Dort, wo das Glück wohnt

Hörbar Vokal

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Benjamin Appl:

Heimat, Sony Classical

Es tönt beängstigend nach einer sehr deutschen Angelegenheit, wenn ein Konzeptalbum den ­Titel «Heimat» trägt. Doch keine Sorge: Der junge Bariton Benjamin Appl, grossgeworden bei den Regensburger Domspatzen und letzter Schützling der Liedlegende Dietrich Fischer-Dieskau, arbeitet sich für sein Début beim Label Sony keineswegs am ideologisch aufgeladenen Heimatbegriff ab. Vielmehr versteht er ihn persönlich: als dasjenige, was einem Menschen Identität und Geborgenheit gibt, was ihn von Kindesbeinen an bewegt und ­begleitet, wenn er wegzieht. So kommen zu Schubert, Brahms, Reger und Strauss Erfahrungen «grenzenloser» Beheimatung. In England hat Appl eine zweite Heimat gefunden, konsequenterweise sind Lieder von Britten, Warlock, Bishop und Williams in seiner Auswahl. Aber auch überaus Berührendes wie Adolf Strauss’ im KZ Theresienstadt komponiertes «Ich weiss bestimmt, ich werd’ dich wiedersehen». Mit seinem Begleiter, dem Pianisten James Baillieu, gelingt ihm so eine klangschöne, feinsinnig interpretierte Anstiftung zur persönlichen musikalischen Heimatkunde.

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Les Arts Florissants:

Bien que l’amour. Airs sérieux et à boire, Harmonia Mundi

Die Liebe am Hof des Sonnenkönigs

Dass es in Liebesdingen und bei Festen auf Schloss Versailles handfest und deftig zuging, ist dieser Sammlung von Arien und Trinkliedern nicht anzuhören. Hofkomponisten wie Michel Lambert, François Couperin und Marc-Antoine Charpentier jedenfalls schufen überaus gepflegte, zierliche Musik, die hier von William Christies Ensemble Les Art Florissants kunstfertig interpretiert wird. Das Spektrum an Empfindungen ist weit – von tiefer Melancholie reicht es bis zu frivoler Ausgelassenheit. Ein ­königliches Vergnügen!

Bettina Kugler