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DOPPELAUSSTELLUNG: Das Vogelnest im Schuh

Zwei junge Künstler lassen bei aller Verspieltheit eine tiefe Ernsthaftigkeit erkennen. Zu sehen sind Lorenzo Bernet und Anna Fehr in der Galerie Kirchgasse in Steckborn.
Dieter Langhart
Lorenzo Bernet: Kein Titel (Echo Schwein), 2017; Rundscheibe, Projektor, Stativ. (Bilder: Donato Caspari)

Lorenzo Bernet: Kein Titel (Echo Schwein), 2017; Rundscheibe, Projektor, Stativ. (Bilder: Donato Caspari)

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Wer (wie unser Fotograf) ins winzige Büro Erich Hausammanns tritt und durch die Drehscheibe zurück in den Galerieraum blickt, wird geblendet. Wer davor steht, sieht die Projektion der farbigen Flecken an der Wand des Hinterzimmers. Wer vor dem Betreten der Galerie aufmerksam war, hat das an der Hausmauer klebende Vogelnest gewiss nicht übersehen, das «Birdhouse» aus Schuh, Blech, Heu. Und wer durch die schmale Tür in den Innenhof tritt, entdeckt da eine Holzbank, von beiden Künstlern gestaltet.

Lorenzo Bernets Projektion und Anna Fehrs Installation umfassen wie eine Klammer ihre Werke. In dieser Doppelausstellung zeigt die Galerie Kirchgasse mitten in Steckborns Altstadt zwei junge Künstler: Der Zürcher Bernet ist Jahrgang 1986, die Münchnerin Anna Fehr fünf Jahre jünger. Sie haben durchaus Humor – die Ausstellung heisst wie die Bank: «Echo Schwein».

Bleistift hinter ­mundgeblasenem Glas

Lorenzo Bernet und Anna Fehr sind von der Idee einer räumlichen Installation ausgegangen, sagt Galerist Hausammann, von einer Landschaft aus Bildern, die sich zwischen Aussenraum und Hinterzimmer ausbreitet. Das mag etwas gesucht erscheinen, denn in der Galerie hängen die Bilder konventionell an der Wand. Anders als in der vergangenen Kirchgasse-Schau: Da hatte Philipp Schwalb in seinem Universum farbige Inseln aus Leinwand am Boden ausgelegt.

Beginnen wir mit Lorenzo Bernet. Er pendelt zwischen Zürich und Wien, stellt seit vier Jahren aus und hat gleich zweimal den Swiss Art Award der Kiefer- Hablitzel-Stiftung gewonnen, 2015 und 2016. Dieses Rot! Die Bilder, die er an der Kirchgasse zeigt, sind von einem tiefen, warmen Rot, dahinter schlummern zarte Bleistiftstriche auf Bristolpapier. Dieses Rot hat Bernet nicht gemalt, er hat es in Glas blasen lasen; die nicht ganz plane Oberfläche erinnert an das Antikglas, das auch in Kirchenfenstern verwendet wird. In einigen der fünf Bilder verschwimmen die Karmesin-Töne zu Wellen, Schwüngen, Landschaften fast. Und wenn Fehler beim Glasblasen entstanden waren, hat Lorenzo Bernet seinen abstrakt reduzierten, entweder verzitterten oder mit Schablonen streng wiederholten Strich nach der Oberfläche ausgerichtet. Erst war das Glas, dann kam die Zeichnung, entstanden sind fragile Zeugnisse eines nur bedingt vorhersehbaren Prozesses.

Spiel mit Ebenen: Hier Hitler, da Daumier

Anna Fehr, in der Schweiz noch unbekannt und in Steckborn erstmals zu sehen, verbindet in ihren Bildern ebenfalls zwei Ebenen. In einer Sechserserie hat sie Titelseiten etwa des Satiremagazins «Titanic» mit Acrylfarbe und Filzstift übermalt, aber den ­essenziellen Satz «Das andere Sachsen gibt es auch!» sichtbar gelassen und die winzige Sprechblase «Heil Hitler!». In der zweiten, neunteiligen Serie «BB-Daumier» malt und zeichnet Anna Fehr mit Kohle, Tusche, Bleistift, Öl auf Transparentpapier und mischt Motive aus Honoré Daumiers Werken mit Kringeln, Spiralen, Hintergründen zu verspielten Brückenschlägen zwischen Historie und Heute. Die Bilder hängen hinter Klarglasscheiben, aus denen vorsichtig die Ecken herausgebrochen wurden, um Platz für die Nägel zu schaffen. Schön, wie sich Lorenzo Bernet und Anna Fehr im Glas treffen.

Lorenzo Bernet/Anna Fehr, Galerie Kirchgasse, Steckborn, Kirchgasse 11; bis 20.5. Do/Fr 11–18, Sa 10–17 Uhr

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