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Dubiose ­Typen in Bars

Belles Lettres
Melissa Müller

Schriftstellerin Siri Hustvedt hat bei einer Lesung in Zürich vor 15 Jahren einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die smarte Amerikanerin hatte die blonden Haare zu einer Banane frisiert. Sie stöckelte in Marlene-Hosen auf die Bühne. Als der Moderator sie zu ihrem berühmten Schriftsteller-Ehemann Paul Auster befragte, wurde die New Yorkerin sehr kühl und liess ihn abblitzen. Der Moderator verstummte augenblicklich, seine Ohren glühten vor Scham.

Siri Hustvedt bewies schon 1992 mit ihrem Début «Die unsichtbare Frau», dass sie literarisch unabhängig von ihrem Mann schreibt. Die schöne Literaturstudentin Iris Vegan ist die Ich-Figur in diesem geheimnisvollen Buch. Sie ist so arm, dass sie sich nur noch von Nudeln ernährt und obskure Jobs annehmen muss. Für einen Schriftsteller soll sie etwa die Gegenstände einer ermordeten Frau beschreiben: Ein mit Make-up verschmiertes Wattebällchen und einen Spiegel. Später streift Iris als Mann gekleidet durch New York und macht in den Bars dubiose Männerbekanntschaften. Die Suche nach sich selbst mündet für die junge Frau in Migräne­attacken, die sie an den Rand der Verzweiflung treiben. Der Roman um Identität und ­Geschlechterrollen entfaltet vom ersten Satz an einen starken Sog. Viele Rätsel bleiben bis zum Schluss ungelöst. Vielleicht gerade darum ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

Melissa Müller

Siri Hustvedt: Die unsichtbare Frau. Rowohlt, 266 S., Fr. 15.–

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