Düstere Melancholie, soulige Sehnsucht

Die kanadische Sängerin Al Spx singt unter dem Namen Cold Specks mit ungewöhnlich herber und abgründiger Stimme. Ihr melancholischer Songwriterpop klingt wie Musik, die schon immer da war. Glaube, Liebe und Tod sind ihre Themen.

Marc Peschke
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So wie in den Sixties: Die Kanadierin Al Spx von Cold Specks. (Bild: pd)

So wie in den Sixties: Die Kanadierin Al Spx von Cold Specks. (Bild: pd)

Ab und an gibt es das: Erstlingswerke, Debütalben, die so klingen, als würde es diese Musik schon sehr, sehr lange geben. So ist es auch bei der kanadischen Sängerin Al Spx, die als Cold Specks in den vergangenen Monaten zum Geheimtip avanciert ist. Mit ihrem dunklen, melancholischen Songwriterpop, der ebensolche Stimmungen heraufbeschwört: Düsternis, Melancholie und Sehnsucht.

«Doom Soul» trifft's

Das alles steckt in Cold Specks' Debüt «I Predict A Graceful Expulsion», das bei Broken Hertz Records erschienen ist und von Rob Ellis produziert wurde, der immer wieder mit PJ Harvey zusammengearbeitet hat. «Doom Soul» nennt die Sängerin ihre Musik selbst: «Wir haben einen Genre-Namen gesucht für unsere Webseite. Mehr aus Spass habe ich <Doom Soul> aufgeschrieben. Aber ich bin dabei geblieben, denn das beschreibt die Musik ziemlich akkurat. Die Songs sind gleichzeitig düster und soulful, also: Doom Soul.»

Das ist Musik, die umgarnt wird von Gitarren, Cello, Kontrabass, Saxophon, Schlagzeug und Geigen. Musik, die Folk, Country und Gospel touchiert, die sich auskennt in der Pop-Geschichte – aber auch Musik, die ganz gegenwärtig ist. Im Zentrum steht stets diese ungewöhnliche, ungewöhnlich herbe, abgründige Stimme, die auch Ungewöhnliches mitzuteilen hat. Um das Thema des Glaubens kreisen viele ihrer Texte, um den Tod, um die Tragik, die im Leben steckt. «We are many, we are dust, into dust we all return», so heisst es etwa in der ersten Single «Holland». «Glaube, Liebe und Tod sind meine drei Hauptthemen», so die Sängerin. «Meine Familie ist sehr religiös. Als ich so neunzehn, zwanzig war, konnte ich damit gar nichts anfangen. Aber nun beziehen sich alle meine Songs auf die Liebe zur Familie oder zu Jungs – oder sie haben mit dem Tod zu tun.»

Herb, bluesig, schlechtgelaunt

Verglichen worden ist sie mit Stimmen, die man vielleicht noch aus der Jugend kennt. Mit Kim Carnes, mit Bonnie Tyler, mit Alison Moyet, mit Stimmen also, die man schon damals ein wenig fürchtete – so herb klangen sie, so bluesig, so wenig gutgelaunt. Doch manchmal intoniert die Afro-Kanadierin noch älter: wie Mahalia Jackson in den Sixties oder Janis Joplin einige Jahre später. Und man will es nicht glauben: die mittlerweile in London lebende Sängerin ist erst Anfang Zwanzig.

Stacheldraht mit Samtbezug

Ihre Stimme ist sehr prominent auf diesem Debüt, das Cold Specks heute im Palace vorstellen. Die Musik ist schlicht, sehr reduziert. Sie nimmt sich zurück. Es könnte also ungemein spannend werden, zu erleben, wie Al Spx und ihre Musiker dieses Album auf eine Konzertbühne bringen.

Im Vorprogramm ist die Basler Singer-Songwriterin Maya Turbo zu hören, über deren Songs das deutsche Musikmagazin «Intro» geschrieben hat, sie klängen wie «Stacheldraht im Samtbezug». Auch dieses Bild macht Lust auf einen sehr besonderen Abend.

Heute Do, Palace, 20.45 Uhr