Durch Krisen zum Erfolg: Die Anfänge

Heute stellen sie nur gerade dreizehn Prozent der Besucherinnen und Besucher – die sich allerdings oft die teuersten Billette leisten.

Rolf App
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Focus - Bregenzer Festspiele Festwoche Bregenz, 1946

Focus - Bregenzer Festspiele Festwoche Bregenz, 1946

Heute stellen sie nur gerade dreizehn Prozent der Besucherinnen und Besucher – die sich allerdings oft die teuersten Billette leisten. Damals aber, beim Start der Bregenzer Festspiele vor siebzig Jahren, sind die Schweizer geradezu das tragende Element, wie eine zum Jubiläum erschienene Broschüre erzählt.

Bregenz, vom Krieg gezeichnet

Bregenz ist 1946 noch von den Franzosen besetzt, die Stadt ist am Ende des Zweiten Weltkriegs noch bombardiert worden und leidet Not. Auf der andern Seite gibt es da diese Künstler, die aus der sowjetischen Besatzungszone im Osten Österreichs nach Vorarlberg geflohen sind. Aus dieser Situation entstehen die Festspiele, die im August 1946 einen ersten Anlauf nehmen.

Start auf zwei Kieskähnen

Auf zwei Kieskähnen wird im Hafen Mozarts «Bastien und Bastienne» gespielt, dazu kommen Sportveranstaltungen, Lesungen, Konzerte und eine Produktion der Vorarlberger Landesbühne. Von rund 25 500 Besuchern kommen allein 22 400 aus der Schweiz. Sie dürfen keine Schillinge und nur geringe Mengen an Lebensmitteln einführen; Bregenz braucht Devisen.

Schon beim ersten Mal geraten die noch von der Stadt getragenen Festspiele tief in die roten Zahlen, 1949 werden sie deshalb verselbständigt. Politisch Belastete aus der Zeit des Nationalsozialismus suchen sich über ihr Engagement gesellschaftlich zu rehabilitieren.

Vor allem Operetten

Künstlerisch will man weitherum wahrgenommen werden. Internationale Stars und die Wiener Symphoniker werden engagiert. Dreissig Jahre lang prägt der Kulturjournalist Ernst Bär als Direktor das Programm mit Operetten auf der Seebühne und Opern im Kornmarkttheater.

Finanziell geraten die Festspiele immer wieder mal in Not, und auch die Opposition unter einheimischen Künstlern gegen das anspruchslose Programm wächst, sie bauen ein Alternativprogramm auf. Kurz nach der Eröffnung des Festspielhauses wird Bär 1982 zum Rücktritt gezwungen. Ein Bericht des Rechnungshofs legt finanzielle Misswirtschaft offen.

Der neue Direktor Alfred Wopmann verpflichtet angesehene Regisseure und ist überzeugt, dass künstlerisch anspruchsvolle Produktionen ein Massenpublikum finden können. Im Festspielhaus programmiert er vermehrt Neue Musik.

Axel Renner/Manfred Welte (Hg.): Vom Kieskahn zur Opernbühne am See – 70 Jahre Bregenzer Festspiele