Drei kunstvolle Welten

Sie sind verschieden und sie arbeiten unterschiedlich, die drei Aussenseiterkünstler im Kunstverein Frauenfeld. Und einen der vier Räume teilen sie sich.

Dieter Langhart
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Gesichter und Gebäude, Farben und Grafisches: Kunst und Leben bilden eine Einheit bei Felix Brenner. (Bild: Reto Martin)

Gesichter und Gebäude, Farben und Grafisches: Kunst und Leben bilden eine Einheit bei Felix Brenner. (Bild: Reto Martin)

Art brut, Aussenseiterkunst, naive Kunst: Die Begriffe sind näher beisammen als die Kunst, die sie einzufangen suchen, und näher als die Künstler, die solche Kunst machen. Das belegen die beiden Ostschweizer Kompetenzzentren für Aussenseiterkunst, das Museum im Lagerhaus in St.Gallen und das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen. Das belegen Sammler wie Korine und Max E. Ammann, die 2011 Schätze im Kunstmuseum zeigten.

Erfreulich, dass sich der Kunstverein Frauenfeld mit einer dichten Ausstellung gleich drei solchen Aussenseitern widmet – jede Wand ist voll behängt. Einer von ihnen, Felix Brenner, ist derzeit auch in der Ausstellung «Rausch» zu sehen in Ittingen, wo manche seiner Arbeiten eingelagert sind.

Der Basler und der Blaue Planet

Felix Brenner ist ein wilder Kerl. Hat oft einen Hut auf, hat auch mit Rauschmitteln etwas am Hut. Felix Brenner ist ein Tüftler, er experimentiert, verarbeitet psychedelische Erfahrungen in seinen Werken. Sein Leben ist wie ein Abenteuerroman. Mit dreizehn haut der Basler von daheim ab, lebt in WGs, beginnt eine Drogenkarriere mit allen dunklen Begleiterscheinungen, bewegt sich in der alternativen Kulturszene der Stadt, gründet die Bewegung «Blauer Planet», engagiert sich in der alten Stadtgärtnerei. Er besucht Grafikkurse an der Schule für Gestaltung und bekommt ein Stipendium für einen Aufenthalt in New York. Dann zieht er sich in den Jura zurück, seit 2001 lebt er in Altnau am Bodensee.

Ethnobotanik bleibt Brenners Forschungsgebiet. Er malt botanische Studien, macht aufwendige Lithos, entwickelt neue Druckverfahren, scheut keinen Aufwand. Und er ist selbstbewusst, seine Person ist das andere Forschungsgebiet: «Felix Ramses II» heisst eines seiner Selbstporträts. Und er weiss sehr genau Bescheid über die Welt und was auf ihr passiert und druckt T-Shirts und dreht Videos und betreibt ein Internet-Radio.

Eine fröhliche Welt ganz aus Neocolor

Wie anders doch Sandra Kollers Welt. Auch eine eigene Welt. Eine phantasievolle, poetische Welt. Eine heitere und farbenfrohe Welt, inspiriert von mehreren Jahren in Indien. Ihre unzähligen Neocolor-Stifte spitzt sie zu, malt täglich, malt den ganzen Tag detailreiche und zarte Bilder, stets auf Karton im Format 50 × 70 cm. Eine exakte Welt. Aber auch eine Welt, in der eine Wirtschaft dies miteinander anbietet: «Hüt git's Hot Dog und es Glace», und in der die Rechtschreibung eigenwillig sein darf und das Meer ganz bewusst «Mehr» heisst.

Hans Weder, in Herisau geboren und verwandt mit dem Diepoldsauer Bildhauer, Maler und Erfinder der «Farborgel» Jakob Weder, macht 1972 die Matur. Er hat nur ein Ziel: Er will nach Paris, er will Maler werden. Er besucht die Kunstgewerbeschule, dann holen ihn Depressionen ein. Er bekommt Anstellungen in Zürcher Galerien, trifft sich mit Künstlerkollegen, gründet eine Familie. Das alles ist vorüber, seit den Neunzigerjahren.

Hans Weder malt noch immer. Er malt gegen die Einsamkeit. Er malt fast nur Köpfe, ganz selten auch Gruppen von Personen. Für diese Kopfbilder führt er einen starken, einen schwungvollen Pinsel. «Hans Weder hat einen tollen Strich», sagt Markus Landert, Direktor des Kunstmuseums Thurgau. Hans Weder bringt die sparsamen Striche rasch aufs Blatt, und die Gesichter weisen einen meisterhaften Grad an Abstraktion und Reduktion auf. Die Kunst ist Hans Weder nicht Therapie, die Kunst ist sein Lebensinhalt.

Vernissage: Sa, 17.9., 17.30 Uhr (Tür 16.30), Kunstverein, Bernerhaus, Frauenfeld. Bis 16.10. Sa 10–12/14–17, So 14–17 Uhr