hintergrund, als Slammer hingegen mitten im Rampenlicht.

Der hauptberufliche Grafiker aus St. Gallen hat neben dem Poetry Slam noch viele Pläne. Im September beginnt er eine Ausbildung zum Multimedia-Produzenten. In der Zukunft möchte er das Schreiben und die Grafik weiter zusammenführen, zum Beispiel in Form eines Buches. «Beruflich möchte ich irgendwann das machen, was ich will.» Poetry Slam sei tief in seinem Leben verankert und momentan nicht wegzudenken. «Klar braucht es auch Pausen, aber ich höre erst mit dem Slammen auf, wenn ich keine Lust mehr habe.»