DOKUMENTARFILM: In der Wohlfühlblase

Uta Kenter hat fünf junge Schweizer Künstler während fünf Jahren begleitet. Leider sind die knapp 60 Minuten nicht ausreichend für vertiefte Porträts.

Christina Genova
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Der St. Galler Beni Bischof gehört zu den porträtierten Künstlern in Uta Kenters Langzeitreportage. (Bild: SRF)

Der St. Galler Beni Bischof gehört zu den porträtierten Künstlern in Uta Kenters Langzeitreportage. (Bild: SRF)

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch

«Ihr seid alles Hochstapler», sagt der junge Reinigungsmitarbeiter an der Art Basel Miami zu Julian Charrière. Er hat gerade vom Künstler erfahren, dass das käfigartige Objekt, das von der Decke hängt, 20000 Dollar kostet. «Komm schon, dass ist doch nicht schlecht», antwortet Charrière fast entschuldigend. Dies ist die Eingangsszene von Uta Kenters Langzeitreportage «Alles für die Kunst». Dafür hat sie fünf junge Schweizer Künstler während fünf Jahren begleitet. SRF 1 zeigt den Dokumentarfilm morgen Sonntag. Als Uta Kenter Julian Charrière zum ersten Mal besucht, steht der Westschweizer mit Jahrgang 1987 kurz vor dem Abschluss ­seines Kunststudiums in Berlin. Fünf Jahre später gehört er zu den Künstlern, die den Durchbruch geschafft haben. Eine der Schlussszenen zeigt den 29-Jährigen mit Bundesrat Alain Berset an der Biennale in Venedig, wo Charrière im Arsenale eines seiner Werke zeigen kann. Der Erfolg freut den Künstler, er spricht aber auch über die Angst, das ­Level nicht zu halten. Auch Claudia Comte ist gut im Geschäft.

«Ich arbeite von morgens bis abends»

Die 34-jährige Westschweizerin lebt ebenfalls in Berlin und beschäftigt in ihrem Atelier bis zu zehn Mitarbeiter. Gerade ist an der Art Basel auf dem Messeplatz eine grosse Installation von ihr zu sehen. Der Erfolg ist der Künstlerin nicht in den Schoss gefallen: «Ich arbeite immer, von morgens bis abends», sagt Comte, «mich interessiert nichts anderes.» Die totale Hingabe, die Leidenschaft für ihren Beruf ist es, welche die fünf sehr unterschiedlichen Künstler ­verbindet. Alle fünf schätzen ausserdem die Freiheit, die damit ­verbunden ist. Der 40-jährige St. Galler Beni Bischof, der sich selbst als Hofnarr bezeichnet, spricht aber auch über die Existenzängste, die ihn plagen – trotz des Erfolgs: «Wichtig ist, dass ich sie beim Arbeiten verdrängen kann und ich in eine Wohlfühlblase hineinkomme.»

Kunst und Leben verbinden

Maja Hürst, die mit ihrer figurativen Malerei Fassaden auf der ganzen Welt und mittlerweile auch Leinwände bemalt, kann noch keine grossen Museumsausstellungen vorweisen. Doch sie führt das «wilde Leben» , das sie sich schon als Kind gewünscht hat. Einen ganz anderen Weg abseits des kommerziellen Kunstbetriebs hat die Baslerin Anja Rüegsegger gewählt. Sie lebt mit anderen Künstlern in der Nähe von Warschau in einer Datscha-Siedlung und versucht dort, Kunst und Leben zu verbinden.

Fünf Jahre Leben von fünf Künstlern hat Uta Kenter in eine knappe Stunde Film gepackt. Das reicht für ein paar spannende Schlaglichter, aber ist zu wenig Zeit, um einen tieferen Einblick in deren Entwicklung zu erhalten. Gerne hätte man noch mehr über die fünf erfahren.

Sternstunde Kunst: Sonntag, 18.6., 11.55 Uhr, SRF 1.