Dudelsack statt Gitarre

Mittelalter Die Münchner Band Faun verbindet auf ihrer neuen CD mittelalterliche Klänge, keltische Musik und Pop. Erstmals belegt sie damit Hitparaden-Spitzenplätze. Mitbegründer Oliver s. Tyr erklärt, wieso. Reinhold Hönle

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Bringen das Mittelalter in die Charts: Faun aus München mit Gründungsmitglied Oliver s. Tyr (zweiter von links). (Bild: Michael Wilfling Photography)

Bringen das Mittelalter in die Charts: Faun aus München mit Gründungsmitglied Oliver s. Tyr (zweiter von links). (Bild: Michael Wilfling Photography)

Herr Tyr, Faun haben mit ihrer achten CD «Von den Elben» in Deutschland und der Schweiz erstmals die Top 10 der Hitparade erreicht. Weshalb gerade jetzt?

Oliver s. Tyr: Mit unserer Musik waren wir bislang in einer extremen Nische unterwegs. Nun haben wir mit Universal erstmals eine grosse Plattenfirma im Rücken, die über die Erfahrung und Mittel verfügt, um ein breites Publikum auf unser Album aufmerksam zu machen.

Hat sich Ihre Band durch die Zusammenarbeit verändert?

Tyr: Auf älteren CDs haben wir in keltischen Sprachen, Latein oder Mittelhochdeutsch gesungen. Nun wollten wir ein deutschsprachiges Album herausbringen. Zum ersten Mal haben wir auch mit einem Produzenten gearbeitet. Mit ihm wollten wir eine klare Songstruktur wahren, weshalb die Lieder kürzer und auf eine Geschichte fokussiert sind. «Von den Elben» ist so leichter zugänglich.

Was hat es mit den Elben und dem Faun eigentlich auf sich?

Tyr: Der Faun stammt aus der griechischen und römischen Antike. Er ist der Anhänger von Pan, dem Hirtengott mit Ziegenbeinen und Hörnern. Er ist der Beschützer der Natur und Bindeglied zwischen Menschen, Tieren und Göttern. Die Elben stammen aus der volkstümlichen Mythologie und sind Baumgeister, die im Zuge von Tolkiens «Der Herr der Ringe» populär wurden.

Wie ist es zur Zusammenarbeit zwischen Faun und dem Produzententeam gekommen, das schon bei der Band Silbermond für Eingängigkeit gesorgt hat?

Tyr: Die Produzenten hatten das Gefühl, dass es in der Mittelalterszene gerade brodelt. Deshalb sind sie auf uns zugekommen. Auch weil sie viel Potenzial in uns sahen. Die Begegnung zeigte, dass wir persönlich wie musikalisch die gleiche Wellenlänge haben, und wir spannten zusammen.

Fürchteten Sie nicht deren Stempel?

Tyr: Natürlich war das ein Thema. Aber in der Vergangenheit haben wir verschiedene Alben gemacht und wollten uns nun weiterentwickeln. Dieses Mal stehen halt die Songs im Mittelpunkt.

Was inspirierte Sie für diese Songs?

Tyr: Das ist unterschiedlich: «Mit dem Wind» basiert auf einem schwedischen Tanz. Die Vorlage zu «Diese kalte Nacht» ist ein Volkslied aus England. Für den Titelsong haben wir einen Text aus dem 12. Jahrhundert vertont. Auf der letzten CD war er noch in Mittelhochdeutsch, nun haben wir ihn zum besseren Verständnis ins Hochdeutsche übertragen.

Was fasziniert Sie an der mittelalterlichen Musik?

Tyr: Ich habe Gitarre gespielt und dann entdeckt, dass die Laute eine stärkere Mystik hat. Die Kombination mit exotischen Instrumenten wie Drehleier und Dudelsack, die andere Sprache und eine Spannung, die damit zusammenhängt, dass mittelalterliche Musik oft in einer Tonart gespielt wird, sind für mich sehr reizvoll.

Sucht Faun das Mittelalterliche auch im Alltag?

Tyr: Ein Teil der Band hat keinen Fernseher oder heizt mit Holz. Trotzdem leben wir nicht wie im Mittelalter. Wir laufen nicht wie Ritter herum, tragen unsere Bühnenkleider aber auch privat.

Wie gut kennen Sie die Schweizer Mittelaltermusik-Szene?

Tyr: Wir waren oft in Luzern und Thun. Für ein Konzert in einem Rittersaal auf einer Burg mussten wir unser Material mit Hilfe von 20 Helfern über 60 steinerne Stufen hinauftragen! In der Schweiz ist die Mittelalter-Szene generell weniger gefestigt als bei uns in Deutschland, dafür wird in der Schweiz ausgiebiger und ausgelassener gefeiert.

Was erwartet die Besucher Ihres Konzerts am 20. März in Zürich?

Tyr: Auf der aktuellen Akustik-Tour geben wir nur bestuhlte Konzerte und verzichten auf Schlagzeug und Synthesizer. Die Atmosphäre ist dadurch viel intimer, und das Publikum bekommt die Details besser mit.

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