Dunkler geht es wohl nimmer

Es könnte ein früher Höhepunkt des Konzertjahres sein. Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet tritt im Palace auf. Der Londoner mit afrikanischen Wurzeln hat sein geniales neues Soul-Trip-Hop-Indie-Album im Gepäck.

Marc Peschke
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Ghostpoet (Bild: pd)

Ghostpoet (Bild: pd)

ST. GALLEN. Das neue Wunderkind, der neue Star des abstrakten Avantgarde-Hip-Hop heisst Obaro Ejimiwe, ist 1983 geboren, und macht mit einem Sound Furore, der auf schönste Weise an Vergangenes erinnert: Trip Hop – vor etwa 20 Jahren der brandaktuelle Sound – findet im Werk des Engländers eine überraschende Wendung in die Gegenwart.

Meister des Dunklen

Der Londoner mit Wurzeln in Nigeria und in der Dominikanischen Republik, der lange Jahre in der abgewrackten Industriestadt Coventry gelebt hat, ist ein Meister des Dunklen, des Unbestimmten, des Diffusen. Man betrachte seine Videos: Sie spielen meistens in der Nacht. Man höre seine Musik und denkt sich: Dunkler geht es nimmer. Schon mit seinem Début «Peanut Butter Blues And Melancholy Jam» hat er einen ganz eigenen Stil geprägt: Seine langsamen, verschliffenen Raps erinnern mehr an Tricky denn an andere Grössen des britischen Hip-Hop wie The Streets oder Roots Manuva, mit denen er gerne verglichen wird. Sein 2013 erschienenes Album «Some Say I So I Say Light» und noch mehr sein neues Werk «Shedding Skin» zeigt den Engländer als Klangkünstler, als Erschaffer einer schwer zu kategorisierenden, poetischen, souligen Musik, die sich aus verschiedenen Quellen speist. «Erst das Bewusstsein darüber, dass ich ein Individuum bin, macht mich lebendig», sagt Obaro Ejimiwe und schafft eine Musik, die diesem Motto entspricht: Individuell und originär ist sein verschliffener, verschluckter, bisweilen sonorer Rap, der etwa in «Be Right Back, Moving House» – einem Duett mit Maxïmo-Park-Sänger Paul Smith – einen besonderen Höhepunkt findet.

Lang ohne Langeweile

Was die Zukunft wohl bringt? In dem Track «Off Peak Dreams» heisst es dazu: «No one knows what morning brings. Maybe a couple beers in your arm.» Selten klang die Mischung aus Soul, Elektro, Indie-Pop, Wave, Dub, Blues, Hip-Hop, Jazz und Avantgarde so berauschend, so genial besoffen wie bei Ghostpoet. Langsamkeit ist dabei sein besonderes Markenzeichen: Er ist hervorragend darin, die Songs in die Länge zu ziehen, ohne langweilig zu werden.

«Shedding Skin» hat er mit Band eingespielt. Er wird also diesmal im Palace neben Synthesizer auch E-Gitarre, Bass und Schlagzeug mit dabei haben. In jedem Fall ist sein Blick auf die Welt ein sehr besonderer: «Für dieses Album wäre es albern gewesen, darauf zu fokussieren, wie grossartig oder auch nicht sich mein Leben anfühlt. Mein Leben ist eines unter Millionen. Das ist auch die Haltung des Albums.» Sein Auftritt könnte ein früher Höhepunkt des Konzertjahres werden.

Do, 17.3., 21 Uhr, Palace